digitalis
lichte tage grünschattiert
vorbei der mai, es schimmert
schon blau über der gerste
am weg hinauf zum wald verbreiten
holunderbüsche weiße schwüle und
kiefernzapfen würzen die luft
roter fingerhut früh im jahr
leuchtet steil aufgerichtet – und ...
wie geht es deinem herz?
laufe barfuß über tannennadeln
streu mir pfeffer auf die erdbeeren
um etwas zu spüren
©GJ2012/2008
Edit "es" in Z 2 an die richtige Stelle gesetzt.
digitalis
-
scarlett
liebe gerda,
das gefällt mir sehr gut.
die art, wie du hier mit der doppelbedeutung von digitalis spielst, die bilder, der für mich fast schon sarkastische schluss ... ja ja, das hat was.
nur dass es FÜR MICH kein gedicht ist, sondern eine wunderbare miniatur in prosa mit umbrüchen.
kleine anmerkung noch:
vorbei der mai schimmert
es schon blau über der gerste
hier funktioniert das zeilenübergreifende lesen nicht, entweder der mai schimmer schon blau über der gerste oder aber
vorbei der mai, es schimmert schon blau über der gerste ...
das "es" ist m m nach zu viel.
sehr schön!
lg
monika
das gefällt mir sehr gut.
die art, wie du hier mit der doppelbedeutung von digitalis spielst, die bilder, der für mich fast schon sarkastische schluss ... ja ja, das hat was.
nur dass es FÜR MICH kein gedicht ist, sondern eine wunderbare miniatur in prosa mit umbrüchen.
kleine anmerkung noch:
vorbei der mai schimmert
es schon blau über der gerste
hier funktioniert das zeilenübergreifende lesen nicht, entweder der mai schimmer schon blau über der gerste oder aber
vorbei der mai, es schimmert schon blau über der gerste ...
das "es" ist m m nach zu viel.
sehr schön!
lg
monika
Liebe Gerda,
auch mir gefällt dieser Text - wie sollte er nicht! Wo er doch so schön mit Farben, Schattenspielen und Düften den Frühsommer mitschwingen lässt.
Bei "wie geht es deinem herz" habe ich erst gestutzt und wollte korrigieren: deinem herzen
Aber scheinbar sind beide Formen richtig.
Die letzte Strophe ist eigentlich noch zu schön, um so richtig drastisch zu zeigen, dass man sich etwas quälen muss, dass man starke Reize braucht, um noch etwas zu spüren. Barfusspfade über Tannennadeln gibt es zu Hauf und Pfeffer auf Erdbeeren in vielen Restaurants. Wenn das lyrische Ich sich wirklich wachpieksen will, würde ich da noch etwas draufsetzen. Allerdings ist es für mich doch ein leichter Wiederspruch, dass das lyrische Ich so starke Reize braucht, dann vorher hat es doch die feinen Düfte und Farben des Frühsommers durchaus gespürt.
Viele Grüße
fenestra
auch mir gefällt dieser Text - wie sollte er nicht! Wo er doch so schön mit Farben, Schattenspielen und Düften den Frühsommer mitschwingen lässt.
Bei "wie geht es deinem herz" habe ich erst gestutzt und wollte korrigieren: deinem herzen
Aber scheinbar sind beide Formen richtig.
Die letzte Strophe ist eigentlich noch zu schön, um so richtig drastisch zu zeigen, dass man sich etwas quälen muss, dass man starke Reize braucht, um noch etwas zu spüren. Barfusspfade über Tannennadeln gibt es zu Hauf und Pfeffer auf Erdbeeren in vielen Restaurants. Wenn das lyrische Ich sich wirklich wachpieksen will, würde ich da noch etwas draufsetzen. Allerdings ist es für mich doch ein leichter Wiederspruch, dass das lyrische Ich so starke Reize braucht, dann vorher hat es doch die feinen Düfte und Farben des Frühsommers durchaus gespürt.
Viele Grüße
fenestra
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Renée Lomris
Guten Morgen Gerda,
Ich mag die Digitalis-Metapher sehr, würde aber dann das medizinisch Gefährliche, das direkte Wirkung verspricht, doch irgendwie greller durchscheinen lassen.
In einem Gedicht deiner Sprachkompetenz würde ich die inzwischen als altertümlich bezeichnete aber doch noch so verwendete Deklination: "wie geht es deinem Herzen" vorziehen. (Ich persönlich würde das sogar so sagen ... nicht nur schreiben)
Abgesehen von diesen zwei Punkten finde ich dies eine sehr schöne, gelungene Meditation über das rebellische Herz.
liebe Grüße
Renée
Ich mag die Digitalis-Metapher sehr, würde aber dann das medizinisch Gefährliche, das direkte Wirkung verspricht, doch irgendwie greller durchscheinen lassen.
In einem Gedicht deiner Sprachkompetenz würde ich die inzwischen als altertümlich bezeichnete aber doch noch so verwendete Deklination: "wie geht es deinem Herzen" vorziehen. (Ich persönlich würde das sogar so sagen ... nicht nur schreiben)
Abgesehen von diesen zwei Punkten finde ich dies eine sehr schöne, gelungene Meditation über das rebellische Herz.
liebe Grüße
Renée
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Gerda
Liebe Monika,
Vielen Dank für das positive Feedback.
Wie du siehst, habe ich Z 2/3 korrigiert. Das "es" an die richtige Stelle grückt und ein Komma eingefügt.
Es war eine Panne, dass ich es so eingesetzt habe. (Ein alter überarbeiteter Text, neu aufgestellt, in dem ich versehentlich nicht umgestellt hatte).
Nimme es als Prosaminiatur, du weißt ja wie es ist, Es ist schwer festzulegen, was ein Gedicht und was keines ist. Es liegt im Ermessen des Lesers
Liebe Grüße
Gerda
Vielen Dank für das positive Feedback.
Wie du siehst, habe ich Z 2/3 korrigiert. Das "es" an die richtige Stelle grückt und ein Komma eingefügt.
Es war eine Panne, dass ich es so eingesetzt habe. (Ein alter überarbeiteter Text, neu aufgestellt, in dem ich versehentlich nicht umgestellt hatte).
Nimme es als Prosaminiatur, du weißt ja wie es ist, Es ist schwer festzulegen, was ein Gedicht und was keines ist. Es liegt im Ermessen des Lesers
Liebe Grüße
Gerda
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Gerda
Lieber Jürgen,
ich bin freudig überrascht dich unter diesem Text zu lesen. Vielen Dank für deine Rückmeldung. Wie du siehst habe ich den Strich hinter "und" durch 3 Pünktchen ersetzt." den Tipp bekam ich am realen PoetenStammTisch gestern Abend. Denn einerseits soll der Leser innehalten andererseits geht es ja gedanklich in der folgenden Zeile weiter.
Liebe Grüße
Gerda
ich bin freudig überrascht dich unter diesem Text zu lesen. Vielen Dank für deine Rückmeldung. Wie du siehst habe ich den Strich hinter "und" durch 3 Pünktchen ersetzt." den Tipp bekam ich am realen PoetenStammTisch gestern Abend. Denn einerseits soll der Leser innehalten andererseits geht es ja gedanklich in der folgenden Zeile weiter.
Liebe Grüße
Gerda
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Gerda
Liebe Fenestra,
herzlichen Dank für deine Rückmeldung, Es freut mich, dass du auf diesen Text aufmerksam geworden bist.
Also nur vorab, ich will mich nicht rausreden
Wenn du bei denletzten beiden Zeilen überlegst, ob sie stark genug sind, kann ich es aber durchaus nachvollziehen, weil ich selbst überlegt habe, ob die "Schmerzufügung" und die "Geschmacksverstärkung" ausreicht.
Gedacht ist es wie folgt:
Das Lyrich ist sensibel genug, die Nuancen in der Natur zu empfinden, aber es fehlt ihm etwas, was ihm entglitten ist. Wenn es an der Liebe mangelt, um es so beim Namen zu nennen, heißt das nicht zwangsläufig, dass es stärkere Reize braucht die immer mit Erinnerungsschmerz einhergehen.
Z 7 + 8 weisen ja auch in Richtung Sexualität, es geht nicht ausschließlich um Herzschmerz, aber das wirst du herausgelesen haben.
Mit der Rezeptur "Erdbeeren mit Pfeffer, hast du zwar Recht ... aber ich konnte mich nicht entschließen etwas mit Peperoni oder Ingwer zu kreieren, weil der Pfeffer schon vom Wortklang m. E. "richtig" gut passt und sagen wir nicht auch, wenn es etwas "hart" ist, dass es gepfeffert ist?
Wie du siehst, habe ich gerde darüber intensiv nachgedacht. Aus den Tannennadeln könnte ich vielleicht Tannenzapfen* machen ... Da täte ich mich leichter.
Zu "Wie geht es deinem Herz", schreibe ich noch etwas an Renèe.
Liebe Grüße
Gerda
Edit
* Ne, geht nicht wegen der Kiefernzapfen ... habe ich erst später realisiert..gif)
herzlichen Dank für deine Rückmeldung, Es freut mich, dass du auf diesen Text aufmerksam geworden bist.
Also nur vorab, ich will mich nicht rausreden
Wenn du bei denletzten beiden Zeilen überlegst, ob sie stark genug sind, kann ich es aber durchaus nachvollziehen, weil ich selbst überlegt habe, ob die "Schmerzufügung" und die "Geschmacksverstärkung" ausreicht.
Gedacht ist es wie folgt:
Das Lyrich ist sensibel genug, die Nuancen in der Natur zu empfinden, aber es fehlt ihm etwas, was ihm entglitten ist. Wenn es an der Liebe mangelt, um es so beim Namen zu nennen, heißt das nicht zwangsläufig, dass es stärkere Reize braucht die immer mit Erinnerungsschmerz einhergehen.
Z 7 + 8 weisen ja auch in Richtung Sexualität, es geht nicht ausschließlich um Herzschmerz, aber das wirst du herausgelesen haben.
Mit der Rezeptur "Erdbeeren mit Pfeffer, hast du zwar Recht ... aber ich konnte mich nicht entschließen etwas mit Peperoni oder Ingwer zu kreieren, weil der Pfeffer schon vom Wortklang m. E. "richtig" gut passt und sagen wir nicht auch, wenn es etwas "hart" ist, dass es gepfeffert ist?
Wie du siehst, habe ich gerde darüber intensiv nachgedacht. Aus den Tannennadeln könnte ich vielleicht Tannenzapfen* machen ... Da täte ich mich leichter.
Zu "Wie geht es deinem Herz", schreibe ich noch etwas an Renèe.
Liebe Grüße
Gerda
Edit
* Ne, geht nicht wegen der Kiefernzapfen ... habe ich erst später realisiert.
.gif)
Zuletzt geändert von Gerda am 26.07.2012, 16:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Gerda
Liebe Renèe,
vielen Dank auch dir für deine Rückmeldung, die mich erfreut.
Der Digitalis ist nicht ausschließlich als Herz-Arznei im Gedicht verankert, sondern auch als sexuelles Symbol. Ich wollte weder auf die Gefahr der coronaren Erkrankung explizit hinweisen, noch darauf, dass Digitalis hochgiftig ist. Die Waage halten sollen sich Liebe, Schmerz, Herz(auch medizinisch) und Sex. Für den Leser soll offen sein, wie er den "roten Fingerhut" und die Frage nach dem "Herz" interpretiert ... naja, das ganze Gedicht halt.gif)
Ich fühle mich geehrt, dass du von Sprachkompetenz schreibst. Hier ist es, nach meinen (Sprach)empfinden aber genau richtig, zu schreiben wie es da steht. Ich habe so gar ganz kurz überlegt, ob ich nicht schreiben sollte, "was macht dein herz" ... dann aber zur m. E. etwas umfassenderen Formulierung gefunden.
Würde ich deiner Anregung nachgehen fiele es m. E. stilistisch aus dem Gesamkonzeptkonzept.
Es ist der knappe gefasste Gedanke des Lyrich, an dem sehr viel hängt und der unzensiert einfließt.
Liebe Grüße
Gerda
vielen Dank auch dir für deine Rückmeldung, die mich erfreut.
Der Digitalis ist nicht ausschließlich als Herz-Arznei im Gedicht verankert, sondern auch als sexuelles Symbol. Ich wollte weder auf die Gefahr der coronaren Erkrankung explizit hinweisen, noch darauf, dass Digitalis hochgiftig ist. Die Waage halten sollen sich Liebe, Schmerz, Herz(auch medizinisch) und Sex. Für den Leser soll offen sein, wie er den "roten Fingerhut" und die Frage nach dem "Herz" interpretiert ... naja, das ganze Gedicht halt
.gif)
Ich fühle mich geehrt, dass du von Sprachkompetenz schreibst. Hier ist es, nach meinen (Sprach)empfinden aber genau richtig, zu schreiben wie es da steht. Ich habe so gar ganz kurz überlegt, ob ich nicht schreiben sollte, "was macht dein herz" ... dann aber zur m. E. etwas umfassenderen Formulierung gefunden.
Würde ich deiner Anregung nachgehen fiele es m. E. stilistisch aus dem Gesamkonzeptkonzept.
Es ist der knappe gefasste Gedanke des Lyrich, an dem sehr viel hängt und der unzensiert einfließt.
Liebe Grüße
Gerda
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