Angenommen

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 07.07.2012, 09:20

Angenommen


Jedesmal frage ich mich,
welche der beiden Mütter mir
zur Stunde die Torte schmückt,
Eisenhutblüten sammelt,
Namen verschenkt aus träufelnder Liebe,
Abwesenheit in mein Leben schichtet
und süßredet.
Ich schwanke so oft:
zwischen kunstvollem Brotstück
und ranzigem Kuchen.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 09.07.2012, 16:19

Danke, Flora -

es muss aus meiner Sicht schon die Torte sein, da es ein Hinweis auf die Geburtstagstorte ist, die da mit Kerzen (= Jahren) und vielleicht dem Namen, vielleicht "netten" Blüten geschmückt wird. Wer genau ist nun "zuständig" dafür?

Das Kind bekommt hier die Geburtstagstorte letztlich nicht; es nimmt diese Tatsache sogar an, indem es die Wahl sieht (und hat) zwischen Brot und Kuchen. Aber auch das ist wieder mit Einschränkungen verbunden: Im Brot steckt viel Mühe, es ist allerdings dekorativ, aufgemotzt, schmeckt vielleicht künstlich usw., ist also schon sehr weit weg vom Bodenständigen, Urprünglichen, Natürlichen. Der Kuchen, der "leckerer" wäre, ist währenddessen verdorben.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 09.07.2012, 17:02

Hallo Amanita,

es muss aus meiner Sicht schon die Torte sein, da es ein Hinweis auf die Geburtstagstorte ist, die da mit Kerzen (= Jahren) und vielleicht dem Namen, vielleicht "netten" Blüten geschmückt wird. Wer genau ist nun "zuständig" dafür?
Das Kind bekommt hier die Geburtstagstorte letztlich nicht; es nimmt diese Tatsache sogar an, indem es die Wahl sieht (und hat) zwischen Brot und Kuchen.

Jedesmal frage ich mich,
welche der beiden Mütter mir
zur Stunde die Torte schmückt,
Darin steckt aber für mich die Erwartungshaltung, dass es (aus der Erfahrung heraus) eine Geburtstagstorte geben wird, wenn nicht sogar zwei, nur zu unterschiedlichen Zeiten gefertigte. Das scheint aber nicht zuzutreffen. Wenn ich es deiner Intention nach lesen soll, bräuchte ich zumindest ein "zur Stunde die Torte schmücken sollte". Aber auch ein Zimmer und einen Tisch kann man ja mit Kerzen und Blüten und Namen zum Geburtstag schmücken. .-)

Liebe Grüße
Flora

edit:
oder so?
Jedesmal frage ich mich,
ob eine der beiden Mütter mir
zur Stunde eine Torte schmückt,
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 09.07.2012, 17:20

Nochmal danke. Flora, Du hast mich auf folgende Idee gebracht:


Jedesmal frage ich mich,
welche der beiden Mütter mir
zur Stunde die Kerzen aufsteckt,
Eisenhutblüten sammelt,
Namen verschenkt aus träufelnder Liebe,
Abwesenheit in mein Leben schichtet
und süßredet.
Ich schwanke so oft:
zwischen kunstvollem Brotstück
und ranzigem Kuchen.


Wenn's besser ist, werde ich das so übernehmen.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 09.07.2012, 21:04

Zumindest für mich wäre es so besser. :nicken:
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 09.07.2012, 23:21

... und was meinen die anderen??

Mucki
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Beitragvon Mucki » 09.07.2012, 23:33

Ich stimme Flora zu, was die Erwartungshaltung betrifft.
Und die steckt nach wie vor drin, ob da nun "zur Stunde die Kerzen aufsteckt" oder "zur Stunde die Torte schmückt" steht.
Und du schreibst ja selbst, dass das Kind sogar annimmt, dass es keine Torte bekommt.
Insofern passt keiner der beiden Varianten. Da müsste ein "sollte" oder ein "ob" rein,
etwas wie
Jedesmal frage ich mich
ob ...

Die Crux ist hier, dass du schlecht "ob und welche der beiden Mütter mir" schreiben kannst.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 09.07.2012, 23:44

Hallihallo, die Erwartungshaltung muss doch sein?

Ich verstehe, dass die Torte als "Backwerk", das weder Brot noch Kuchen ist, verwirrt; daher habe ich sie ersetzt.
Aber mit der Erwartungshaltung will ich doch gerade arbeiten. Das Ich fragt sich, welche Mutter "zuständig" ist - und merkt, dass es am Ende keine Geburtstagstorte gab, sondern nur zwei nicht sonderlich attraktive Alternativen.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.07.2012, 00:03

Amanita hat geschrieben:Das Ich fragt sich, welche Mutter "zuständig" ist - und merkt, dass es am Ende keine Geburtstagstorte gab, sondern nur zwei nicht sonderlich attraktive Alternativen.

dann liegt der Knoten hier m.E. gar nicht bei der Torte oder Kerzen, sondern beim
"Ich schwanke so oft:"
Das habe ich bis dato gar nicht so gelesen, dass LI quasi nur zwischen zwei Alternativen die Wahl hat, die beide nicht dem Wunsch des LI entsprechen.
Vielleicht kannst du das deutlicher ausdrücken, also eine Alternative für "Ich schwanke so oft" finden?
Es ginge evtl. auch ganz direkt:
"Ich habe so oft die Wahl:", also so:


Jedesmal frage ich mich,
welche der beiden Mütter mir
zur Stunde die Kerzen aufsteckt,
Eisenhutblüten sammelt,
Namen verschenkt aus träufelnder Liebe,
Abwesenheit in mein Leben schichtet
und süßredet.
Ich habe so oft die Wahl:
zwischen kunstvollem Brotstück
und ranzigem Kuchen.


Damit wäre die Torte raus und auch klar, was du hier intendiert hast. Was meinst du?

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 10.07.2012, 07:58

Hm, Gabriella, das muss ich noch überlegen, für mich passt es eigentlich nicht (jedenfalls nicht besser). Denn das LI schwankt zwischen den beiden Müttern, die ihr das "Backwerk"/ sich selbst anbieten, eben Abwesenheit inklusive.
Das LI hat die Situation "angenommen", erkennt aber, dass es immer leiden wird, so oder so.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.07.2012, 12:31

Hallo Amanita,

ich habe mal nach Synonymen für "schwanken" gesucht, die eben auch dieses "Leiden" und "Hadern" und doch Hin/Annehmen beeinhalten, habe aber keines gefunden. Alle Synonyme, und da gibt es viele, sind zu positiv konnotiert.
Deshalb passt "schwanken" hier wohl doch am besten.

Liebe Grüße
Gabi

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 10.07.2012, 16:53

Danke, Gabriella. Dieses Wort - Schwanken - ist im Grunde das Zentrum des Gedichts, daher möchte ich es auch lassen.


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