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Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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leonie
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Beitragvon leonie » 20.05.2012, 14:30

gelöscht wegen Veröffentlichung
Zuletzt geändert von leonie am 29.01.2016, 18:10, insgesamt 1-mal geändert.

Niko

Beitragvon Niko » 20.05.2012, 16:49

hallo leo,

der text, das thema, die gedanken darin finde ich wunderbar. ich für meinen teil hätte ein paar kleinigkeiten anders "schöner" gefunden.
zunächst einmal das drängenste: umpositionierte" geht nach meinem leseverständnis gar nicht. dies wort klingt fremd, lang, holprig und ragt aus dem text dadurch sehr hervor. was dem gesamten nicht guttut.
nun mal der reihe nach(wobei ich immer nur schreiben kann, was ich nach meiner art zu schreiben anders machen würde. überlegungen, denkanstöße allenfalls, die dir nichts bedeuten müssen!) :

Die Welt ist
kleiner geworden, die weißen Flecken
sind ausgemessen, beschritten,
sorgsam verzeichnet
im Atlas des Lebens
schillern sie blaubraungrün.

hier wäre MIR weniger mehr:

Die Welt ist
jetzt kleiner , die weißen Flecken
ausgemessen, beschritten,
sorgsam verzeichnet
im Atlas des Lebens
schillern sie blaubraungrün.

atlas des lebens gefällt mir und es gefällt mir auch wiederum überhaupt nicht. macht - wo ich drüber nachdenke, auch ein wenig der genitiv aus, den ich ansonsten immer verteidigen würde, da aussterbend. lebensatlas aber geht bald noch weniger. vielleicht ein gleichaussagendes bild mit anderen worten unter vermeidung des genitivs (phuuuu......kompliziert......) oder einfach: "sorgsam verzeichnet / schillern sie (mir) blaubraungrün". da musst du jetzt wissen, ob dir am atlas des lebens so hängst...

Nur manchmal
träum ich mich noch
zurück ins Trapez,
wo ich aus eigener Kraft
dicht über dem Wasser
mit einem Strecken des Schenkels
die Erde sich neigen ließ
und den Himmel umpositionierte.

es bekäme hier mit dem gleichen stilmittel einkürzen einen anderen effekt als in strofe 1. da war es für mich eine versachlichung. hier würde die verknappung eher das gegenteil bewirken. es bekäme für mich etwas leidenschaftliches:

Nur manchmal
träum ich mich
zurück ins Trapez,
aus eigener Kraft
dicht über dem Wasser
mit einem Strecken des Schenkels
die Erde sich neigen lassen
den Himmel verschieben.


die letzte strofe

Nun aber
ist alles ins Flache gezeichnet,
die Dimensionen locken nicht mehr
und ich geh geradeaus,
als warte irgendwo in der Ferne einer
auf mich.

diese strofe mag ich total. wobei ich mit den "dimensionen" nicht ganz glücklich wäre und "in der ferne" streichen würde. nun aber ist alles ins flache gezeichnet - das ist ganz großes kino!

Nun aber
ist alles ins Flache gezeichnet,
die Unendlichkeit lockt nicht mehr
und ich geh geradeaus,
als warte irgendwo einer
auf mich.

sähe kompakt dann so aus:

Die Welt ist
jetzt kleiner , die weißen Flecken
ausgemessen, beschritten,
sorgsam verzeichnet
im Atlas des Lebens
schillern sie blaubraungrün.

Nur manchmal
träum ich mich
zurück ins Trapez,
aus eigener Kraft
dicht über dem Wasser
mit einem Strecken des Schenkels
die Erde sich neigen lassen
den Himmel verschieben.

Nun aber
ist alles ins Flache gezeichnet,
die Unendlichkeit lockt nicht mehr
und ich geh geradeaus,
als warte irgendwo einer
auf mich.

ich hoffe, du bewertest meine "mäkeleien" richtig, leo! ich finde es so großartig, dass ich finde, dass man es durch einen feinschliff einzigartig machen könnte. - aber wie gesagt: es ist nur MEIN empfinden!

toller text! gruß: niko

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leonie
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Beitragvon leonie » 20.05.2012, 17:28

Lieber Niko,

danke!!!! Dass Du Dich so ausführlich damit beschäftigt hast, freut mich. Ich galueb, an vielen Stellen werde ich Deinen Vorschlägen folgen. Ich möchte aber ncoh ein wenig abwrten udn überlegen. Ich speichere mir Deine Version auf jeden Fall ab und schau!

Vielen, vielen Dank und liebe Grüße

leonie

Mucki
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Beitragvon Mucki » 20.05.2012, 18:09

Hi leo,

ein feines, sehr bildhaftes Gedicht, das mich so richtig reinzieht in die Gedankenwelt des LI.

Ich stimme Niko in einigen Punkten zu. Es sind nur Kleinigkeiten, die aber m.E. einiges ausmachen.
Strophe 2 würde ich gemäß Nikos Vorschlag umgestalten, da es dadurch intensiver wird. Und das Wort "umpositionierte" stört auch mich ein wenig. ("Atlas des Lebens" in Strophe 1 finde ich klasse). Und "in der Ferne" könnte m.E. auch entfallen. Ansonsten wirklich klasse!

Liebe Grüße
Gabi

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 20.05.2012, 23:20

Liebe leonie,

dieser Text ist von der Bildsprache her sehr interessant. Ich bin ja sowieso ein Fan von Karten und auch von der "Vermessung der Welt", an die man hier unwillkürlich denken muss. Auch das Schaukelmotiv ist sehr schön. Einen feinen Widerspruch empfinde ich innerhalb des Textes, weil die am Anfang beschriebenen Karten im "Atlas des Lebens" (dieser erklärende Begriff müsste m.E. nicht sein, der Leser kann sich denken, dass es um Metaphern geht) ja auch schon zweidimensional sind. Die Seiten in einem Atlas sind flach. Daher ergibt es keine rechte Steigerung mehr, wenn es in der dritten Strophe heißt: "nun aber ist alles ins Flache gezeichnet". Okay, vorher waren noch weiße Flecken, vielleicht verbargen sich dort noch Berge. Möchtest du das damit sagen?

Die Welt kann man nicht nur auf der Schaukel zum Kippen bringen, sondern auch in einem Gedicht. Von dieser Möglichkeit machst du hier keinen Gebrauch, aber das ist ja auch nicht deine Absicht, du möchtest vielmehr die Entzauberung der Welt mit Worten schildern. Das gelingt dir mit diesen Bildern recht gut. Etwas Verknappung wäre da sicher noch möglich. Solltest du Nikos Vorschlägen folgen, würde ich aber in S2 auf jeden Fall nach der dritten Zeile kein Komma setzen, sondern vielleicht sogar die restlichen Zeilen einrücken, sonst stimmt "verschieben" grammatikalisch nicht (oder es müsste "verschiebend") heißen.

Viele Grüße
fenestra

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leonie
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Beitragvon leonie » 22.05.2012, 14:56

Lieber Niko,

ich habe jetzt eine ganze Menge Deiner Ideen übernommen, nur in Strophe zwei soll das lyrIch explizit und aktiv vorkommen.

Liebe Gabriella,

danke Dir!

Liebe Fenestra,

für mich greift Strophe 3 die Strophe eins wieder auf nach der "Rückblende" in Strophe 2. Deshalb ist das Bild für mein Empfinden stimmig.

Mit dem "zum Kippen bringen" meinst Du da eine "optische Gestaltung", die den Inhalt unterstreicht? Oder wie meinst Du es genau?

Danke an Dich!

Liebe Grüße

leonie

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Beitragvon Mucki » 22.05.2012, 15:51

Hi leo,

mir gefällt es jetzt ausgezeichnet. Auch die Strophe 2. Sie ist aktiver, da kein Wünschen des LI, sondern ein Nacherleben, was LI einmal zu vollbringen in der Lage war, metaphorisch gesehen.

Liebe Grüße
Gabi

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 22.05.2012, 19:59

Liebe Leonie,

ja, jetzt habe ich es verstanden: Strophe 3 setzt das Thema der ersten Strophe noch einmal fort. Wieso konnte ich das übersehen?

Mit dem Kippen im Text meine ich, dass virtuell ja alles möglich ist. Beispiele:

manchmal
ragt der Fußboden vor mir auf
wie die Eiger Nordwand
jeder Schritt kostet
das ganze Gewicht meines Körpers

oder:

Die Straße vor meiner Tür weitet sich zum Fluss, der reißend durch ein Tal strömt.
;)

Verstehst du? Das ist natürlich ein ganz anderer Ansatz, aber der kam mir in den Sinn, als ich deinen Text las, in dem von Entzauberung, Verflachung der Welt die Rede ist. Es ist vielleicht reizvoll, auch mal genau das andere auszuprobieren.

Liebe Grüße
fenestra

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Beitragvon leonie » 22.05.2012, 20:51

Danke, liebe Gabriella, das freut mich.

Liebe fenestra,

jetzt verstehe ich , wie Du es meinst, da bin ich ehrlich gesagt, bei diesem Text gar nicht drauf gekommen. Obwohl ich das mag, es bekommt dann etwas Surreales.

Ein andernmal wieder. Danke auch an Dich!

Liebe Grüße

leonie


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