leid von trunzun
es tut
so weh
wie ich
hier sitze
leise
weine
und mich
ritze
kein ausweg
hier
in meiner
sicht
der funken
hoffnung
fällt und
bricht
© Moonlight/Trunzun 2010
leid von trunzun
Hallo moonlight,
das klingt fröhlich für mich, vor allem vermutlich durch die hellen "i", die Reime und die schwingenden Worte, obwohl es das inhaltlich nicht ist. Diese Diskrepanz macht es aus meiner Sicht schwierig sich auf den Schmerz, von dem es erzählen will, einzulassen.
Eine Berührung gelingt für mich allenfalls durch die Empathie, das Mitgefühl des Lesers, die durch das "Weinen" und das "Ritzen" getriggert werden sollen und die du vielleicht durch die Titelwahl in Verbindung mit deinem Namenszusatz verstärken möchtest? Sofern es dir um den Text und Rückmeldung dazu geht, wovon ich jetzt einfach ausgehe, ist das für ein Literaturforum aus meiner Sicht unglücklich gemacht. Oder hat es damit eine andere Bewandtnis, die vielleicht auch erklären würde, warum du es in "Lyrik und Kultur" eingestellt hast?
Für mich funktioniert es jedenfalls nicht, was sicher auch daran liegt, dass mir das "ich" und der Erzählmoment des Ritzens nicht glaubhaft erscheinen. Wenn ich an Berichte von oder über Sich-ritzende denke, dann entsteht für mich hier der Eindruck, dass von außen draufgeschaut und erzählt wird und es an der Oberfläche bleibt, weil eben kein Verstehen und kein Zugang möglich ist. Aus dieser Perspektive, schiene mir das Gedicht zumindest wesentlich stimmiger und das klanglich-fröhliche wäre auch aufgehoben. (Es tut so weh / zu sehen / wie du da sitzt // ich leise weine / du dich ritzt ...)
Ein anderer Gedanke wäre, dass ein tieferer Einblick nicht zugelassen werden soll, was dann aber die Frage aufwirft, warum es überhaupt erzählt wird, wodurch es für mich einen unangenehm mitleidsheischenden und mit dem Ritzen kokettierenden, oder provozieren-wollenden Tonfall annimmt. Das wäre sicher auch eine interessante Möglichkeit, aber auch das wäre mir zu sehr dem Leser überlassen und zu wenig im Gedicht selbst ausgeführt.
Auch wenn es am Ende ins Bildliche gehen soll, geht es für mich nicht wirklich auf. Wie sieht denn ein brechender Funke aus? Auf mich wirkt das, als sei es schlicht dem Reim geschuldet.
Die Zusammenstellung "Funke" und "Hoffnung" ist so gebräuchlich ist, dass der Funke das sicher auch ohne Benennung der Hoffnung leisten könnte. Hm ... und warum "der Funken"? Meinst du wirklich die Hoffnung der Funken und gar nicht "der Funke Hoffnung"? Aber das sagt mir nichts?
Liebe Grüße
Flora
das klingt fröhlich für mich, vor allem vermutlich durch die hellen "i", die Reime und die schwingenden Worte, obwohl es das inhaltlich nicht ist. Diese Diskrepanz macht es aus meiner Sicht schwierig sich auf den Schmerz, von dem es erzählen will, einzulassen.
Eine Berührung gelingt für mich allenfalls durch die Empathie, das Mitgefühl des Lesers, die durch das "Weinen" und das "Ritzen" getriggert werden sollen und die du vielleicht durch die Titelwahl in Verbindung mit deinem Namenszusatz verstärken möchtest? Sofern es dir um den Text und Rückmeldung dazu geht, wovon ich jetzt einfach ausgehe, ist das für ein Literaturforum aus meiner Sicht unglücklich gemacht. Oder hat es damit eine andere Bewandtnis, die vielleicht auch erklären würde, warum du es in "Lyrik und Kultur" eingestellt hast?
Für mich funktioniert es jedenfalls nicht, was sicher auch daran liegt, dass mir das "ich" und der Erzählmoment des Ritzens nicht glaubhaft erscheinen. Wenn ich an Berichte von oder über Sich-ritzende denke, dann entsteht für mich hier der Eindruck, dass von außen draufgeschaut und erzählt wird und es an der Oberfläche bleibt, weil eben kein Verstehen und kein Zugang möglich ist. Aus dieser Perspektive, schiene mir das Gedicht zumindest wesentlich stimmiger und das klanglich-fröhliche wäre auch aufgehoben. (Es tut so weh / zu sehen / wie du da sitzt // ich leise weine / du dich ritzt ...)
Ein anderer Gedanke wäre, dass ein tieferer Einblick nicht zugelassen werden soll, was dann aber die Frage aufwirft, warum es überhaupt erzählt wird, wodurch es für mich einen unangenehm mitleidsheischenden und mit dem Ritzen kokettierenden, oder provozieren-wollenden Tonfall annimmt. Das wäre sicher auch eine interessante Möglichkeit, aber auch das wäre mir zu sehr dem Leser überlassen und zu wenig im Gedicht selbst ausgeführt.
Auch wenn es am Ende ins Bildliche gehen soll, geht es für mich nicht wirklich auf. Wie sieht denn ein brechender Funke aus? Auf mich wirkt das, als sei es schlicht dem Reim geschuldet.
Die Zusammenstellung "Funke" und "Hoffnung" ist so gebräuchlich ist, dass der Funke das sicher auch ohne Benennung der Hoffnung leisten könnte. Hm ... und warum "der Funken"? Meinst du wirklich die Hoffnung der Funken und gar nicht "der Funke Hoffnung"? Aber das sagt mir nichts?
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
Renée Lomris
P.S: Trunzun?????
Liebe Moonlight,
da hier niemand weiß, wo deine Texte genau herkommen, ist es sehr schwer auf sie einzugehen. Meine Reaktionen haben sich etwas verschoben, gemildert, seit ich deine Stimme (war es deine) gehört habe. Ich hörte die Stimme einer erwachsenen Frau, sehr bestimmt "den Ton angebend", selbstbewusst. Eine solche Person, bilde ich mir möglicherweise ein, sollte in der Lage sein, mit Kritik umzugehen und sie zur Weiterentwicklung zu nutzen.
Diesen Text habe ich gelesen, und ein Unwohlsein empfunden, das ganz unterschiedliche Ursachen hat. Eines aber muss ich zugeben, ich finde es, im Vergleich zu den anderen, interessant von der Form her.
Das Unwohlsein also: Dein Text hat eine erotisch-masochistische Komponente, (Ritze/ritze), die nur dann vom/von der Leser /Leserin angenommen werden kann, wenn eine Art Verarbeitung sichtbar wird (so jedemfalls formuliere ich das für mich). Die Tonalität selbst stört mich nicht, ich glaube, eine Leserin zu sein, deren Ansprüche gerade auch solche sehr tabuisierte Bereiche mit einschließt.
Zum Formalen: Die Kürze der Verse, der knappe Reim und die Ambivalenz gewisser Worte (am stärksten bei Ritze/ritze) macht das Gedicht durchaus attraktiv:
Das kann ich so wie es da steht akzeptiere und ich kann den Schmerz nachfühlen und nachvollziehen. Eine gewisse Ironie lese ich zwischen den Zeilen. Ironie/Fröhlichkeit haben meiner Ansicht nach nichts miteinander zu tun. Fröhlichkeit verspüre ich nicht. Auch nicht in den Vokalen. Kein Laut hat meiner Ansicht nach eine gefühlsmäßige Exklusivität, so kann "I" von Ekel "Igitt" bis Spott und Hohn "Ihihiiiiiiiiii" oder Hexengeheul alles Mögliche ausdrücken, das I- A des Esels nicht zu vergessen. Hier jedenfalls spüre ich den Schmerz durchaus ...
auch nachvollziehbar, aber sehr irritierend, der Schmerz überträgt sich hier auf den Leser. Ich bin nicht sicher, dass der Leser fortan dem LyrIch so gern folgen möchte, weil ihm ja kein Platz gelassen wird, keine Distanz. Die einzige Distanzfläche, die angeboten wird, ist eben dies Widersprüchliche "leise weinen" und das brutale "Ich ritze mich". Das hat exhibitionistischen Charakter, der sich zum Masochismus gesellt, der vorhin erwähnt wurde.
Bei diesen letzten Versen gebe ich Flora völlig Recht, hier fragt sich der Leser, was diese metaphernden Aussagen genau bedeuten sollen: In meiner Sicht? (Aus meiner Sicht als Gegensatz??) Keine Hoffnung "IN SICHT"??? Zwar kan ich dem Funken Hoffnung, einem Feuerfunken also, durchaus folgen und sehe ihn "Verglühen, Verglimmen" was durchaus als ein Fallen empfunden werden kann ---- aber dann: was genau willst du aussagen, gerade mit diesen letzten beiden Versen?
Ich sehe bei dir den Wunsch nach "STARKEN" Aussagen - was mir sympathisch ist. Aber Stärke, Heftigkeit, Vehemenz allein genügen nicht ...Noch scheint es an Klarheit zu mangeln.
Aber ich habe gern versucht, mich mit deinem Text auseinander zu setzen.
liebe Grüße
Renée
Liebe Moonlight,
da hier niemand weiß, wo deine Texte genau herkommen, ist es sehr schwer auf sie einzugehen. Meine Reaktionen haben sich etwas verschoben, gemildert, seit ich deine Stimme (war es deine) gehört habe. Ich hörte die Stimme einer erwachsenen Frau, sehr bestimmt "den Ton angebend", selbstbewusst. Eine solche Person, bilde ich mir möglicherweise ein, sollte in der Lage sein, mit Kritik umzugehen und sie zur Weiterentwicklung zu nutzen.
Diesen Text habe ich gelesen, und ein Unwohlsein empfunden, das ganz unterschiedliche Ursachen hat. Eines aber muss ich zugeben, ich finde es, im Vergleich zu den anderen, interessant von der Form her.
Das Unwohlsein also: Dein Text hat eine erotisch-masochistische Komponente, (Ritze/ritze), die nur dann vom/von der Leser /Leserin angenommen werden kann, wenn eine Art Verarbeitung sichtbar wird (so jedemfalls formuliere ich das für mich). Die Tonalität selbst stört mich nicht, ich glaube, eine Leserin zu sein, deren Ansprüche gerade auch solche sehr tabuisierte Bereiche mit einschließt.
Zum Formalen: Die Kürze der Verse, der knappe Reim und die Ambivalenz gewisser Worte (am stärksten bei Ritze/ritze) macht das Gedicht durchaus attraktiv:
es tut
so weh
wie ich
hier sitze
Das kann ich so wie es da steht akzeptiere und ich kann den Schmerz nachfühlen und nachvollziehen. Eine gewisse Ironie lese ich zwischen den Zeilen. Ironie/Fröhlichkeit haben meiner Ansicht nach nichts miteinander zu tun. Fröhlichkeit verspüre ich nicht. Auch nicht in den Vokalen. Kein Laut hat meiner Ansicht nach eine gefühlsmäßige Exklusivität, so kann "I" von Ekel "Igitt" bis Spott und Hohn "Ihihiiiiiiiiii" oder Hexengeheul alles Mögliche ausdrücken, das I- A des Esels nicht zu vergessen. Hier jedenfalls spüre ich den Schmerz durchaus ...
leise
weine
und mich
ritze
auch nachvollziehbar, aber sehr irritierend, der Schmerz überträgt sich hier auf den Leser. Ich bin nicht sicher, dass der Leser fortan dem LyrIch so gern folgen möchte, weil ihm ja kein Platz gelassen wird, keine Distanz. Die einzige Distanzfläche, die angeboten wird, ist eben dies Widersprüchliche "leise weinen" und das brutale "Ich ritze mich". Das hat exhibitionistischen Charakter, der sich zum Masochismus gesellt, der vorhin erwähnt wurde.
kein ausweg
hier
in meiner
sicht
der funken
hoffnung
fällt und
bricht
Bei diesen letzten Versen gebe ich Flora völlig Recht, hier fragt sich der Leser, was diese metaphernden Aussagen genau bedeuten sollen: In meiner Sicht? (Aus meiner Sicht als Gegensatz??) Keine Hoffnung "IN SICHT"??? Zwar kan ich dem Funken Hoffnung, einem Feuerfunken also, durchaus folgen und sehe ihn "Verglühen, Verglimmen" was durchaus als ein Fallen empfunden werden kann ---- aber dann: was genau willst du aussagen, gerade mit diesen letzten beiden Versen?
Ich sehe bei dir den Wunsch nach "STARKEN" Aussagen - was mir sympathisch ist. Aber Stärke, Heftigkeit, Vehemenz allein genügen nicht ...Noch scheint es an Klarheit zu mangeln.
Aber ich habe gern versucht, mich mit deinem Text auseinander zu setzen.
liebe Grüße
Renée
Hallo moonlight,
ich frage mich, ob du mit diesem Text auf die BPS hinweisen möchtest?
(Leider wird das SVV des Ritzens immer noch mit der BPS assoziiert.)
Wenn ja, halte ich diesen Versuch für misslungen. Menschen mit einer BPS schreien nicht in die Öffentlichkeit hinaus, dass sie sich ritzen, dass sie leise weinen, keinen Ausweg sehen. Sie tun es heimlich, verborgen, für sich allein und tun alles, damit es niemand erfährt.
Auch die Reime halte ich hier für unangebracht.
Mich berühren diese Zeilen nicht, im Sinne von: da kommt ein Schmerz rüber. Im Gegenteil: ich gehe auf Distanz.
Lieben Gruß
Gabi
ich frage mich, ob du mit diesem Text auf die BPS hinweisen möchtest?
(Leider wird das SVV des Ritzens immer noch mit der BPS assoziiert.)
Wenn ja, halte ich diesen Versuch für misslungen. Menschen mit einer BPS schreien nicht in die Öffentlichkeit hinaus, dass sie sich ritzen, dass sie leise weinen, keinen Ausweg sehen. Sie tun es heimlich, verborgen, für sich allein und tun alles, damit es niemand erfährt.
Auch die Reime halte ich hier für unangebracht.
Mich berühren diese Zeilen nicht, im Sinne von: da kommt ein Schmerz rüber. Im Gegenteil: ich gehe auf Distanz.
Lieben Gruß
Gabi
Hallo moonlight,
Aus welcher Motivation heraus möchte sie ihr Gedicht denn in Literaturforen einstellen, bzw. von dir einstellen lassen?
Liebe Grüße
Flora
Das Gedicht taucht im Netz ja noch öfter auf, auch schon 2009 in der LeLu unter dem Nick Trunzun. Wenn das eine andere Autorin ist, hätte ich zumindest einen konkreten Hinweis unter dem Text für angebracht gehalten, fände es aber auch dann schwierig, da keine direkte Kontaktmöglichkeit besteht, und wir auch nicht nachvollziehen können, inwieweit du den Text mit ihrer Erlaubnis eingesetzt hast, und ob es ihr z.B. recht ist, dass du jetzt die persönlichen Hintergründe offenlegst, oder für sie sprichst.Die Verfasserin ist ein Teenager die sich absichtlich Verletzungen zufügte.
Sie bat mich ihr Gedicht hier ins Forum zu stellen.
Aus welcher Motivation heraus möchte sie ihr Gedicht denn in Literaturforen einstellen, bzw. von dir einstellen lassen?
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Hallo moonlight,
etwas Ähnliches wie Flora wollte ich auch schreiben. Du kannst keine Gedichte von jemand anderem hier unter deinem Namen einstellen. Dieser Text steht nicht nur in der Leselupe, sondern auch noch in anderen Foren. Man braucht nur "leid von trunzun" bei Google einzugeben. Trunzun genügt auch schon.
Es gibt noch andere Texte von Trunzun, z.B. "Glück von Trunzun", auch gereimt, wie dieser hier und mit ähnlicher Thematik.
Und Trunzun selbst äußert sich lebhaft zu ihren Texten.
Also frage auch ich mich, warum du ihren Text hier einstellst?
Lieben Gruß
Gabi
etwas Ähnliches wie Flora wollte ich auch schreiben. Du kannst keine Gedichte von jemand anderem hier unter deinem Namen einstellen. Dieser Text steht nicht nur in der Leselupe, sondern auch noch in anderen Foren. Man braucht nur "leid von trunzun" bei Google einzugeben. Trunzun genügt auch schon.
Es gibt noch andere Texte von Trunzun, z.B. "Glück von Trunzun", auch gereimt, wie dieser hier und mit ähnlicher Thematik.
Und Trunzun selbst äußert sich lebhaft zu ihren Texten.
Also frage auch ich mich, warum du ihren Text hier einstellst?
Lieben Gruß
Gabi
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 24 Gäste