Pirouette
Das ist ein andrer Schlag, mein Herz,
wenn das Blut ohne dich
durch die Adern schlittert.
Ein Pfiff von einem Murmeltier.
Die Winterrose gibt den weichen Kuss.
Es stehen Tannen grade, atmen
ein und ein und ein
kristallinen, nadelfeinen Schnee.
Ein Ächzen nur wie altes Holz, ein
schlecht geleimter Stuhl.
Nicht schlimm. Das übt
fürs älter, kränker Werden.
Nur eine Nacht durft‘ ich
den Rollstuhl fahren. Mein Herz, es hat
ein neues Lied gelernt,
das verstand kein Cardiogramm.
Wie schön das war, Motoren alle aus.
Plötzlich Zeit, genug zum Sockenstricken.
Ein xenonweißer Zeigefinger
bohrt sich neugierig in den Wald.
Nicht schlimm. Nur eine Nacht
im neonhellen Niemandsland,
das Messgerät, an mich geknüpft
mit aller Zärtlichkeit, der Kabel fähig sind:
die Schwestern hätten es
am liebsten dicht zu mir
ins Bett gelegt, Brust an Brust
und jeder Schlag ein Leuchten
seiner grünen Augen.
Sonst? Ihm hat der Prallsack die Kreide
in die Äugelein geblasen,
das knirscht wie Blech beim Blinzeln.
Zurück an die Schiefertafel
mit dem jungen Mann
(BMW, tiefergelegt, Hodenlenkung),
der Schwarz auf Weiß
nicht lesen kann.
Genug, nur eine Nacht.
Am nächsten Morgen schon wird
fein gehorcht, und unter allen Stimmen
amtlich festgestellt -
ein Herz, es schlägt wie andre auch.
Und dass ihm gar nicht fehlen:
die drei, vier Schläge unter Tannen,
die drei, vier Atemzüge Schnee.
Rechtschreibung korrigiert, danke Quoth
Pirouette
Hallo RäuberKneißl,
meistens will ich verstehen, bevor ich genieße. Hier kann ich genießen, ohne zu verstehen - ein merkwürdiger und irritierender Effekt Deiner Sprache.
Ein paar Kleinigkeiten:
"Das übt fürs älter, kränker Werden"
"Ein xenonweißer Zeigefinger"
"mit aller Zärtlichkeit, deren Kabel fähig sind" (ist rhythmisch nicht so prickelnd)
Ich werde den Verdacht nicht los, dass das lyrische Ich eine Herzattacke hinter sich hat, und wünsche ihm, falls noch erforderlich, gute Besserung!
Gruß
Quoth
meistens will ich verstehen, bevor ich genieße. Hier kann ich genießen, ohne zu verstehen - ein merkwürdiger und irritierender Effekt Deiner Sprache.
Ein paar Kleinigkeiten:
"Das übt fürs älter, kränker Werden"
"Ein xenonweißer Zeigefinger"
"mit aller Zärtlichkeit, deren Kabel fähig sind" (ist rhythmisch nicht so prickelnd)
Ich werde den Verdacht nicht los, dass das lyrische Ich eine Herzattacke hinter sich hat, und wünsche ihm, falls noch erforderlich, gute Besserung!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
Hallo Franz,
oh, fast zeitgleich. Da sind wohl gestern Tannen in der Luft gelegen. :o)
Gefällt mir wieder sehr gut ... bis auf Strophe 5, die ich leider weder vom Perspektivenwechselgedanken, noch inhaltlich, noch bildlich verstehe. Klanglich passt sie zwar wunderbar hinein, aber das tröstet mich nicht über die Fragezeichen, die sie aufwirft und mich damit aus dem Gedicht wirft, hinweg.
Besonders Strophe 4 hat es mir angetan und der Pfiff von einem Murmeltier. Klasse!
Liebe Grüße
Flora
oh, fast zeitgleich. Da sind wohl gestern Tannen in der Luft gelegen. :o)
Gefällt mir wieder sehr gut ... bis auf Strophe 5, die ich leider weder vom Perspektivenwechselgedanken, noch inhaltlich, noch bildlich verstehe. Klanglich passt sie zwar wunderbar hinein, aber das tröstet mich nicht über die Fragezeichen, die sie aufwirft und mich damit aus dem Gedicht wirft, hinweg.
Besonders Strophe 4 hat es mir angetan und der Pfiff von einem Murmeltier. Klasse!
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
RäuberKneißl
Hallo,
danke für die Rückmeldungen; Sorge ist nicht mehr nötig, Anlass war tatsächlich "nur" ein tiefergelegter BMW, der in einer Winternacht auf geschlossener Schneedecke die Kontrolle verloren hatte, sich drehend aus der Kurve getragen wurde und mein braves Gefährt rammte - ein eindrückliches Erlebnis nicht nur für die Karosserie.
Den Perspektivenwechsel sehe ich auch eher als problematisch an, Flora, ich hatte diese Seite ursprünglich parallel durch den ganzen Text mitgeführt, jetzt ist es in eine Strophe zusammengezogen - auch nicht ideal. Vielleicht schmeiße ich die Strophe ganz raus ...
Und danke, auch für die Komplmente,
Grüße
Franz
danke für die Rückmeldungen; Sorge ist nicht mehr nötig, Anlass war tatsächlich "nur" ein tiefergelegter BMW, der in einer Winternacht auf geschlossener Schneedecke die Kontrolle verloren hatte, sich drehend aus der Kurve getragen wurde und mein braves Gefährt rammte - ein eindrückliches Erlebnis nicht nur für die Karosserie.
Den Perspektivenwechsel sehe ich auch eher als problematisch an, Flora, ich hatte diese Seite ursprünglich parallel durch den ganzen Text mitgeführt, jetzt ist es in eine Strophe zusammengezogen - auch nicht ideal. Vielleicht schmeiße ich die Strophe ganz raus ...
Und danke, auch für die Komplmente,
Grüße
Franz
Hallo Franz,
ah, jetzt hab ich es auch kapiert!
Das "Sonst?" hat mich völlig auf die falsche Spur gesetzt. Ich dachte die Strophe sei eine Außensicht aufs LIch. Und dank Hodenlenkung (???) war mir auch der Prallsack (noch nie gehört) äußerst schleierhaft. :o))
Wenn du diese Strophe ganz weglässt, sieht man natürlich eine andere Szene. Für mich würde es auch sehr gut ohne funktionieren ... hm, aber beides hat seinen Reiz.
Zumindest meine Irritation könntest du auch ganz einfach durch kleine Änderungen der ersten Zeile lösen:
Der Andre? Ihm hat der Airbag Kreide
Liebe Grüße
Flora
ah, jetzt hab ich es auch kapiert!
Das "Sonst?" hat mich völlig auf die falsche Spur gesetzt. Ich dachte die Strophe sei eine Außensicht aufs LIch. Und dank Hodenlenkung (???) war mir auch der Prallsack (noch nie gehört) äußerst schleierhaft. :o)) Wenn du diese Strophe ganz weglässt, sieht man natürlich eine andere Szene. Für mich würde es auch sehr gut ohne funktionieren ... hm, aber beides hat seinen Reiz.
Zumindest meine Irritation könntest du auch ganz einfach durch kleine Änderungen der ersten Zeile lösen:
Der Andre? Ihm hat der Airbag Kreide
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Habe es gerade noch einmal gelesen - und mir fiel wieder ein, wie ich nach meiner letzten OP (Gallenblase) aus der Narkose aufwachte und ins Licht blinzelte. Alles ging ganz langsam, und das vorherrschende Gefühl war ein großes Wundern, das - so kommt es mir vor - sehr lange andauerte.
Irgendwann trat eine Schwester an mein Bett und wollte wissen, wie es mir ginge. Da war das schöne Gefühl leider vorbei. Aber ich denke immer noch gern daran.
Nachtgruß von Zefira
Irgendwann trat eine Schwester an mein Bett und wollte wissen, wie es mir ginge. Da war das schöne Gefühl leider vorbei. Aber ich denke immer noch gern daran.
Nachtgruß von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
(Ikkyu Sojun)
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
(Ikkyu Sojun)
-
RäuberKneißl
Hallo Gabi,
ob die Luft im Airbag heiß wird weiß ich nicht, würde mich eher wundern. Jedenfalls sind die Teile in Talkum eingepackt, um ein Verkleben zu verhindern, das gibt dieses typische Staubwölkchen nach dem Auslösen; im Ernstfall nach Kontakt haben die Leute tatsächlich oft rote Augen und Berichten von einer Art Knirschen beim Gucken.
Und sonst, der fast schon Klassiker zu eurem Thema (Aufwachraum): http://www.poetenladen.de/uljana-wolf-lyrik.html
Grüße
Franz
ob die Luft im Airbag heiß wird weiß ich nicht, würde mich eher wundern. Jedenfalls sind die Teile in Talkum eingepackt, um ein Verkleben zu verhindern, das gibt dieses typische Staubwölkchen nach dem Auslösen; im Ernstfall nach Kontakt haben die Leute tatsächlich oft rote Augen und Berichten von einer Art Knirschen beim Gucken.
Und sonst, der fast schon Klassiker zu eurem Thema (Aufwachraum): http://www.poetenladen.de/uljana-wolf-lyrik.html
Grüße
Franz
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