heute den mund voll asche und zöpfe wie schnürsenkel

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 24.01.2012, 11:51



heute den mund voll asche und zöpfe wie schnürsenkel


da war gras grün
da war erde braun
da war himmel blau
und alle augen schwarz in der mitte

das waren andere zeiten

da war ein boden
unter den füßen
sie weiß es genau
denn sie stand
dick bezopft vor kahlen köpfen
die zogen an ihr vorbei
wie neulich an der bushaltestelle
höhnte es im genick
heil

so

sang sie im chor
ihr hals ein schornstein

so

hat sie überlebt

unter den füßen ziehen
noch immer die toten in den tod
jeder trägt seine asche am leib
und schlägt sie die flatternden lider darüber
wird sie aufgewirbelt
füllt ihren faltigen mund

sie kann ihn nicht schließen
sie singt und singt
sie durchs tor

sie



(so

vielleicht

ich friedhofskind
gieße nur worte
über einen staubigen stein)




(ein Versuch zu moonlights "großmutter" viewtopic.php?p=178028#p178028 und jelenas "im auge" viewtopic.php?f=101&t=12812 und der Diskussion dazu)
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

pjesma

Beitragvon pjesma » 28.01.2012, 11:15

oT und evt. unangemessen, aber es ist mir ein bedürfnis---habe eben meinem 15-jährigen versucht, die empfindlichkeit des themas und unsere auseinandersetzung hier mit dem thema zu erklären (er versucht sich auch ein bisschen im schreiben, und manchen fehltritt hätte ich ihm gern erspart). und wie schon immer, aus dem gespräch mit am wenigsten belasteten, kommen die ehrlichsten und (für mich) die klärendsten antworten. er stellte mir mehrere fragen, und zwei sind bei mir hängen geblieben: warum sollte man über dieses thema nicht schreiben, auch wenn man es nicht erlebt hat---bzw. wer wird denn darüber schreiben, wenn es keine direkten zeugen mehr gibt? gibt es dann nur noch schweigen?
und kontextuelle sache: es wächst eine unbelastete generation nach, die sich vielleicht trauen wird, der ängstlichschweigsamen pietät einen gefühlsbeladenen schrecken entgegenzubringen, den schrecken für sich neu zu entdecken :-( und die empörung darüber lauthals verkünden, als wäre es das erste mal....darüber denke ich grad nach.


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