stummes haus

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Herby

Beitragvon Herby » 06.10.2011, 21:26

stummes haus

die keller sind bedeckt mit moder
verlorener sätze

stille fratzt aus jedem raum
an den wänden schlieren
nie gesprochener fragen

worte eingesperrt
im speicher des schweigens
sprachlos




Version II

stummes haus

die keller sind bedeckt mit moder
stille fratzt aus jedem raum
und an den wänden schlieren
nie gesprochene fragen

worte eingesperrt im speicher

Sam

Beitragvon Sam » 11.10.2011, 17:13

Hallo Herby,

du hast dir mit diesem Gedicht etwas sehr schwieriges vorgenommen: Schweigen in Worte zu fassen!

Das funktioniert m.E. nur, wenn es gelingt, entsprechender Bilder für das Schweigen zu finden. Ein reines Beschreiben reicht da nicht aus.

Am stärksten wirken da auf mich die Schlieren an den Wänden.

Es widerstrebt mir sehr Verbesserungsvorschläge zu machen, aber mir scheint, dass wenn, bis auf eine Ausnahme, alle Bezüge auf Gesprochenes wegfielen, das Unausgesprochene in deinem Gedicht viel mehr zum tragen käme.

So in etwa:

stummes haus

die keller bedeckt mit moder
fratzen in jedem raum
an den wänden schlieren

und im speicher eingesperrt:
schweigen

Das geht bestimmt weit weg von deinen Intentionen, zeigt dir aber vielleicht, worauf ich hinaus will.

Gruß

Sam

Herby

Beitragvon Herby » 12.10.2011, 19:14

Hallo Sam,

für deine Gedanken zu meinem Text danke ich dir ganz herzlich.

Sam hat geschrieben:du hast dir mit diesem Gedicht etwas sehr schwieriges vorgenommen: Schweigen in Worte zu fassen!


Wohl wahr, und vielleicht wäre es besser gewesen (denke ich jetzt), wieder mit etwas Leichterem zu beginnen. Nun ja, hinterher ist man meistens klüger :smile:

Sam hat geschrieben:Es widerstrebt mir sehr Verbesserungsvorschläge zu machen,


Warum das denn :eek: ? Da bin ich ja froh, dass diese Widerstrebungen nicht die Oberhand gegewonnen haben, denn deine Ausführungen u. dein Verbesserungsvorschlag sind mir wertvoll und wichtig!


Sam hat geschrieben:aber mir scheint, dass wenn, bis auf eine Ausnahme, alle Bezüge auf Gesprochenes wegfielen, das Unausgesprochene in deinem Gedicht viel mehr zum tragen käme.


Vielleicht ist das, was du meinst, identisch mit dem, was Max in seinem Posting mit dem Begriff "skizzenhafter" ausdrückte ? Ich verstehe schon, worauf du mit deinem Vorschlag abzielst. Ich weiß auch (noch) nicht, warum mir das Weglassen hier so schwer fällt.


Danke für deine Rückmeldung und liebe Grüße,
Herby

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Ylvi
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Registriert: 04.03.2006

Beitragvon Ylvi » 12.10.2011, 21:59

Hallo Herby,

ist interessant, die unterschiedlichen Versionen anzuschauen. Eine Frage ist vielleicht, wie wichtig dir der Grund des "Stummseins" für deine Intention ist? Ob es rein als bewusstes (Ver)schweigen, Nichtfragen gemeint sein soll, oder auch der Gedanke, dass die Worte im (Gehirn)Speicher zwar vorhanden sind, aber eben eingesperrt und das Sprechen so nicht mehr möglich ist, eine Leseweise sein soll, was für mich im "sprachlos" der ersten Fassung angedeutet war und auch in der zweiten Fassung so für mich lesbar wäre.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Herby

Beitragvon Herby » 14.10.2011, 21:46

Liebe Flora,

hab Dank für deine erneute Wortmeldung. Mir schwebte die zweite Lesart vor, und ich finde es interessant, dass du sie in beiden Fassungen wiederfindest.

Herzliche Grüße,
Herby


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