Der verrückte Gärtner (III)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 22.08.2011, 19:01

Der verrückte Gärtner


Er liebt die Dunkelheit
und die Kälte
wenn Lichtloses sich
zwischen ihn und die Menschen
schiebt und nichts fragt

Verlässt vielleicht seine Kellerzimmer
die hinter dem einzigen
Fenster verborgen sind
seinen Ideen gräbt er
im Garten ein tiefes Bett

Forellenbecken und Karyatiden
plant er, daneben
Orangenbäume und Buchs
mit seinem Schaufeln kratzt er
Nocturnes für schlafende Nachbarn

Für seine nächtlichen Gäste
stellt er dürre Bistrotische auf
zierliche Vasen mit Zweiglein von Giersch
und wartet; ach ja, sie kommen
erst spät im November

Mit seiner Grubenlampe
leuchtet er Löwenzahn an und Wälder
aus Habichtskraut, sieht wie das
Pflanzengefieder sich ineinander verkrallt
und über die trockenen Teiche wuchert

Er mag das – ihn wundert wohl
manches Wort, das er träumt
wenn er, noch nachtgrau gepolstert
sich in die Vormittage schläft
nach der Arbeit

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 22.08.2011, 19:15

Sorry, dieser Garten (mit seinem Besitzer) lässt mich einfach nicht los. Jedesmal, wenn ich vorbeikomme, ruft er mir wieder ein paar Sätze zu.

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 25.08.2011, 20:53

Liebe Amanita,

ich komm hier das erste Mal bei deiner "Serie" vorbei und es gefällt mir, wie du die Welt beschreibst und wie an PLänen für den Garten auch die Pläne und die Vorstellugnswelt, das innere des Gärtners sichtbar wird, seine den großen Träumern eigene Einfachheit. Ich mag das. Und ich mag, wenn anhand von Gärten erzählt wird...das ist alt und immerwährend und frisch und voll. Ein Versteck, eine gepflegte Verwundung, ein vegetatives Alleinsein. Kein Ergötzen am Schmerz, sondern ein darin wandern.

Was mir hier nicht so stark aufgefallen ist, aber in anderen Texten für mich noch präsenter ist (wollte ich schon länger sagen, deshalb füg ich es hier mal an: Farben sind bei dir immer dabei, beim erleben, erzählen und allem. Wenn du malst/zeichnest und all das ist das immer eine Gabe, aber in deinen Texten betonst du mir sie manchmal über, häufig bildest du sehr auffällige Komposita, um sie zu differenzieren und aufzuladen, aber ich glaube ab einer bestimmten Häufigkeit oder einem bestimmten Betonungsgrad schlägt das in texten eher in nichtmehrnachvollziehen und damit an diesen Stellen Verlieren des Lesers um, jedenfalls bei mir. In Texten sind Farben natürlich einsetzbar und wirksam, aber eben nur begrenzt oder sagen wir..auf begrenzte Weise. Schau mal deine eingestellten Texte an, sehr häufig kommen unzählige Farben vor!Ich würde da deine Art wahrzunehmen etwas zähmen und schauen, wie ich die "Farbe" noch anders in die Texte sprechen könnte als durch einen besonderen Namen.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 25.08.2011, 22:28

Hallo Lisa, danke, ich nehme das als Anregung - obwohl es etwas schmerzhaft war für mich, so beim Lesen. Amanita amputiert. Aber ich sehe ein, man ist mit seiner Wahrnehmung nicht das Maß aller Dinge (das hatte ich allerdings auch nie sagen wollen).

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 25.08.2011, 23:08

Liebe Amanita,

wenn du dir amputiert vorkommst, ist es sicher nicht das richtige damit aufzuhören. Vielleicht zeigt das, dass ich irre. Vielleicht dauert es auch noch, bis du selbst denkst, dass es so vielleicht nicht aufgeht. Beim Schreiben ist ja nicht fesgeschrieben, wie viele Gliedmaßen man wo wie hat und wenn man sich freiwillig und mit gutem gefühl entscheidet, kann auch ein Bein oder eine Nase weniger schön sein :-).

ich wollte nur erwähnen, dass es mir aufgefallen ist, nichts bestimmen & all das.

Und der Gärtner gefällt mir wie gesagt sehr.

liebe grüße,
Lisa
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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 26.08.2011, 10:58

Hallo Amanita,

für mich kommt der dritte Gärtner nicht an den zweiten heran und auch nicht an den Sommergarten oder Gartenstillleben. Ich suche noch woran das liegt. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass es sich anfängt zu wiederholen (Bistrotischstrophe z.B.) und mir nun auch stellenweise zu gesucht (Karyatiden?) und "ausgemalt" (ein Garten in dem mehrere Forellenbecken Platz haben? Ich sah eher einen normalen Hausgarten?) erscheint, und dass diesmal zu viel in ein Gedicht hineingepackt ist. Dadurch verliert die Reihe bei diesem Gedicht für mich an Natürlichkeit, gefühlter Authentizität, dem "einfach so gesehen haben" und so wird der Gärtner zur "Kunstfigur".
Dann sind da auch Kleinigkeiten, die mich irritieren, wie das Haus mit nur einem Fenster?
Im Einzelnen betrachtet sind aber wieder sehr schöne Bilder dabei, die mir auch klanglich gut gefallen.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 26.08.2011, 17:23

Liebe Flora, ich hatte mich ja schon "entschuldigt", weil ich niemanden nerven will mit Variation x. Allerdings kenne ich es aus der Kunst (oder Musik, natürlich), dass man auch mal Ähnliches produziert, variiert, um ein Thema auszuspielen, auszureizen. Das Skurrile übt(e schon immer) eine besondere Anziehungskraft auf mich aus.

Es ist nämlich so, dass ich immer wieder, immer mehr detailreiche Geschichten höre, und wenn ich an diesem Garten (der früher ein ganz "normaler" war) vorbeikomme, mit seinen komischen kaputten Tischchen im Vorgarten und verstreuten wilden Inseln auf dem Asphalt, und sehe, wie er längst ein Eigenleben entwickelt hat, dann muss ich noch eins draufsetzen. :mrgreen:

Ja, Becken - die aber Baustelle bleiben. Alles soll ganz hoch hinaus, aber die (Durchhalte-)Kraft fehlt.

Nicht das Haus, sondern die Kellerwohnung hat ein Fenster; das ist für mich ein Unterschied. Das eine Fenster macht die Kellerwohnung zur Höhle, unwirtlich, aber auch zum Schlupfloch für den Bewohner.


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