Glut

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 20.06.2011, 20:03

Glut
Zuletzt geändert von AkustischeSchärfe am 16.09.2011, 01:25, insgesamt 7-mal geändert.

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 27.06.2011, 11:34

Hallo Tayfun!

Sei mir bitte nicht böse, wenn ich schon wieder mit derselben Sache anfange, mit der ich und andere (siehe etwa Toms "Show, don't tell") dir schon früher gekommen sind.

Aber ich denke halt, da liegt wirklich ein sehr bedenkenswertes Problem verborgen. So, wie dein Text da oben steht, stößt er nämlich die Leser von sich fort, statt sie an sich heranzulassen. Und das liegt an der ausschließlichen Verwendung von Oberbegriffen oder sonst abstrakten Begriffen.

Der Text sollte mindestens 20 Verse lang sein, finde ich! Und in die restlichen 17 Verse kommen dann die "Auffaltungen" der genannten Begriffe:

Speise, Getränk - Welches Getränk? Wenn es schwer im Magen liegt, sagen wir, ein Liter Milch :-) Oder besser, kein "Liter" Milch, sondern ein "großes Glas" Milch. Oder besser, kein "großes" Glas, sondern ein Glas, "das zu heben es beide Hände brauchte". Das sind nun beliebige Beispiele, aber vielleicht sieht man ja, wo ich hin will?!

Für die Speise gilt das gleiche. Und wenn du diese beiden Dinge wirklich erfahrbar gemacht hast, dann musst du bei...

Schwer liegt mir im Magen vielleicht gar nicht das "Ich" kommentieren lassen - vielleicht kannst du dann schon zeigen: Das "Ich" legt sich eine Hand auf den Bauch und krümmt sich etwas - oder so ähnlich... Ich glaube, wenn da der Leser aus diesem äußeren Verhalten des "Ich" in Verbindung mit dem vorher geschriebenen auf den inneren Zustand schließt, fängt das Gedicht an, lebendig zu werden. Oder?

Wandernd - da könntest du auch den Startpunkt nennen - vor allem aber das "Wandern" auseinandernehmen! Was gibt es dabei zu sehen, zu hören, zu riechen?! Das machst du natürlich ein klein wenig in der ersten Zeile, aber das reicht mir bei weitem nicht :-)

Wehrda - da wäre über den reinen Namen hinaus weitere Einzelheiten spannend. Wo genau kommst du an im Ort? Was zeichnet den Ort aus? Was sieht man bezeichnendes von der Seite aus, von der das "Ich" kommt?

Nun weiß ich natürlich weder, ob ich mit alldem wirklich richtig liege, noch, ob du an einem solchen Gedicht überhaupt Interesse hättest. Aber vielleicht probierst du ja einfach mal, wirklich soviel Unanschauliches wie möglich in Anschauliches aufzulösen. Es auseinander zu falten, es dem Leser anzubieten: "Hier, sieh doch mal!" Ich glaube jedenfalls, das täte deinen Texten gut :-)

Noch einige Kleinigkeiten zum Text: "goldene" finde ich als Attribut etwas wischi-waschi. Als ich den Text zum ersten Mal gelesen habe, stand da in Z2, glaube ich, noch ein "es"?! Das wird nicht vermisst ;-) Das etwas seltsam stehende "mir" ist eine gewisse Belastung für den Text (auch, weil der Leser für diesen Stolperstein eigentlich keine Gegenleistung bekommt), aber keine schlimme. Die "spätere Mahlzeit" wird einigen nicht gefallen, aber ich mag es, weil es dem Text etwas herbes gibt. Nur das "es" davor vestehe ich gar nicht - wer oder was ist damit gemeint?! Mir scheint es gänzlich unangebunden. Hilf mir mal :-)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 27.06.2011, 12:32

Hallo Ferdi!


Die Sache ist, dass ich in kurzen Texten, als solcher einer dieser auch gedacht ist, immer zu "platzsparenden Abstraktionen" neige, einfach weils knapp sein soll.

Da ich gerne den Hexameter verwende, aber nicht jeden kleinen Eindruck mega episch verarbeiten will, außer in Epen natürlich, liegt das Grundproblem wohl da: Der Leser erwartet etwas spannendes, der "Mühe" lohnendes zu Lesen - doch er bekommt es nicht.

Kein sinnlicher Epos, kein intelligentes, durchdachtes kurz Gedicht: Er kriegt einfach was gesagt.

In der Tat will ich nicht immer was großartiges oder was bewegendes erzählen, noch es möglichst "animierend" verpacken. Manchmal will ich einfach kurz plaudern, trotz der Gefahr, mir den Ruf als "nichts zu sagen habender Dichter" ein zu handeln.

Die Verse entstanden aufm Weg nach Wehrda im Kopf und waren, ehrlich gesagt, eine Übung: Meinen momentanen Eindruck und meine Gedanken, die galt es als Hexameter einzufangen und mir gelang es. Keine große Kunst freilich ;)


Ich schlage folgendes vor:

Ich werde Glutball erweitern, um daraus etwas lesens wertes zu machen, also für den Leser der nicht ich ist. Ins Verbiegen wohlgemerkt möchte ich nicht abdriften. Wird allerdings stark abweichen, von der "ehrlichen", persönlichen Version.


Bei "goldene" hab ich auch kurz gegrübelt, weil er, ähnlich dem Herz und Schmerz, recht ausgelutscht ist. Allerdings passt es hier wunderbar zum Bild und nebenbei ist das Wort ein sehr schöner Versfuß :) Ich bin auch in der Lage, ihn zu ersetzen, aber das wäre unnötig.

Manchen Lesern könnten die im Text kollidierenden "m" auf fallen, aber mir sind diese kein Problem, ich finde sogar, dass sie zu Geschmeidigkeit beitragen.....

Zum "Giert es": Hmm, da habe ich mich wohl unglücklich ausgedrückt... wie wärs mit: ... gierts mir der späteren Mahlzeit? Klingt halt blöd, finde ich.

"Mahlzeit" ist ja, wie "Glutball" ein schwerer Trochäus, bzw. für mich sind das Spondeen. Es ist im Übrigen kein Zufall, dass diese zwei Begriffe heraugehoben werden :)


Liebe Grüße




Tayfun

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 27.06.2011, 17:38

Ich habe oben nun die aktuelle Erweiterung. Viel vom Inhalt wollt ich nicht ändern. Denn Titel habe ich nun zu "Glut" geändert - so hießen die Verse ursprünglich und der Name passt besser...

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 27.06.2011, 19:03

Hallo noch mal Ferdi!


Um nochmal auf Dein ausführliches, hilfreiches und vorallem Hilfe bietendes Kommentar einzugehen: Es wird Zeit, dass du mal was episches, also was wirklich des Erzählens und der Spannung wegen geschriebenes, von mir zu lesen bekommt. Das Problem ist nur: Es dauert, bis ich mit meinen momentanen Werk fertig bin ^^

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 29.06.2011, 23:15

Hallo Tayfun,

ich finde, das entwickelt sich gut :-) "mäuseschauend" (du hast im Text ein "-den" zuviel) ist ein starkes Beiwort (mäusespähend wäre ähnlich, vielleicht bussardiger), "schwirrend" und "glitzernd" finde ich zu allgemein?! Aber egal :-)

Auf das "wirklich" erzählte warte ich geduldig.

(Wenn du hier unter "Erzählgedichte" einstellst, erweckst du natürlich auch bei Texten wie der ersten Fassung eine Erwartungshaltung)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Beitragvon ferdi » 30.06.2011, 12:06

Hallo Tayfun,

nachdem ich eben einem Bussard zugeschaut habe beim Fliegen (und er mir, vielleicht, beim Radfahren), habe ich noch einen anderen Vorschlag: "mäuseäugend". Weil ich ja daran glaube, das Anschaulichkeit gut ist ;-)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 01.07.2011, 21:31

Hallo Ferdi!

Mäusespähend ist in der Tat Bussardiger, doch habe ich die Verse erneut geändert. Das ist nun die endgültige Fassung, weil sie etwas ausführlicher ist, ohne den kurzen Inhalt zu strecken und natürlich am meisten geschliffen wurde. (Das plötzliche Ende ist so vorgesehen ;))

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 02.07.2011, 09:05

Hallo Tayfun,
vielleicht stehe ich auf irgendeinem Schlauch, denn das Konstrukt begleitete alle Fassungen: wie kann man in einem Satz an Völlegefühl leiden und inbrünstig der Mahlzeit harren? Da das so hohe Permanenz hat, suchte ich einen Zusammenhang mit Glut / Glutball - bisher ist mir nichts eingefallen.
Grüße
Franz

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 03.07.2011, 21:43

Hallo RäuberKneisl!

Leider ganz unspektakulär: Ich bemerkte die Völle, gleichzeitig aber auch den bereits erneut ansteigenden Hunger - so gehts mir leider wirklich oft in letzter Zeit. Daraus wurden im Wandern Verse, hier liegt eine überarbeitete Fassung vor (Ein wenig mehr Inhalt).

Glut... Tja, die Glut, sie schwillt und erkältet.... fand ich passend zum Thema, zumal die Sonne an dem Tag wirklich vorbildlich schien :)

Im übrigen hab ichs nochma neu in die Hörbar gestellt, hatte sich ja doch einiges geändert.

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Eule
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Beitragvon Eule » 12.07.2011, 19:21

Hallo Tayfun, nach Deinem Lesevortrag fiel mir die inhaltliche Dreitteilung des Textes in Gehen - Rasten - Danach auf. Die könntest Du auch als Strophen sichtbar machen. Danach nochmals vorgelesen, könntest Du die thematische Entwicklung auch akustisch ausdrücken. Viele Grüße !
Zuletzt geändert von Eule am 13.07.2011, 17:07, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 13.07.2011, 10:31

Hallo Eule!

Danke, das ist eine gute Idee, ich werde es erwägen, will sowieso noch mal ne prosa Lesung machen!


Liebe Grüße,


Tayfun


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