Würm
Höchste Zeit, dass diesen Weg keiner mehr geht.
Er versumpft nach dem Hangrutsch, der Anfang ist endlich gemacht.
Er trägt Bärlauch, Kopfbuchenäste (Windbruch),
duldet ein schmächtiges Rinnsal, durchsetzt von Wildschweinpisse.
Drunten streckt sich breit das Tal, sein Flöz, in das er sinkt, taucht erst jenseits wieder auf.
Der Fluss in der Mitte hat weit zurückgeblättert, wenig tiefer und es fänden sich
versteinert Stechpalmen, Flusspferdhauer, Krokodilexkremente.
Auf dem Kiesbett im Tal läuft ein Saumpfad an der Autobahn, neueste Generation.
Die Straßenbauer trauten dem Geschiebe nicht, das war anderen Fluss gewöhnt,
sie legten eine Schotterschicht, Grauwacke, unter den Asphalt.
Kommt vor, dass heutzutage genau hier
ein ausgebüchster Hund die Autobahn quert,
ein Junge hinterher, denn heimkommen ohne Hund, das geht nicht.
Hier führte er seinerzeit über das Eis,
ein Pfad, ein Wildwechsel eher,
kein Grund, das groß zu unterscheiden.
Die ersten Schritte in den Unterboden sind die schwersten.
Höchste Zeit, dass diesen Weg keiner mehr geht.
Würm
schrieb Flora - es sind wohl diese Passagen, die ich meine. Sie klingen mitunter so "absolut"/ "ohne Widerrede" (zu erlauben).Dieser Satz sticht für mich heraus, und erzeugt dann dieses Gefühl, dass die Stimme plötzlich ins Belehrende kippt, und das Gezeigte letztlich nur benutzt wurde, um mir etwas Dahinterstehndes zu vermitteln, denn ich kann das "bildlich" nicht nachvollziehen.
-
RäuberKneißl
Hallo,
und eine Verbeugung vor der substanzreichen Rückmeldung.
Würm bezeichnete die (gegenwärtig u.U. noch andauernde) Eiszeit, benannt nach dem Flüßchen Würm. Der Weg ist ein Waldweg, er verläuft weit oberhalb des Tals ("Er" in Vers zwei ist der "Weg" aus Vers 1 - war von mir nicht als Metapher für den Fluß angelegt). Das räumliche Bild, das ich hervorrufen wollte, war das von einem windschiefen Kreuz: unten, längs, der Gletscherausläufer, der das Tal gegraben hatte und jetzt nur noch als Fluß läuft, daneben die Autobahn und ein kleiner Saumpfad. Oben, quer dazu, der Weg, der früher einmal über diesen Gletscherausläufer führte - das Eis ist lange vorbei, da ist nichts mehr, über das der Weg führt.
Vor der Thematik Loslassen - vergessen - vor mir aus auch sterben gelingt es mir offen gestanden noch nicht, die Problematik des 'die ersten Schritte in den Unterboden sind die schwersten' nachzuvollziehen - vor Augen hatte ich den Weg als eine ehemals schöne und nützliche Sache, die ihren Sinn verloren hat und die man nun vergehen, in den Unterboden sinken lassen sollte; sicher eine (aus meiner Warte melancholisch gefärbte) Feststellung, aber dieses Feststellende steckt im wiederholten 'Höchste Zeit ... ' für mein eigenes Empfinden viel penetranter drin. Ich werde es noch etwas sacken lassen ...
Die Stelle mit dem Hund gefällt mir sprachlich auch nicht gut, sie ist vor allem schuld, dass ich das Ding eigentlich als nicht fertig empfinde. Das Bild des kindlichen Festhaltens und Dranbleibens am Hündchen passte nur sehr gut, zumal sowas an der Stelle, die ich vor Augen hatte, tatsächlich passiert ist (ohne Katastrophe, aber der Junge hat tatsächlich ebenso wie sein Hund zu Fuß eine stark befahrene Autobahn überquert).
Die Änderung der Reihenfolge und das Entfernen der doppelten Autobahn werde ich nochmal versuchen, vielleicht finde ich etwas griffigeres.
Nicht jedoch werde ich das mit dem Kind versuchen, die werden nämlich groß und fressen dir die Haare vom Kopf - da hat du mehr zu verlieren als ich, Tom!
Schöne Grüße
Franz
und eine Verbeugung vor der substanzreichen Rückmeldung.
Würm bezeichnete die (gegenwärtig u.U. noch andauernde) Eiszeit, benannt nach dem Flüßchen Würm. Der Weg ist ein Waldweg, er verläuft weit oberhalb des Tals ("Er" in Vers zwei ist der "Weg" aus Vers 1 - war von mir nicht als Metapher für den Fluß angelegt). Das räumliche Bild, das ich hervorrufen wollte, war das von einem windschiefen Kreuz: unten, längs, der Gletscherausläufer, der das Tal gegraben hatte und jetzt nur noch als Fluß läuft, daneben die Autobahn und ein kleiner Saumpfad. Oben, quer dazu, der Weg, der früher einmal über diesen Gletscherausläufer führte - das Eis ist lange vorbei, da ist nichts mehr, über das der Weg führt.
Vor der Thematik Loslassen - vergessen - vor mir aus auch sterben gelingt es mir offen gestanden noch nicht, die Problematik des 'die ersten Schritte in den Unterboden sind die schwersten' nachzuvollziehen - vor Augen hatte ich den Weg als eine ehemals schöne und nützliche Sache, die ihren Sinn verloren hat und die man nun vergehen, in den Unterboden sinken lassen sollte; sicher eine (aus meiner Warte melancholisch gefärbte) Feststellung, aber dieses Feststellende steckt im wiederholten 'Höchste Zeit ... ' für mein eigenes Empfinden viel penetranter drin. Ich werde es noch etwas sacken lassen ...
Die Stelle mit dem Hund gefällt mir sprachlich auch nicht gut, sie ist vor allem schuld, dass ich das Ding eigentlich als nicht fertig empfinde. Das Bild des kindlichen Festhaltens und Dranbleibens am Hündchen passte nur sehr gut, zumal sowas an der Stelle, die ich vor Augen hatte, tatsächlich passiert ist (ohne Katastrophe, aber der Junge hat tatsächlich ebenso wie sein Hund zu Fuß eine stark befahrene Autobahn überquert).
Die Änderung der Reihenfolge und das Entfernen der doppelten Autobahn werde ich nochmal versuchen, vielleicht finde ich etwas griffigeres.
Nicht jedoch werde ich das mit dem Kind versuchen, die werden nämlich groß und fressen dir die Haare vom Kopf - da hat du mehr zu verlieren als ich, Tom!
Schöne Grüße
Franz
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