Mutterliebe III
Versöhnungsgedanken
am Ort des stillen Gedenkens
würzigwilder Nelkenduft - verwirrt
erinnert mich an deine Seifenstücke
von Roger&Gallet
zwischen der Wäsche im Schrank
wo es seltener auch schon mal
nach „Rosa Centifolia“ roch
Man schenkte damals Nelken noch
sie galten nicht als einfallslos
Was will ich dir, bloß sagen …
… dass
am Ende einer lebenslangen Suche
zwei Enden sich wiederfinden
fügen …
Vielleicht
Wie wohl im Wald sich alles regt
in Feld und Wiese dieses Treiben,
Blühen, bricht der Schmerz heraus
sinkt tief in meine Landschaft ein
Und doch
Goldammern glänzen im Flug
Buchfinken schlagen ihren Ton an
nichts gleicht den vorlauten Amseln,
die formvollendet imitieren
Es hätte dir gefallen
©GJ20110519
Mutterliebe III
-
Sam
Hallo Gerda,
ich antworte hier jetzt einmal textübergreifend. Aber keine Angst, ich werde keine Vergleiche anstellen.gif)
Interessant ist es aber schon, dass hier aktuell drei Muttertexte im Forum stehen. Findet man bei Renée eine Mutter, die aus der Ferne betrachtet wird (und damit einhergehend der Versuch, sie sich näher zu bringen), ist dein erstes Muttergedicht eine klare Distanzierung. Es ist eine Abrechnung, und der proasische Ton ist passend, weil gerade dadurch bildhaft wird, wie angestrengt Gefühle unterdrückt werden. Hier nun die Versöhnung, wobei auffällt, dass das Gedicht Mutter III heisst. Eine Mutter II konnte ich hier nicht finden, woraus ich schließe, da muss noch etwas geschrieben werden, das den Weg zur Bereitschaft einer Versöhnung aufzeigt.
Auffällig hier ist für mich, wie die Versöhnung aussieht. Sie besteht nämlich darin, dass sich das LyrI (eigentlich blöd, das so zu formulieren, den ich lese deine Gedichte, und auch das von Renée autobiografisch) selbst völlig zurücknimmt. Keine Erinnerungen, die eine Gemeinsamkeit hervorrufen könnten, werden beschworen, sondern am Ende nur eine jetztige Erfahrung, die man hätte mit der Mutter teilen können, in beiderseitigem Einvernehmen. Das ist irgendwie sehr traurig. Und es zeigt mir, dass die Versöhnung mit den Toten gar nicht funktioniert. Sie ist höchstens eine Versöhnung mit sich selbst. Eine heilende Salbe, die man über seine eigenen beunruhigenden Gedanken legt.
So ganz entfernt ist das Verkopfte aber auch diesen Zeilen nicht (die Nelken!). Normalerweise gefallen mir Gedichte, bei denen ich das Gefühl habe, der Dichter oder die Dichterin hat die richtigen Worte gefunden. Hier aber ist es eine Suche, die lange noch nicht abgeschlossen scheint. Aber es passt, weil man alles Ungesagte und Unformulierte erahnen kann.
Gruß
Sam
ich antworte hier jetzt einmal textübergreifend. Aber keine Angst, ich werde keine Vergleiche anstellen
.gif)
Interessant ist es aber schon, dass hier aktuell drei Muttertexte im Forum stehen. Findet man bei Renée eine Mutter, die aus der Ferne betrachtet wird (und damit einhergehend der Versuch, sie sich näher zu bringen), ist dein erstes Muttergedicht eine klare Distanzierung. Es ist eine Abrechnung, und der proasische Ton ist passend, weil gerade dadurch bildhaft wird, wie angestrengt Gefühle unterdrückt werden. Hier nun die Versöhnung, wobei auffällt, dass das Gedicht Mutter III heisst. Eine Mutter II konnte ich hier nicht finden, woraus ich schließe, da muss noch etwas geschrieben werden, das den Weg zur Bereitschaft einer Versöhnung aufzeigt.
Auffällig hier ist für mich, wie die Versöhnung aussieht. Sie besteht nämlich darin, dass sich das LyrI (eigentlich blöd, das so zu formulieren, den ich lese deine Gedichte, und auch das von Renée autobiografisch) selbst völlig zurücknimmt. Keine Erinnerungen, die eine Gemeinsamkeit hervorrufen könnten, werden beschworen, sondern am Ende nur eine jetztige Erfahrung, die man hätte mit der Mutter teilen können, in beiderseitigem Einvernehmen. Das ist irgendwie sehr traurig. Und es zeigt mir, dass die Versöhnung mit den Toten gar nicht funktioniert. Sie ist höchstens eine Versöhnung mit sich selbst. Eine heilende Salbe, die man über seine eigenen beunruhigenden Gedanken legt.
So ganz entfernt ist das Verkopfte aber auch diesen Zeilen nicht (die Nelken!). Normalerweise gefallen mir Gedichte, bei denen ich das Gefühl habe, der Dichter oder die Dichterin hat die richtigen Worte gefunden. Hier aber ist es eine Suche, die lange noch nicht abgeschlossen scheint. Aber es passt, weil man alles Ungesagte und Unformulierte erahnen kann.
Gruß
Sam
-
Gerda
Lieber Sam,
danke noch einmal für deine ausführliche und intuitive Rückmeldung.
Genau, es geht gar nicht um wechselseitig die Beziehung ins Reine zu bringen, sondern immer noch um Verständnis für die Mutter.
Das fertige Gedicht hat mir das schonungslos aufgezeigt, dass Lyrich sich immer noch um die Mutter dreht.
Ja, so verstehe ich meinen Text auch: Für mich wurde etwas sichtbar, was sich nicht mehr korrgieren lässt. Aber, hier trifft ausnahmsweise, das Sprichwort: "Zeit heilt Wunden" zu, die noch Lebende kommt zur Ruhe, kann dem Kind in sich wenigstens verzeihen. (Das Thema könnte leicht den Faden sprengen, wenn ich jetzt noch auf Alice Miller zu sprechen käme).
Ja, ja, die guten alten Nelken, die haben tatsächlich nicht nur etwas für diese Zeit Entlarvendes ...
Empfindest du nun, dass ich die "richtigen" Worte gefunden habe, obwohl sie nach Suche klingen? Du schreibst es passe.
Klingt sehr "vernünftig"
Liebe Grüße
Gerda
danke noch einmal für deine ausführliche und intuitive Rückmeldung.
Sam hat geschrieben:Auffällig hier ist für mich, wie die Versöhnung aussieht. Sie besteht nämlich darin, dass sich das LyrI (eigentlich blöd, das so zu formulieren, den ich lese deine Gedichte, und auch das von Renée autobiografisch) selbst völlig zurücknimmt.
Genau, es geht gar nicht um wechselseitig die Beziehung ins Reine zu bringen, sondern immer noch um Verständnis für die Mutter.
Das fertige Gedicht hat mir das schonungslos aufgezeigt, dass Lyrich sich immer noch um die Mutter dreht.
Sam hat geschrieben: Keine Erinnerungen, die eine Gemeinsamkeit hervorrufen könnten, werden beschworen, sondern am Ende nur eine jetztige Erfahrung, die man hätte mit der Mutter teilen können, in beiderseitigem Einvernehmen. Das ist irgendwie sehr traurig. Und es zeigt mir, dass die Versöhnung mit den Toten gar nicht funktioniert. Sie ist höchstens eine Versöhnung mit sich selbst. Eine heilende Salbe, die man über seine eigenen beunruhigenden Gedanken legt.
Ja, so verstehe ich meinen Text auch: Für mich wurde etwas sichtbar, was sich nicht mehr korrgieren lässt. Aber, hier trifft ausnahmsweise, das Sprichwort: "Zeit heilt Wunden" zu, die noch Lebende kommt zur Ruhe, kann dem Kind in sich wenigstens verzeihen. (Das Thema könnte leicht den Faden sprengen, wenn ich jetzt noch auf Alice Miller zu sprechen käme).
Sam hat geschrieben: So ganz entfernt ist das Verkopfte aber auch diesen Zeilen nicht (die Nelken!). Normalerweise gefallen mir Gedichte, bei denen ich das Gefühl habe, der Dichter oder die Dichterin hat die richtigen Worte gefunden. Hier aber ist es eine Suche, die lange noch nicht abgeschlossen scheint. Aber es passt, weil man alles Ungesagte und Unformulierte erahnen kann.
Ja, ja, die guten alten Nelken, die haben tatsächlich nicht nur etwas für diese Zeit Entlarvendes ...
Empfindest du nun, dass ich die "richtigen" Worte gefunden habe, obwohl sie nach Suche klingen? Du schreibst es passe.
Klingt sehr "vernünftig"
Liebe Grüße
Gerda
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Sam
Hallo Gerda,
bei manchen Themen kann man die richtigen Worte nicht finden, sondern immer nur danach suchen. Und wenn du dein Gedicht hier mit Versöhnungsgedanken überschreibst, nicht aber mit Versöhnung, so ist es eine Suche, ein Sichgedankenmachen, etwas, das noch nicht abgeschlossen ist. Ob du die richtigen Worte gefunden hast, kannst du wohl nur selbst wissen. Für mich als Leser stellt sich hier jedenfalls ein Prozess dar, der noch nicht abgeschlossen ist.
Gruß
Sam
bei manchen Themen kann man die richtigen Worte nicht finden, sondern immer nur danach suchen. Und wenn du dein Gedicht hier mit Versöhnungsgedanken überschreibst, nicht aber mit Versöhnung, so ist es eine Suche, ein Sichgedankenmachen, etwas, das noch nicht abgeschlossen ist. Ob du die richtigen Worte gefunden hast, kannst du wohl nur selbst wissen. Für mich als Leser stellt sich hier jedenfalls ein Prozess dar, der noch nicht abgeschlossen ist.
Gruß
Sam
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