du und wir sind ich

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 20.02.2011, 21:21



du und wir sind ich


in eingedachten zwischennischen
du und ein gerücht über vorfreude
ein grund ist
geerdete schwerelosigkeit
dem wort das wort zu entziehen
atemlos
dem sehnen die luft zu nehmen

wir aber meist
du und wir und ich
wir fallen
auch umständen zum opfer
die immer dringlicher
nach der eingleisigkeit der
dreidimensionalität rufen

und eigentümlich wirkt
das befriedende wir
wie samtene sprachlosigkeit
und schleusen über dem wehr
da sind nur
du und ich und
abertausend mal ein verschwiegenes
versprechen
wir

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 01.03.2011, 18:30

Lieber Niko,

(nach langem schreib ich mal wieder nen Kommentar...*hallo sag*)

Eigentlich mag ich solche du-ich-wir-Vermythelisierungen nicht so, da mir das dann immer mehr (in meinem Kopf) zu sehr ins Philosophische abgleitet und ich nicht umhin komme, über das "Sein" und das "Selbst" und das "Andere" nachzudenken.

So ging es mir auch hier beim Titel.

Naja, also gelesen hab ich trotzdem, und auch mehrere Male.

Bei mir passiert da einiges, und einige Verse im Text fallen mir auf, d.h. bleiben hängen; darüber sinn ich nach.

Ich mag die Idee des "wir"; sogar sehr. Leider ist das im Gedicht aber ein ziemlich schwerer Weg mit viel labyrinthnem Gestrüpp und so.

Was ich meine, sind so Wortkombinationen, die ich zwar als originell empfinde, die für mich aber hohl bleiben und flach; irgendwie aufgeblasen wie Ballons mit Luft. Ich hätt lieber Konfetti in den Ballons, wenn du verstehst, was ich meine :razz: :eek:

zB: geerdete schwerelosigkeit...ist mir einfach schon zu hölzern

schön ist aber das, und dazu brauch ich dann eigentlich gar nicht dieses ganze Gebausche:

dem wort das wort zu entziehen
atemlos
dem sehnen die luft zu nehmen


hier

auch umständen zum opfer
die immer dringlicher
nach der eingleisigkeit der
dreidimensionalität rufen


ist dann aber wohl der Teufel des vergeistigenden Vermythelisierens mit dir durchgegangen...boah, die Eingleisigkeit der Dreidimensionalität!

Das Wort "befriedend" kommt mir auch irgendwie komisch vor, seltsam fehl am Platz. Schade, dass vor so einem schönen Vergleich wie mit den "Schleusen über dem Wehr" so etwas (mAn) Plattes wie "samtene Sprachlosigkeit" kommt. Innerlich sag es in mir *error, error, error*, denn an vielen Stellen bringe ich die Sprache des Textes, der einzelnen Verse nicht mit einander so in Einklang, dass es tatsächlich klingt. Es ist ein Bisschen wie beim Hürdenlauf im Wald: da muss ich durchs elendig glitschige und wirrige Gestrüpp und über Wurzeln, die schon fast Zäune, um dann auf wunderbar weichem, saftig-grünem Moos zu landen...und dann stehen ein Paar hässliche Baumstumpen im Weg, oder so. So fühl ich mich beim Lesen dieses Textes.

Schön aber doch wieder das Ende. Ah, ich bin auf der Waldlichtung des Gedichtes angekommen...

Ich finde es schade, dass so eine schöne Wir-Essenz von für mich zu viel Verdichtereidingelchen aufgedunsen wird, sich so aber nicht richtig entfalten kann, da da eben immer diese (scheinbare) "Hochmetaphorik" rumschwirrt.

Mit besten Grüßen

Niko

Beitragvon Niko » 30.03.2011, 17:03

Bei mir passiert da einiges, und einige Verse im Text fallen mir auf, d.h. bleiben hängen
was will man mehr, zafar!

aber erstmal ein dickes danke und ein "tschulliung" für´s verspätete reagieren, zumal du nach längerer abstinenz scheinbar kommentiert hast (warum eigentlich? interessiert mich wirklich sehr!)

zu deinen ausführungen bleibt mir im grunde nur als essenz zu sagen, dass ich mehr denn je zu dieser zeit eine schreib-linie gesucht habe. und dann kommen solche schwierigen texte zustande. sie sind eine mixtur als altbewährtem und sehr gewagtem und allem möglichen dazwischen. ohne erkennbare linie und struktur. und schwierig dem leser beizeiten zuzumuten. aber fingerübungen sind der einzigste weg für mich, am ball zu bleiben. einzig die frage, ob man DAS dann auch noch anderen zeigen sollte, wäre da verhandelbar. - ich weiß die antwort darauf und auf vieles andere im moment selbst nicht genau.

um so mehr freut mich dann ein kommentar wie der deinige, der mir dann deutlich zeigt und sagt, welche stellen "funktionieren" und welche völlig daneben zielen.
dafür aufrichtigen dank, zafar!

liebe grüße: niko

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Eule
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Beitragvon Eule » 30.03.2011, 17:50

Hallo Niko, mir gefällt der ungewöhnliche Titel. Danach kommt aber auch für mich zuviel "Umständliches", "eingedachte zwischennischen" ist für sich genommen schon sperrig, in Kombination mit Zeile 2 aber fast schon provokant verbaut. Da stocken Grammatik, Ästhetik, Stil, Kreativität und Lesefreude. Aber zwischendurch scheinen dann doch wieder Passagen "bester Niko" durch, der durch dieses Experiment bestimmt nicht ersetzbar ist.

Also, vorsichtig streichen, glätten, kürzen, vielleicht so:


du und wir sind ich


eingedacht vorfreude
du und ein gerücht in
zwischennischen

ein grund wäre die
geerdete schwerelosigkeit

dem wort das wort zu entziehen
atemlos dem
sehnen die luft

wir aber meist
du und wir und ich

wir fallen auch umständen zum opfer
die immer dringlicher rufen nach
der einen dreidimensionalität

und eigentümlich wirkt
das befriedende wir
wie samtene sprachlosigkeit
und schleusen über dem wehr

da sind nur
du und ich und
abertausend mal das verschwiegenes
versprechen
wir
[b]

Herzliche Grüße und viel Glück und Spass beim Antworten finden !
Ein Klang zum Sprachspiel.


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