Trixies gelungenes "Das Kreuz" -Gedicht erinnerte mich an einen thematisch ähnlichen Text, der nun schon über zwanzig Jahre alt ist ...
Im Dunkeln
Salzig schmecken
Die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt
Gelegt auf den Mund brechende
Finger und Bartstoppelnester voll
Schäumiger Leber die ich sog
Zwischen lebendem Holz
Aus meinem Blut
Als ich schwankend in Wäldern
Auf Rückenmarksflöten
Töne blies
An einem Vollmondtag
Kroch ich zu den Fischen und
Füllte mich mit ihrem Knorpelgewand
Im Dunkeln Version 2
Salzig schmecken
Die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt
Gelegt auf den Mund brechen die
Finger auf Bartstoppelnester voll
Schäumiger Leber gesaugt
Als ich schwankend in Wäldern
Auf Rückenmarksflöten
Töne blies
An einem Vollmondtag
Kroch ich zu den Fischen und
Füllte mich mit ihrem Knorpelgewand
Im Dunkeln Version 3
Salzige Augenlider
Dem Schatten verwebt
Mit brechenden Fingern
Bartstoppelnester voll
Schäumiger Leber gesaugt
Als ich schwankend in Wäldern
Auf Rückenmarksflöten
Töne blies
An einem Vollmondtag
Kroch ich zu den Fischen und
Füllte mich mit ihrem Knorpelgewand
Im Dunkeln
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Hi Arne,
sehr lebendige Vers-/Zeilenfolge, in der ich schnell und gut lesen kann.
Allerdings finde ich dann doch manche Wort- und Wendungsmammute etwas sehr herbeigestampft und ungelenk. Vom Klang her und der Sinnhaftigkeit; nehmen wir mal die 'Rückenmarksflöten', auf denen etwas geblasen wird.
Uah, hu, da schauderts mir ein büschen ... klingt so wie 'Betönchen' oder 'Massenmordtörtchen' ... ähm ... weißt du, wie ich meine?
Es steckt eine Kraft in deinen Zeilen und deiner Intention, unbestritten; gleichwohl mag sich das nicht in adäquatem (in der Dicke reduziertem?) Wortfluss kanaliseren. Jedenfalls für mich nicht ... Vielleicht weniger auf Publikum schreiben, mehr auf dich? Ich weiß es nicht ...
Tom.
sehr lebendige Vers-/Zeilenfolge, in der ich schnell und gut lesen kann.
Allerdings finde ich dann doch manche Wort- und Wendungsmammute etwas sehr herbeigestampft und ungelenk. Vom Klang her und der Sinnhaftigkeit; nehmen wir mal die 'Rückenmarksflöten', auf denen etwas geblasen wird.
Uah, hu, da schauderts mir ein büschen ... klingt so wie 'Betönchen' oder 'Massenmordtörtchen' ... ähm ... weißt du, wie ich meine?
Es steckt eine Kraft in deinen Zeilen und deiner Intention, unbestritten; gleichwohl mag sich das nicht in adäquatem (in der Dicke reduziertem?) Wortfluss kanaliseren. Jedenfalls für mich nicht ... Vielleicht weniger auf Publikum schreiben, mehr auf dich? Ich weiß es nicht ...
Tom.
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Hallo Thomas, danke für Deine Zeilen. Der Text ist schon "alt", die Formatierung nicht. Passt noch nicht ganz zusammen und wirkt an manchen Stellen auch auf mich ungelenk. Die "Rückenmarksflöten" gefallen mir wegen ihrer Plastizität aber immer noch, sie werden auch in einer überarbeiteten Fassung bleiben. Ein bisschen sperrig darfs schon sein. Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.
Hallo Arne,
du schreibst, dass der Text thematisch ähnlich sei wie Trixies Gedicht, also gehe ich davon aus, dass mir irgendetwas im Text entgeht, bzw. ich zu nah am Bild klebe, weil ich das Beschriebene nicht einer anderen "Krankheits-"? Ebene zuordnen kann. Tom und Max scheinen inhaltlich ja keine Schwierigkeit zu haben.
Ich lese von jemandem, der vielleicht betrunken durch den Wald schwankt und schließlich kriecht, um bei Vollmond rohe Fische zu essen, deren Leber ihm beim Einsaugen im Stoppelbart hängen bleibt und aus irgendeinem Grund "schäumt", und deren Augenlider (hmm, Fische haben ja keine, also wessen Augenlider werden hier "gekostet"?) salzig schmecken, um dann auf ihrem Rückenmark (müsste es nicht eher eine Wirbelkanalflöte sein?) zu flöten.
Ziemlich unappetitliche Vorstellung. Auch die gebrochenen Finger auf dem Mund verstehe ich nicht.
Das hier gefällt mir sehr:
Die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt
Liebe Grüße
Flora
du schreibst, dass der Text thematisch ähnlich sei wie Trixies Gedicht, also gehe ich davon aus, dass mir irgendetwas im Text entgeht, bzw. ich zu nah am Bild klebe, weil ich das Beschriebene nicht einer anderen "Krankheits-"? Ebene zuordnen kann. Tom und Max scheinen inhaltlich ja keine Schwierigkeit zu haben.
Ich lese von jemandem, der vielleicht betrunken durch den Wald schwankt und schließlich kriecht, um bei Vollmond rohe Fische zu essen, deren Leber ihm beim Einsaugen im Stoppelbart hängen bleibt und aus irgendeinem Grund "schäumt", und deren Augenlider (hmm, Fische haben ja keine, also wessen Augenlider werden hier "gekostet"?) salzig schmecken, um dann auf ihrem Rückenmark (müsste es nicht eher eine Wirbelkanalflöte sein?) zu flöten.
Ziemlich unappetitliche Vorstellung. Auch die gebrochenen Finger auf dem Mund verstehe ich nicht.
Das hier gefällt mir sehr:
Die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Danke für Eure Kommentare !
@ Flora und Max
Das Leiden an Krankheiten und der Überdruß daran sind schon Elemente des Textes, nur dass das eigene Rückgrat sich hier eher auflöst, als dass es ausgekotzt wird.
Flora, Du hast aber ein wenig die Reihenfolge verschüttelt. Salzige Augenlider: hier wurden vielleicht Tränen verschmiert, brechenden Finger ... da werden Rücksichten aufgegeben, Worte gebrüllt ... und die Rückenmarksflöten, da hat sich das Großhirn versteckt, zurückgezogen ... woher das Knorpelgewand kommt bleibt offen, geschlachtet wird hier aber eher nicht.
@ Flora und Max
Das Leiden an Krankheiten und der Überdruß daran sind schon Elemente des Textes, nur dass das eigene Rückgrat sich hier eher auflöst, als dass es ausgekotzt wird.
Flora, Du hast aber ein wenig die Reihenfolge verschüttelt. Salzige Augenlider: hier wurden vielleicht Tränen verschmiert, brechenden Finger ... da werden Rücksichten aufgegeben, Worte gebrüllt ... und die Rückenmarksflöten, da hat sich das Großhirn versteckt, zurückgezogen ... woher das Knorpelgewand kommt bleibt offen, geschlachtet wird hier aber eher nicht.
Zuletzt geändert von Eule am 29.03.2011, 11:39, insgesamt 2-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.
Hallo Arne,
Bei den Fingern wäre es für mich leichter so lesbar, wenn es nur ein Finger wäre, der auf den Lippen liegt.
Und wenn nicht "geschlachtet" wird, verstehe ich die schäumige Leber im Bart nicht und auch nicht das "saugen", was die Leber ja nach außen verlagert, für mich also ein fremdes Organ sein muss.
Liebe Grüße
Flora
Ich vermute, du meinst mich?@ Trixie
Für mich erzählte das Gedicht tatsächlich "rückwärts".Du hast aber ein wenig die Reihenfolge verschüttelt.
Dann würde ich das "schmecken" rausnehmen, weil das hier irreführend ist?Salzige Augenlider: hier wurden vielleicht Tränen verschmiert,
Hm. Hätte ich so sicher nicht herausgelesen, da sind unsere Assoziationen wohl einfach sehr unterschiedlich.brechenden Finger ... da werden Rücksichten aufgegeben, Worte gebrüllt ... und die Rückenmarksflöten, da hat sich das Großhirn versteckt, zurückgezogen ... woher das Knorpelgewand kommt bleibt offen, geschlachtet wird hier aber eher nicht.
Bei den Fingern wäre es für mich leichter so lesbar, wenn es nur ein Finger wäre, der auf den Lippen liegt.
Und wenn nicht "geschlachtet" wird, verstehe ich die schäumige Leber im Bart nicht und auch nicht das "saugen", was die Leber ja nach außen verlagert, für mich also ein fremdes Organ sein muss.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Hallo Flora, entschuldige bitte vielmals, habe es schon korrigiert.
Die Finger sind in Mehrzahl, weil viele Dinge zur Sprache kommen, die aufgeschäumte Leber hat etwas mit Verzweiflung zu tun und die Wälder mit Einsamkeit. Wird es so besser verständlich ?
Viele Grüße !
Die Finger sind in Mehrzahl, weil viele Dinge zur Sprache kommen, die aufgeschäumte Leber hat etwas mit Verzweiflung zu tun und die Wälder mit Einsamkeit. Wird es so besser verständlich ?
Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.
Hallo Arne,
Aber auch wenn ich nerve,
über das "schmecken" würde ich trotzdem nachdenken.
Salzig die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt
Liebe Grüße
Flora
edit: ach so, wegen der Verwechslung... kein Problem.
Ja, ich denke schon, aber ich bräuchte zum Entschlüsseln eben deine Erklärungen dazu. Vielleicht ergibt sich ein Verständnis aber auch, je mehr Texte ich von dir kennenlerne und vielleicht ist das auch wirklich nur mein Problem und anderen Lesern geht es ganz anders.Wird es so besser verständlich ?
Aber auch wenn ich nerve,
über das "schmecken" würde ich trotzdem nachdenken. Salzig die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt
Liebe Grüße
Flora
edit: ach so, wegen der Verwechslung... kein Problem.

Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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