Im Dunkeln

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Eule
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Beitragvon Eule » 22.03.2011, 12:57

Trixies gelungenes "Das Kreuz" -Gedicht erinnerte mich an einen thematisch ähnlichen Text, der nun schon über zwanzig Jahre alt ist ...



Im Dunkeln


Salzig schmecken
Die Augenlider

Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt

Gelegt auf den Mund brechende
Finger und Bartstoppelnester voll

Schäumiger Leber die ich sog
Zwischen lebendem Holz
Aus meinem Blut

Als ich schwankend in Wäldern
Auf Rückenmarksflöten
Töne blies

An einem Vollmondtag
Kroch ich zu den Fischen und

Füllte mich mit ihrem Knorpelgewand


Im Dunkeln Version 2


Salzig schmecken
Die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt

Gelegt auf den Mund brechen die
Finger auf Bartstoppelnester voll
Schäumiger Leber gesaugt

Als ich schwankend in Wäldern
Auf Rückenmarksflöten
Töne blies

An einem Vollmondtag
Kroch ich zu den Fischen und
Füllte mich mit ihrem Knorpelgewand


Im Dunkeln Version 3


Salzige Augenlider
Dem Schatten verwebt

Mit brechenden Fingern
Bartstoppelnester voll
Schäumiger Leber gesaugt

Als ich schwankend in Wäldern
Auf Rückenmarksflöten
Töne blies

An einem Vollmondtag
Kroch ich zu den Fischen und
Füllte mich mit ihrem Knorpelgewand
Zuletzt geändert von Eule am 30.03.2011, 09:49, insgesamt 2-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 22.03.2011, 23:19

Hi Arne,

sehr lebendige Vers-/Zeilenfolge, in der ich schnell und gut lesen kann.

Allerdings finde ich dann doch manche Wort- und Wendungsmammute etwas sehr herbeigestampft und ungelenk. Vom Klang her und der Sinnhaftigkeit; nehmen wir mal die 'Rückenmarksflöten', auf denen etwas geblasen wird.

Uah, hu, da schauderts mir ein büschen ... klingt so wie 'Betönchen' oder 'Massenmordtörtchen' ... ähm ... weißt du, wie ich meine?

Es steckt eine Kraft in deinen Zeilen und deiner Intention, unbestritten; gleichwohl mag sich das nicht in adäquatem (in der Dicke reduziertem?) Wortfluss kanaliseren. Jedenfalls für mich nicht ... Vielleicht weniger auf Publikum schreiben, mehr auf dich? Ich weiß es nicht ...


Tom.
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

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Eule
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Beitragvon Eule » 23.03.2011, 15:44

Hallo Thomas, danke für Deine Zeilen. Der Text ist schon "alt", die Formatierung nicht. Passt noch nicht ganz zusammen und wirkt an manchen Stellen auch auf mich ungelenk. Die "Rückenmarksflöten" gefallen mir wegen ihrer Plastizität aber immer noch, sie werden auch in einer überarbeiteten Fassung bleiben. Ein bisschen sperrig darfs schon sein. Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

Max

Beitragvon Max » 24.03.2011, 18:39

Hi Arne,

mir geht es gerade was die Rückenmarksflöten geht es mir ähnlich wie Tom.
Für mich sind sie auch gar nicht plastisch, weil ich mir aus Mark einfach keine Flöte vorstellen kann.

Dafür finde ich die letzte Strophe aber rhythmisch und bildlich gelungen.

Liebe Grüße
Max

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 27.03.2011, 15:17

Hallo Arne,

du schreibst, dass der Text thematisch ähnlich sei wie Trixies Gedicht, also gehe ich davon aus, dass mir irgendetwas im Text entgeht, bzw. ich zu nah am Bild klebe, weil ich das Beschriebene nicht einer anderen "Krankheits-"? Ebene zuordnen kann. Tom und Max scheinen inhaltlich ja keine Schwierigkeit zu haben.

Ich lese von jemandem, der vielleicht betrunken durch den Wald schwankt und schließlich kriecht, um bei Vollmond rohe Fische zu essen, deren Leber ihm beim Einsaugen im Stoppelbart hängen bleibt und aus irgendeinem Grund "schäumt", und deren Augenlider (hmm, Fische haben ja keine, also wessen Augenlider werden hier "gekostet"?) salzig schmecken, um dann auf ihrem Rückenmark (müsste es nicht eher eine Wirbelkanalflöte sein?) zu flöten.
Ziemlich unappetitliche Vorstellung. Auch die gebrochenen Finger auf dem Mund verstehe ich nicht. :16:

Das hier gefällt mir sehr:

Die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt


Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Eule
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Beitragvon Eule » 27.03.2011, 22:25

Danke für Eure Kommentare !


@ Flora und Max

Das Leiden an Krankheiten und der Überdruß daran sind schon Elemente des Textes, nur dass das eigene Rückgrat sich hier eher auflöst, als dass es ausgekotzt wird.

Flora, Du hast aber ein wenig die Reihenfolge verschüttelt. Salzige Augenlider: hier wurden vielleicht Tränen verschmiert, brechenden Finger ... da werden Rücksichten aufgegeben, Worte gebrüllt ... und die Rückenmarksflöten, da hat sich das Großhirn versteckt, zurückgezogen ... woher das Knorpelgewand kommt bleibt offen, geschlachtet wird hier aber eher nicht.
Zuletzt geändert von Eule am 29.03.2011, 11:39, insgesamt 2-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 28.03.2011, 10:05

Hallo Arne,

@ Trixie
Ich vermute, du meinst mich?

Du hast aber ein wenig die Reihenfolge verschüttelt.
Für mich erzählte das Gedicht tatsächlich "rückwärts".
Salzige Augenlider: hier wurden vielleicht Tränen verschmiert,
Dann würde ich das "schmecken" rausnehmen, weil das hier irreführend ist?
brechenden Finger ... da werden Rücksichten aufgegeben, Worte gebrüllt ... und die Rückenmarksflöten, da hat sich das Großhirn versteckt, zurückgezogen ... woher das Knorpelgewand kommt bleibt offen, geschlachtet wird hier aber eher nicht.
Hm. Hätte ich so sicher nicht herausgelesen, da sind unsere Assoziationen wohl einfach sehr unterschiedlich.
Bei den Fingern wäre es für mich leichter so lesbar, wenn es nur ein Finger wäre, der auf den Lippen liegt.
Und wenn nicht "geschlachtet" wird, verstehe ich die schäumige Leber im Bart nicht und auch nicht das "saugen", was die Leber ja nach außen verlagert, für mich also ein fremdes Organ sein muss.

Liebe Grüße
Flora
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Beitragvon Eule » 29.03.2011, 11:28

Hallo Flora, entschuldige bitte vielmals, habe es schon korrigiert.

Die Finger sind in Mehrzahl, weil viele Dinge zur Sprache kommen, die aufgeschäumte Leber hat etwas mit Verzweiflung zu tun und die Wälder mit Einsamkeit. Wird es so besser verständlich ?

Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 29.03.2011, 14:03

Hallo Arne,

Wird es so besser verständlich ?
Ja, ich denke schon, aber ich bräuchte zum Entschlüsseln eben deine Erklärungen dazu. Vielleicht ergibt sich ein Verständnis aber auch, je mehr Texte ich von dir kennenlerne und vielleicht ist das auch wirklich nur mein Problem und anderen Lesern geht es ganz anders.
Aber auch wenn ich nerve, ;-) über das "schmecken" würde ich trotzdem nachdenken.

Salzig die Augenlider
Hier und da flüchtig
Dem Schatten verwebt

Liebe Grüße
Flora

edit: ach so, wegen der Verwechslung... kein Problem. :-)
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Eule
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Beitragvon Eule » 30.03.2011, 09:44

Hallo Flora, danke für Dein "Nerven". Du hast recht, werde versuchen, in Version 3 das "schmecken wegzulassen. Das wirkt sich dann auf die Folgezeilen aus, bin mal gespannt, was dabei rauskommt. Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 30.03.2011, 10:59

danke für Dein "Nerven"
Gern geschehen. :-)
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