Weiße Worte

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 21.03.2011, 17:01

schwache Lampe

der Erlentisch
erscheint zwei Stufen tiefer

draußen fächelt der Bambus
den die sinkende Sonne grünt


Pechsträhne
endloses Warten
am Rande

der späte Nachmittag
schluckt taubstumme Falter

Tinte
brombeergetönt
verläuft auf weißem Blatt

Sprachgelände
ohne Worte
Steilflug
scheuert an den Knöcheln

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 21.03.2011, 18:59

Hallo Ben,

schön wieder etwas von dir zu lesen. Ich bin gleich mal im Text.

Wenn der Titel "weiße Worte" lautet, würde ich der ersten Zeile, dem Einstieg ins Gedicht, noch einen Artikel gönnen, sonst erscheint mir das zu gleichgeschaltet und somit in Konkurrenz tretend.

der Erlentisch
erscheint zwei Stufen tiefer

draußen fächelt der Bambus
den die sinkende Sonne grünt


Pechsträhne
endloses Warten
am Rande

der späte Nachmittag
schluckt taubstumme Falter
Das gefällt mir alles sehr! Es ist wunderbar bildhaft und stimmungsvoll.

Tinte
brombeergetönt
verläuft auf weißem Blatt
Hier fehlt mir auch ein Artikel und ev. würde ich rein klanglich auch das Papier noch dazunehmen. "verläuft auf einem weißen Blatt Papier"

Sprachgelände
ohne Worte
Steilflug
scheuert an den Knöcheln
Hier verliert es mich. Das Sprachgelände finde ich fein, weil ich die stachelig verlaufenen Brombeerranken gegen den fächelnden Bambus sehe (und in dem Wort für mich auch "Testgelände" mitschwingt).
Aber "ohne Worte", verstehe ich nicht, denn der Titel spricht ja von "weißen Worten" und in Verbindung mit dem "weißen Blatt" hatte ich es so gelesen, dass es Worte gibt, geben muss, sie aber nicht sichtbar werden, dass das Niederschreiben unmöglich scheint?
Und huch, wo kommt der Steilflug her und wie kann er an den Knöcheln scheuern?
Sprachgelände
stachelige Ranken
reißen an den Knöcheln

So wäre es für mich stimmiger im Bild bleibend, aber vielleicht übersehe ich auch etwas und stehe auf der Leitung.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

wüstenfuchs

Beitragvon wüstenfuchs » 22.03.2011, 08:57

Liebe Flora,

vielen Dank für Deinen Kommentar.

Das mit den Artikeln lasse ich mir durch den Kopf gehen.

Bei den letzten Zeilen ging es mit mir etwas durch, da hast du Recht. Manchmal formen sich willkürlich Zeilen und wollen aus mir herausbrechen, lach....

Ich muss das komplett überdenken und verändern.

Viele Grüße
Fux


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