Über eine Reise an der Seite des Königs in...

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Louisa

Beitragvon Louisa » 10.02.2011, 01:57

Über eine Reise an der Seite des Königs in den Harz, begleitet von Bulgaren in Schmalspurbahnen, huch!

„Wenn wir regionale Spezialitäten genießen wollen,
sagen Sie mal, wohin müssen wir dann fahren?“

fragte ich die Dame im Tourismus-Häuschen,
„Wir haben hier einen wunderbaren Bulgaren!“

Neben dem Altersheim im Dörfchen Thale,
gab es noch ein Lokal, das länger als sieben
Uhr geöffnet war, es gab eine „mythische Karte“.
Ich nahm das Siegfried-Schnitzel, leider waren

es mythische Tiefkühlkostwaren. Am zweiten Tage
fiel in unserem entzückenden, einsamen Berghotel
ein Gaskanister aus und wir erfroren beinahe –
Ich dachte: Mach dir nichts draus, ein Dichter

kennt keinen Schmerz, nur den fiktionalen –
Dennoch war mein Fieber echt und so fuhren wir
auf den BROCKEN mit den Harz-Schmalspurbahnen,
drei Stunden am Wald und Eis, an weißen Wiesen

vorbei, zuckerfrei stand auf meiner Cola
und der automatische Reiseführer-Roboter
erklärte: „Meine Damen und Herren, wir
biegen jetzt in die schmalste Kurve der

Harzer Schmalspurbahnen ein, genießen sie
ihre Fahrt.“
Es gab Schnaps mit derben Namen
und Männer, die um 9 Uhr Morgens im nu
sechs davon kippten und ihren dicken Kindern

alle zwei Minuten sagten: „Guck mal, da oben,
der Brocken!“
Mein Fieber stieg an mit der Bahn
und ich dachte im Stillen: Was würdest du geben
um keine Deutsche in Deutschland zu sein –

und immer wieder musste ich denken:
Wenn wir das hier mal einem Franzosen zeigen,
dann kommen die nie mehr wieder, mein Liebster
sagte: "Mäuschen, trink doch mal einen Likör!"

Als wir endlich am Gipfel waren, zahlten wir
einen Euro für die Toilette. Der König meinte:
„Mit dem Schwerbeschädigtenausweis können
wir auch umsonst mit der Schmalspurbahn fahren.“


Ich muss sagen: Das war wohl der schönste Tag
in meinem Leben und beinahe hätt ich vergessen,
dass dies ja ein Gedicht ist und wir auf dem Berg
Schneebälle in die Wolken warfen und die Sonne

schien, als ob sie keine deutsche wäre und
der Kuss in der Schmalspurbahn so ruckelte,
die anderen Menschen ja eigentlich bloß
Papierkulissen waren und der Harz an sich
(so wie jeder Ort) ein Paradies für Liebende ist.






Änderungen:

In der dritten Strophe fehlte bei "entlegenen" das letzte -en!

-An Hand von Quoths erstem Kommentar habe ich an Stellen mit Enjambement klein weiter gedichtet, dafür das höfliche "Sie" in der ersten Strophe groß geschrieben

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 13.02.2011, 10:30

Liebe fenestra,

ich finde es spannend, dass du diesen Blickwinkel hineingebracht hast, denn tatsächlich gibt es ja bezüglich des Harzes da eine richtige Tradition (auch wenn ich jetzt nur Heines kenne). Ich glaube aber, dass der Text sich eigentlich sehr gut in diese Betrachtungsreihe einordnet, zeigt er doch (sei es, weil der Autor das bewusst gesetzt hat, sei es, weil er es nicht anders leisten kann) wie sich so eine Harzreise geändert hat: tatsächlich scheint heute eine Harzreise eben keine Harzreise mehr zu sein, ich denke schon, dass das zeitlich ziemlich treffend ist: dass da gar kein harz mehr zu sehen ist.

Es wäre natürlich extrem spannend, sich tatsächlich mit den anderen literarischen Verarbeitungen auseinander zu setzen und dann zu schauen, ob man durch einzelne Begriffe noch Verbindungsstellen herstellen könnte, wodurch das intertextuelle gegenwärtiger würde und damit wiederum die "Wandlung" (wobei ich sicher bin, dass auch die Harzreisen früher eben einem bestimmten Klischee/bestimmten festen Reiseverfahrensweisen unterlagen und in diesem Sinne den Harz eigentlich nicht treffen).

Ich fürchte allerdings, dass Louisa diese Art Überarbeitung/Herangehensweise eher nicht so liegt .-). Was aber in meinen Augen den Text nicht disqualifiziert, ich finde ihn ein passendes Dokument einer Harzreise.

liebe grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Louisa

Beitragvon Louisa » 13.02.2011, 10:43

Liebe Kommentatoren,

danke für eure spannenden Beiträge! Ich kann mich leider erst heute Nachmittag intensiver damit beschäftigen.

Vielleicht nur als ganz kleine erste Anmerkung an Fenestra: Ich finde das sehr interessant, was du schreibst, da ich mit Björn Kuhligk und Jan Wagner in einem Basketball-Verein bin ("Dichter und Dunker" :smile: ...) - und sie nie von diesem Buch erzählt haben - ich werde einmal danach fragen und es mir anschauen - es ist bestimmt ein schönes Projekt der beiden - hat aber glaube ich wirklich relativ wenig mit meiner Intention zu tun.

Ich vervollständige hier wirklich nur meine Königs-Reihe, in der es bei genauem Hinsehen wahrscheinlich sogar Bezüge zum Papst und Beate Uhse gibt, die doch aber eher der Beziehungs-Beschreibung zwischen mir und den verschiedenen Königen dienen, als irgendeinem Vorbild zu nahe zu treten.

Ich weiß nicht, ob man das so verteidigen kann - Ich weiß auch nicht, ob man z.B. über eine Italienreise ein Gedicht schreiben kann ohne sich dabei an Goethe zu orientieren.

An Heine habe ich hier beim Schreiben auch ganz kurz gedacht, aber nicht, weil ich einen Bezug herstellen wollte, sondern nur, weil ich ihn mag :smile: ...

Wenn es in diesen Gedichten überhaupt einen Bezug gibt, dann ist es für mich dauernd der zu Else Lasker-Schüler - denn meine Anfangsidee der Königs-Gedichte war es ja einen Tonfall für Liebesgedichte zu entwickeln, der zwar verliebt bleibt, aber nicht zu süßlich wird. Dauernd hat Else in ihren Gedichten ihren König (Prinzen, Liebsten, Sultan, was weiß ich was noch alles :smile: ) angedichtet und oftmals war mir das fast ein bisschen zu viel - d.h. ich lese es sehr gerne, aber ich glaube, dass man Liebesgedichte heutzutage auch öfters einmal mit einer leichten Ironie und diesen feierlichen Tonfall mit einer leichten Übertreibung ("Oh!" "Ach!" "Mein Geliebter!" "Mein König!") durchbrechen muss :smile: ... denn ich denke, dass auch die Wirklichkeit und die wirkliche Liebe immerzu von diesen absurden Brüchen begleitet wird, die meistens gar nicht so viel Romantisches haben... Es gibt ja eigentlich keine perfekten Augenblicke, wenn man genau hinsieht :smile: ...

Darum geht es für mich in diesen Texten. So kann man vielleicht noch sagen, dass Else L-S. in ihren Texten mit dem König nach Theben reist und auf Kamelen reitet - ich es aber ganz witzig finde mit ihm in den Harz zu reisen und in der Schmalspurbahn zu fahren, die ich ja übrigens zwei Mal erwähne, Fenestra, denn auch, dass wir in der "schmalsten Kurve der Schmalspurbahn" fahren und dies ein Roboter extra ansagt - empfand ich zumindest als komisch.

So. Später mehr und ausführlicher.

Ach ja: Die Änderungsvorschläge haben mir sehr gefallen! Vielen Dank! Das werde ich auch heute Nachmittag umsetzen und es euch dann präsentieren.

Schönen Sonntag!

Liebe Grüße,
l

Quoth
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Beitragvon Quoth » 13.02.2011, 11:30

Hallo alle,
ich hab mal fenestras Anregung aufgenommen und das in Fließtext umgesetzt:

Über eine Reise an der Seite des Königs in den Harz, begleitet von Bulgaren in Schmalspurbahnen, huch!

„Wenn wir regionale Spezialitäten genießen wollen, sagen Sie mal, wohin müssen wir dann fahren?“, fragte ich die Dame im Tourismus-Häuschen. „Wir haben hier einen wunderbaren Bulgaren!“ Neben dem Altersheim im Dörfchen Thale gab es noch ein Lokal, das länger als sieben Uhr geöffnet war, es gab eine „mythische Karte“. Ich nahm das Siegfried-Schnitzel, leider waren es mythische Tiefkühlkostwaren.

Am zweiten Tage fiel in unserem verzückten entlegenen Berghotel ein Gaskanister aus und wir erfroren beinahe – ich dachte: Mach dir nichts draus, ein Dichter kennt keinen Schmerz, nur den fiktionalen – dennoch war mein Fieber echt und so fuhren wir auf den BROCKEN mit den Harz-Schmalspurbahnen, drei Stunden am Wald und Eis, an weißen Wiesen vorbei, zuckerfrei stand auf meiner Cola und der automatische Reiseführer-Roboter erklärte: „Meine Damen und Herren, wir biegen jetzt in die schmalste Kurve der Harzer Schmalspurbahnen ein, genießen Sie Ihre Fahrt.“ Es gab Schnaps mit derben Namen und Männer, die um 9 Uhr Morgens im Nu sechs davon kippten und ihren dicken Kindern alle zwei Minuten sagten: „Guck mal, da oben, der Brocken!“ Mein Fieber stieg an mit der Bahn und ich dachte im Stillen: Was würdest du geben, um keine Deutsche in Deutschland zu sein – und immer wieder musste ich denken: Wenn wir das hier mal einem Franzosen zeigten, dann kommen die nie mehr wieder, mein Liebster sagte: "Mäuschen, trink doch mal einen Likör!"

Als wir endlich am Gipfel waren, zahlten wir einen Euro für die Toilette. Der König meinte: „Mit dem Schwerbeschädigtenausweis können wir auch umsonst mit der Schmalspurbahn fahren.“ Ich muss sagen: Das war wohl der schönste Tag in meinem Leben und beinahe hätt ich vergessen, dass dies ja ein Gedicht ist und wir auf dem Berg Schneebälle in die Wolken warfen und die Sonne schien, als ob sie keine deutsche wäre und der Kuss in der Schmalspurbahn so ruckelte, die anderen Menschen ja eigentlich bloß Papierkulissen waren und der Harz an sich (so wie jeder Ort) ein Paradies für Liebende ist.


Abgesehen mal davon, dass die Selbstermahnung "Beinah hätt ich vergessen, dass dies ein Gedicht ist" gegenstandslos wird (denn es ist ja nun erkennbar keines mehr) - der Vortragston würde ein völlig anderer, oder? Die bloße Simulation von Strophen und Versen mit geplanten Umbrüchen genügt, um das Ganze "lyrisch" klingen zu lassen. Ich würde den Text genremäßig als "prosaische Lyrik" einordnen.

Übrigens würde ich statt "das länger als sieben Uhr geöffnet war" schreiben: das nicht schon um sieben Uhr schloss. Und "im Nu", da würde ich Nu groß schreiben.

Gruß
Quoth

Besonders gut gefällt mir, dass die Bahnfahrerin im Angesicht des deutschesten aller Berge was dafür geben würde, keine Deutsche in Deutschland zu sein. Und dass sie diesen Tag den schönsten in ihrem Leben nennt!
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 13.02.2011, 12:22

meine Anfangsidee der Königs-Gedichte war es ja einen Tonfall für Liebesgedichte zu entwickeln, der zwar verliebt bleibt, aber nicht zu süßlich wird. ... ... denn ich denke, dass auch die Wirklichkeit und die wirkliche Liebe immerzu von diesen absurden Brüchen begleitet wird, die meistens gar nicht so viel Romantisches haben... Es gibt ja eigentlich keine perfekten Augenblicke, wenn man genau hinsieht ...


Liebe Louisa,

das kann ich komplett so unterschreiben und deshalb mag ich den Ansatz deiner Königsgedichte - unabhängig von meiner Kritik an diesem speziellen Text - sehr!

Liebe Lisa,

dass da vielerorts kein Harz mehr ist, stimmt so nicht (wie gesagt, mal Wagner/Kuhligk lesen), es ist natürlich kein romantischer Harz, aber das war es bei Heine auch schon nicht mehr überall. Es gibt aber schon ein recht eindrucksvolles Lokalkolorit - und was ist eigentlich schlimmer, das (auch mal spießige und kleinbürgerliche) Lokalkolorit oder die Globalisierung mit allgegenwärtigem Schnitzel und Cola? Was genau ist davon das Deutschtum, für das sich die Autorin schämt? Das wird hier nicht ganz klar und ist mir zu klischeehaft. Eine zumindest ganz leichte Anbindung an die Landschaft würde den Text für mich authentischer machen, ohne dass man gleich zu tief in die Bezüge zu literarischen Vorbildern einsteigen müsste.

Lieber Quoth, danke, dass du mal den Prosasatz vorführst! Das bestätigt meinen Eindruck. Als Prosa ist der Text sprachlich rasant und fantasievoll, lyrische Prosa eben. Als Gedicht fehlt ihm irgendwas, da ist er mir sprachlich zu redundant. Sicher auch eine Geschmacksfrage.

Viele Grüße
fenestra

Gerda

Beitragvon Gerda » 13.02.2011, 12:52

Liebe fenstra,

ich war lange nicht mehr im Harz, ich glaube, 1986, es muss um Ostern herum gewesen sein.
Ist es nicht so, dass abgestorbene Bäume, also das Waldsterben den gößten landschaftlichen Eindruck hinterlassen?
(Ich nehme nicht an, dass man davon nichts mehr sieht ... habe auch bisschen gegooglet und neuere Fotos gefunden)
Wäre das etwas, das deiner Meinung nach bei einer Harzreise in der Gegenwart Erwähnung finden müsste?
Ich vermisse das in Louisas Gedicht nicht. @ andere Intention.
Abgewinnen kann ich hingegen der auch von Ouoth vorgeschlagenen lyrischen Prosaform als Fließtext eine Menge, aber wäre es dann noch charakteristisch für Louisa?

Liebe Louisa,

dass du am ehesten den Lasker-Bezug siehst kann ich gut nachvollziehen.
(Ich war mal indirekt an einem schulprojekt über sie beteiligt).
Dass man heute andere Metaphern benutzt, nun gut, das Thema bleibt ewig zeitgemäß. :-)
Danke für die ausführlichen Erläuterungen.

Sonnige Sonntagsgrüße
Gerda

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Beitragvon fenestra » 13.02.2011, 16:20

Liebe Gerda,

an das Waldsterben habe ich gar nicht unbedingt gedacht. Eher an die Motorsägen im Wald oder an die Talsperren. Aber auch an die typischen Schiefer-Häuschen, an den Geruch von Hausbrand, der im Osttteil noch immer stark ist. An die Bemühungen um die Touristen, die Wanderwege, Nordic Walking-Routen, Mountainbike-Strecken, Fastenkuren, Wellness. Die Hexenkioske, den Schierker Feuerstein. Die Auswilderung des Luchses, die Hoffnung auf einen Rettung der Wildkatze ...
Es gibt vieles, das mir da ins Auge springt. Natürlich zu viel für so ein Gedicht, das war jetzt nur mal eine Motivsammlung zur Auswahl. ;)

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Beitragvon Lisa » 13.02.2011, 20:09

Liebe fenestra,

ich meinte auch nicht, dass kein Harz mehr da ist, sondern dass der Reisende ein anderer ist (die Requistenbemüllung findet jederorts statt, fährt man nach Nordafrika, freut man sich über den Currywurstteller im Hotel..).

Das wird hier nicht ganz klar und ist mir zu klischeehaft.


Ja, wenn man "genau" hinschaut, könnte man das vielleicht etwas tiefer gestalten, das stimmt.

liebe Grüße,
Lisa
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Beitragvon Quoth » 14.02.2011, 08:47

Mal sehr zugespitzt: Eine Berliner Göre kommt auf die Schnapsidee, mit ihrem Liebsten mitten im Winter in den Harz und auf den Brocken zu fahren; sie erlebt die voraussehbaren Enttäuschungen im touristischen Bereich, bekommt außerdem noch die Grippe - und entsprechend liest sich dann eben der Text, dessen Kraft gerade in seiner extremen Subjektivität und Respektlosigkeit liegt.

Während Du, fenestra, dem Harz gegenüber fast Heimatgefühl entwickelst und außerdem eine scharf beobachtende Ökologin bist. Da trifft Seriosität auf Leichtsinn, Genauigkeit auf Verallgemeinerung, Ernstnehmen und Hinschauen auf die Benommenheit eines kranken Kopfes ...

Ich glaube, fenestra, wir dürfen auf Deine Harzreise gespannt sein!

Gruß
Quoth
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Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 14.02.2011, 11:02

ich finde das ist ein hervorragendes fazit von quoth, weshalb ich mir jetzt auch die mühe spare alles noch einmal mit eigenen worten zu wiederholen.

Louisa

Beitragvon Louisa » 16.02.2011, 17:30

...meine antwort kommt noch :pfeifen:

Louisa

Beitragvon Louisa » 18.02.2011, 18:02

So, jetzt habe ich endlich Zeit dafür noch meinen Senf dazuzugeben ;) !

Danke an Quoth! Deine ersten Vorschläge habe ich gerne übernommen. Wie wir alle wissen, bin ich in der Zeichensetzung trotz Deutsch-Leistungskursen nie wirklich fit gewesen :) ... Es kann also sein, dass ich in dieser Richtung noch einige Fehler übersehen habe!
(Das verzückte, entlegene Berghotel ist nun auch zum entzückenden, einsamen Berghotel geworden ;) !)

Was deinen Vorschlag mit der Prosa-Setzung anbelangt, so erschiene mir das so als würde ich dir einen Pfannkuchen mit Apfelmus servieren und du würdest mir sagen: "Rolle ihn doch mal ein! Dann schmeckt er mir besser!"
- Also :smile: ... ich glaube nicht, dass das am GEschmack so viel verändert :smile: ... Aber trotzdem Danke für die Idee... Wie gesagt: Der Text gehört zu einer Reihe von Königs-Gedichten, die im Aufbau alle sehr ähnlich sind (kein stringentes Reimmuster, viele Binnenreime, viele Enjambements, manchmal unterschiedliche Sprachanklänge, einiges an Ironie und Albernheit, sehr lange, leicht absurde Titel, die das Gedichtgeschehen umreißen....) - sie sind alle so aufgebaut und sie sind auch immer in Strophen unterteilt! Ich werde das so lassen :smile:

Nun noch mal zu Fenestras Verteidigungen des Harzes:

Fenestra, du meintest:

"An die Bemühungen um die Touristen, die Wanderwege, Nordic Walking-Routen, Mountainbike-Strecken, Fastenkuren, Wellness. Die Hexenkioske, den Schierker Feuerstein. Die Auswilderung des Luchses, die Hoffnung auf einen Rettung der Wildkatze ..."

:eek:

Also eine meiner großen Schwächen ist sicherlich, dass ich nichts ernstgemeintes ernst nehmen kann und das ich meistens laut lachen muss, wenn etwas sehr ernst gemeint ist - und so geschieht es mir auch im Harz. Das ist einfach so.

Erst einmal habe ich auch diese krampfhaften "Bemühungen um die Touristen" bemerkt - andererseits aber unter riesigen Lücken am Tourismusgewerbe dort gelitten (siehe allein die erste Strophe meines Textes!!!) - und da ich darüberhinaus ein absoluter Feind von Dingen wie "Nordic Walking" bin ( - Können die Menschen nicht mehr einfach bloß spazieren gehen :smile: ???) - und ohnehin viel zu verwöhnt von anderen Reisen sowie Resistent gegenüber der Begeisterung für einen lokalen Kräuterlikör, den "Schierker Feuerstein" :eek: bin - kann mich das einfach nicht mitreißen...

Wenn man mal mit einem Germknödel und einem Kakao in einer BErghütte in den Alpen zu irgendwelcher Gaudi-Musik gesessen hat und davor eine Gletscherspalte in 3000 Meter Höhe bewundert hat und wenn man gesehen hat wie eine 80-jährige Großmama auf einer einsamen thailändischen Insel um 3 Uhr Nachts noch ihre improvisierte Küche für die Touristen anwirft und ein Vier-Gänge Menü zaubert....

Dann beeindruckt mich der Brocken einfach nicht mehr :smile: ! Und es müsste für mich sehr viel mehr an Service dort geschehen, als das ich den Harz lieben lernen könnte...

Andererseits hat das gar nichts mit dem Text zu tun und jeder kann ja eine Region mögen oder meiden wie es ihm gefällt.

Ich hatte vielleicht auch einfach nur Pech ;-) und abgesehen davon nimmt man sich selbst ja leider auch auf jede Reise mit :smile: ! Das war eines meiner größten Dilemmas!

Naja... mir gings hier ja auch mehr um den König und mich!

Und zu deiner Kritik, dass man "dieses Deutschtum" ja überall finden könnte und gerade der Harz gar nicht so spezifisch herausscheinen würde...

Nein, ich bin mir sicher, dass man das zum Beispiel in Gebieten wie "an der Mosel" oder in "Süddeutschland" nicht so oft findet.... Dort hatten die Gaststätten die halbe Nacht geöffnet, die Räume waren beheizt, es gab 100 regionale Speisen und sicherlich auch einen Pfad zum Nordic-Walking :smile: !

Die armen Hexen habe ich vergessen, das stimmt! Den Schnaps habe ich aber umschrieben! ich dachte es wäre nicht wichtig extra seinen "derben Namen" zu nennen :smile: !

Es tut mir leid, wenn mir der Harz nicht gefallen hat - obwohl er jedermann gefallen kann!

Ich kann ihn ja noch einmal im Sommer besuchen, dann sieht das alles sicher anders aus... So war es für mich wie so ein kleiner Versuch eines Urlaubsortes.

Zu dem Zoo mit den erwähnten Wildkatzen fällt mir noch ein: Ja :mrgreen: ! Das habe ich auch interessant gefunden und ich habe zu einem Mitarbeiter des Hotels gesagt: "Kann man dort im Zoo diese Wildkatzen sehen?" und er antwortete: "Ja, aber im Winter werden die Tiere nicht zu sehen sein, da sie sich verkriechen - es ist ein Gelände ohne Zäune."

So habe ich leider auch keine besonderen Tiere gesehen - außer in gegrillter Form!

Es war ein großes Pleiten-Pech-und-Pannen-Erlebnis mit meinem Freund und ich musste dieses Trauma literarisch verarbeiten, da ich ja sonst kein Ventil besitze über das ich Luft ablassen kann :smile: !

Ich bin untröstlich.

Und ich komme vom Thema ab! Was ist deutsch daran?

Alles daran ist deutsch! Diese geschlossenen Lokale, dieses geplante, dieses Frühe, dieser Schierker Feuerstein-Schnaps, diese Nordíc-Walking-Routen (das hätte man eigentlich noch einbauen müssen!!!), dieses Bemühte, Angestrengte, Unspontane, Abrechnende, Aaaaaaaarrrhh! Der ganze Text ist Deutschland! Der ganze Harz ist für mich ein Spiegelbild dieses kleinen, absurden, verrückten Landes! Zudem ich trotzdem gerne gehöre.

"Deutsch" ist ja kein Schimpfwort! Es ist nur manchmal anstrengend.

Also danke für deine inspirierenden Kommentare!

Liebe Grüße,
l

Louisa

Beitragvon Louisa » 18.02.2011, 18:08

PS: Lisa, aber gerade Franzosen mit ihrer formalen "Abendbrot-Psychose" :smile: passen doch als Kontrast sehr gut, finde ich :smile: ...

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 18.02.2011, 20:01

Liebe Louisa, ich fühle mich jetzt völlig missverstanden, ich wollte doch keine Lobeshymne auf den Harz singen! Wellness und Nordic Walking sind für mich Unworte, Fichtenmonokulturen ein Greuel und ich meinte überhaupt nicht, dass du ein rührseliges Heimatgedicht schreiben solltest. Ich habe nur auf Gerdas Frage hin aufgezählt, was man alles bemerken und betrachten hätte können, unter welchem Blickwinkel auch immer. Und am liebsten so, wie deine Basketballkollegen es getan haben, mit offenen Augen, einfach staunend und leicht befremdet, aber auch neugierig ohne zu aufdringliche Wertung. Bei deinem Text hatte ich einfach den Eindruck, dass du gar nicht richtig hingeschaut hast. Aber das ist vielleicht auch kein Wundern - mit einem König an der Seite! ;)

Und übrigens: Hat der Harz nicht im Winter sogar Hochsaison? Von wegen Ski und Rodel gut? Und mit dem Potential der Schmalspurbahn meinte ich, dass du das Wort als Anspielung für Schmalspurdenken, Schmalspuressen, Schmalspurtourismus hättest nehmen können. Aber nun hör ich auf mit dem Konjunktiv.

fenestra

Louisa

Beitragvon Louisa » 19.02.2011, 18:21

Hallo Fenestra.

Wenn ich dich falsch verstanden habe, dann tut es mir leid!

Naja, es geht ja in diesem Harz-Text auch nicht vornehmlich um den Harz. Wenn das "lyrische Ich" ;) tatsächlich fiebrig, genervt, verliebt und leicht alkoholisiert ist wie es ja im Text steht - dann kann man nicht erwarten, dass es die verschiedenen Wildkatzen-Arten aufzählt oder :smile: ?

Abgesehen davon finde ich, dass ich all deine Vorschläge tatsächlich noch hätte einbauen können: Das alberne Nordic-Walking, die Langläufer und die 20 Schlitten vor einem schlechten Imbiss...ich habe das auch alles registriert als ich dort war, aber ich finde es nicht sonderlich erwähnenswert - schon gar nicht in einem Königstext.

Ich mag den Text so eigentlich ganz gerne :smile: - und ich glaube, dass jemand, der noch nie im Harz gewesen ist, ihm vielleicht doch etwas an Informationen herausnehmen kann...

Danke für deine vielen Kommentare!!!

Liebe Grüße,
l


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