„Zu zweit ist man weniger allein“

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Gerda

Beitragvon Gerda » 08.02.2011, 11:03

„Zu zweit ist man weniger allein“

Im Rücken Musik von Strawinsky,
im Bauch die Sehnsucht nach dir.

Fifty/fifty
sagst du, Winterschlussverkauf
überall fünfzig Prozent.


Ich nehme dich ganz.

©GJ2011
Edit, Leerstelle hinter Winter gelöscht
Zuletzt geändert von Gerda am 09.02.2011, 11:33, insgesamt 1-mal geändert.

Klara
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Beitragvon Klara » 08.02.2011, 11:16

Hallo Gerda,
ja, die Anna Gavalda die hab ich auch so rührend gern...
(kann man jemanden rührend gern haben, den man gar nicht kennt? natürlich sind ihre Texte gemeint. Geht trotzdem "rührend gern"? nee, oder, will sagen: sie rührt mich, berührt mich, öffnet mich...)
Ich dachte, das Buch hieße "Zusammen ist man weniger allein"?
Noch lieber mochte ich "Alles Glück kommt nie", als Hörbuch beim Joggen..., aber nun ist mein MP3-Player, das alte Teil, seit über einem Jahr schon verschütt gegangen, gemeinsam mit einem Koffer, den ich in der Deutschen Bahn vergessen habe, wahrscheinlich hat ihn damals ein SEK-Team gesprengt, wegen Terror-Verdacht, jedenfalls hat auf meine Online-Suchmeldung nix reagiert... - "Ein geschenkter Tag hab ich noch nicht gelesen" (Man kann sich an ihr, glaub ich, leicht überleseessen, lieber dosier ich deshalb)

Ob es jedoch sinnvoll ist, ein Gedicht mit dem Titel eines ihrer Bücher zitierend zu titeln, bezweifle ich. Welchen Mehrwert erhoffst du dir davon?
Zumindest, wenn es ohne den offensichtlichen direkten Inhaltsbezug keinen weiteren Zusammenhang erkennbar macht. Da müsste einem dann schon, mit Verlaub, ein eigener Titel mit eigenen Worten einfallen. Oder es ist keine Lyrik, sondern ein Tagebucheintrag?
Oder man nimmt den französischen Titel - "Ensemble c'est tout", der besser passt? Dann müsste es aber nicht Strawinsky sein, sondern Chopin oder so, auch wenn der Pole war ;)

Oder ich kann mich nur nicht mehr erinnern, inwiefern der Roman Winterschlussverkauf oder Strawinsky zum Objekt machen ...?

herzlich
klara

Gerda

Beitragvon Gerda » 08.02.2011, 12:08

Liebe Klara,

vielen Dank für diese rasche Rückmeldung, die mich eigentlich etwas verdrießlich stimmen könnte, von wegen "Tagebuch".
Macht sie aber dann doch nicht.;-)
Also ein Bezug zum Titel ist intendiert. (Wird noch nicht verraten)
Der Titel steht in Gänsefüßchen und ist so gewollt.
Es ist nicht vom Gavalda Titel entlehnt.

Meine Antwort ist (noch) nicht erschöpfend , weil andere, so fern sie denn lesen und kommentieren, möglicherwesie, das wenig Lyrische hier nicht stört. Eine besser passendere Rubrik habe ich nicht gefunden und ... zum "Tagebuch", meine Texte entspringen letztlich diesem Musenhort, Von dort machen Wortsammlungen sich selbständig und manche können allein laufen ... Ich denke dieser Text auch.

Liebe Grüße
Gerda

Klara
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Beitragvon Klara » 08.02.2011, 12:14

oh nein, verdrießlich wollt ich dich auf keinen Fall stimmen, Gerda! Und auch sonst niemanden!

Einfach nur ein erster Leseeindruck eines durchaus lesbaren und annehmbaren, ja was denn - sagen wir "Apercu"? (bin grad zu faul, das ce-dis zu suchen...)

herzliche Grüße in deinen Tag
klara

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 09.02.2011, 10:39

Liebe Gerda,

ich musste auch gleich an "Zusammen ist man weniger allein" denken, das ist als Assoziation sehr dominant und irritiert dann ein wenig. Außerdem frage ich mich, ob dein Titel tatsächlich das gleiche Thema hat wie der Rest des Textes bzw., ob der Text nicht etwas durcheinander gerät, bei dem, worum es ihm geht, ich glaube, das sind nämlich zwei Aspekte: einmal:

- überall herrscht dieses Prinzip: ein bisschen was / sich nicht voll einlassen /abgrasen, was sich lohnt (hierbei überträgt der Text etwa Gesetze des Kaufverhaltens auf das Beziehungsverhalten und das meines Erachtens zurecht)

- zum anderen das Alter: zwei fünfzigjährige (die wie ware im winterschlussverkauf behandelt wird).

Unter dem jetzigen Titel geht noch nicht ganz zusammen. Wie wäre denn als Titelalternative "Nichts Halbes und nichts Ganzes" oder eine Variante die mit dieser Phrase spielt?

Dann finde ich noch die ersten beiden Zeilen schwierig: Irgendwie wirken sie auf mich ausgedacht (auch wenn es so ist), sie wirken, als wenn sich da jemand selbst die gewünschte Szene ersuggeriert (Musik/Sehnsucht/Bauch). Zudem setzen sie das lyr. Ich als allein und dann im nächsten Abschnitt ist es eine Art Dialogszene. Klar, das lyr. Ich kann sich auch erinnern, die letzte Zeile bindet das auch ein, aber den mittleren, stärksten teil will ich in diesem Fall lieber so "dicht wie möglich" erleben, das heißt nicht als Erinnerung einordnen müssen, sondern als geschehe es gerade. Deshalb könnte man die Einleitung vielleicht noch ein wenig anders gestalten oder gar streichen?

Ich mag die Einstellung hinter dem Text und ich mag, wie der Text mit einzelnen Worten nochmal in sich das Thema "erspielt" (etwa wie bei winterschluss verkauf), wirkt hier gar nicht aufdringlich.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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leonie
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Beitragvon leonie » 09.02.2011, 10:57

Liebe Gerda,

mir ging es auch so, dass der Titel mich eher irritiert und ablenkt. Ich hätte die Idee "Winterschluss".


Liebe Grüße

leonie

Gerda

Beitragvon Gerda » 09.02.2011, 11:21

Liebe Lisa, liebe leonie,

das mit dem Titel lässt sich ja korrigieren, danke für eure Vorschläge und eure Rückmeldungen, besonders deine, Lisa, welche sich ausführlich auf den Inhalt einlässt.
Auf das Alter der "Beiden" habe ich nicht Bezug nehmen wollen, komisch, dass mir der Gedanke fremd ist.
Ich schreibe jetzt einfach mal, was ich ausdrücken wollte und was wohl zu einem Teil auch schon gelungen ist. Über die bemängelten Stellen denke ich gern nach.

Die Situation, von der ich glaubte, sie sei glasklar:
Ein Paar - gleich welchen Alters - ;-) sitzt nicht beisammen, aber in einem Raum.
Lyrich, also "sie" hört Musik, hat Sehnsucht nach Zärtlichkeit, Zweisamkeit, ergreift aber (noch) nicht die Initiative ihrem Bedürfnis Ausdruck zu verleihen..
Er sitzt über der Zeitung und hat gerade Werbung entdeckt, die auf den Winterschlussverkauf hinweist, ist also mit den Gedanken fern von ihr, in der Welt des Konums.
Seine Äußerung führt dazu, dass sie diese Ebene in die Beziehungsebene einbezieht.

Liebe Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 09.02.2011, 11:30

Liebe Klara,

ein Aperçu ist das Verslein eher nicht, denke ich.
http://www.aphorismen.de/lexikon.php?le ... age=detail

Eher eine Art Alltagslyrik, glaube ich, eine Beobachtung verdichtet formuliert.

Liebe Grüße
Gerda

Gerda

Beitragvon Gerda » 09.02.2011, 11:37

Nachtrag

Lisa,

der Titel "Halb und Halb", von dem ich zunächst dachte, der ist es, weigert sich, just in dem Moment, in dem ich ihn ins Header setzen wollte. Es fiel mir dabei "Hackfleisch" ein .... :rolleyes:

leonie,
"Winterschluss" ... geht an meiner Intention vorbei, gibt etwas vor, was aber nur Vehikel ist

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Beitragvon leonie » 09.02.2011, 12:36

Ähm, ich dachte, dass die Sehnsucht nach Veränderung auch etwas mit dem Wunsch zu tun hat, es möge mit dem "Winter schluss" sein... Also, wegen der Doppeldeutigkeit habe ich das vorgeschlagen...

leonie

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 09.02.2011, 21:27

Liebe Gerda,

oh fifty/fifty spielt nicht auf ein älteres Pärchen an? Ich findee aber, dass die Lesart durchaus "drin" ist, oder? (das Wintermotiv stützt das so).
Deinen Bogen der Szene zu folgen halte ich noch für schwer, ich würde versuchen den Leser hier noch etwas mehr zu leiten, kleine Hinweise, Richtungsstubser zu geben. Vielleicht gar durch ein umstellen der ersten Zeile so etwa "Im Rücken dein Zeitungsblättern" und in der zweiten Zeile dann irgendwie deutlich machen, dass die Sehnsucht zwar da ist, aber das lyr. Ich in der Nähe des Du, irgendiwe denkt man bei Sehnsucht ja erstmal an die Abwesenheit des Dus, deine Variante ist zwar deshalb gerade spannend (die Abwesenheit in Anwesenheit), aber auch schwer mit dem Rest dann so zu lesen, wie du es intendierst.

Zum Titel: Ja, halb&halb ist ein wenig Fleischthekenlastig .-) Wie wäre es denn mit "halbherzig oder halb herzig oder sowas? Ist schwierig, einen Titel zu ersetzen..ich könnte mir sonst auch das Fifty/Fifty vorstellen.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Gerda

Beitragvon Gerda » 09.02.2011, 22:34

Liebe Lisa,
Lisa hat geschrieben:oh fifty/fifty spielt nicht auf ein älteres Pärchen an? Ich findee aber, dass die Lesart durchaus "drin" ist, oder? (das Wintermotiv stützt das so).

Das macht ja nichts, dass ich das nicht intendiert hatte, besser so, als andersherum. ;-) Ich bin ja offen gegenüber der Idee.

Lisa hat geschrieben:Deinen Bogen der Szene zu folgen halte ich noch für schwer, ich würde versuchen den Leser hier noch etwas mehr zu leiten, kleine Hinweise, Richtungsstubser zu geben. Vielleicht gar durch ein umstellen der ersten Zeile so etwa "Im Rücken dein Zeitungsblättern" und in der zweiten Zeile dann irgendwie deutlich machen, dass die Sehnsucht zwar da ist, aber das lyr. Ich in der Nähe des Du, irgendiwe denkt man bei Sehnsucht ja erstmal an die Abwesenheit des Dus, deine Variante ist zwar deshalb gerade spannend (die Abwesenheit in Anwesenheit), aber auch schwer mit dem Rest dann so zu lesen, wie du es intendierst.


Ja, ich verstehe, ich habe die Szene zu sehr visualisiert. Ich muss über die Worte mehr nachdenken.
Deine Ausführungen sind wertvoll, Lisa, ich werde mich weiter mit dem Text beschäftigen, damit er nicht offen lässt, was Leser nicht unbedingt ergänzen können.

Lisa hat geschrieben:Zum Titel: Ja, halb&halb ist ein wenig Fleischthekenlastig .-) Wie wäre es denn mit "halbherzig oder halb herzig oder sowas? Ist schwierig, einen Titel zu ersetzen..ich könnte mir sonst auch das Fifty/Fifty vorstellen.


Vielleicht ist das mit der Fleischtheke auch nicht wirklich schlimm ... ja - und die anderen Vorschläge gingen evtl., je nachdem, wie ich diese kl. Episode für andere sichtbar machen kann.

Vielen Dank und liebe Grüße
Gerda


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