Fünf mal Winter
Liebe Renée,
mir geht es wie Sam, das habe ich schon mehrfach gerne gelesen.
Fein beobachtet und sinnlich in Worte gefasst sind die Momentaufnahmen.
Besonders mag ich die letzten beiden Zeilen vom gestehenden Erzengel!
(Habe wenig Zeit zum Kommentieren, aber das wollte ich doch gesagt haben!)
mir geht es wie Sam, das habe ich schon mehrfach gerne gelesen.
Fein beobachtet und sinnlich in Worte gefasst sind die Momentaufnahmen.
Besonders mag ich die letzten beiden Zeilen vom gestehenden Erzengel!
(Habe wenig Zeit zum Kommentieren, aber das wollte ich doch gesagt haben!)
Hallo Renée,
ich mag 1,2,3,4 - sehr.
5 finde ich weniger gelungen, sowohl sprachlich als auch in der Logik: Weihnachten passiert nicht mitten im Winter, sondern gleich zu seinem Beginn, kurz nach der Sonnenwende, zumindest im Okzident. Mit Weihnachten kommt das Licht wieder, es ist gewissermaßen auch ein heidnisches Fest. Die Palmenträger wiederum verlieren im Schnee, im okzidentalen Tannenbaumglitterwinter, ihren Sinn, denn dort gibt es keine Palmen, und die Blüte im Orient hatte nie aufgehört zu blühen.
Eros verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht. Wenn das auf die jungfräuliche GEburt anspielen soll: Schwangerwerden ist nicht zwingend mit Eros verbunden. Oder es zielt auf die Götter vor dem christlichen Einen Gott, aber auch dann verstehe ich das mit der letztenZeile noch zusätzlich beschwerte Pathos nicht. Hat es wirklich mit dem Gedicht zu tun, dass Eros da war? Oder ist einfach die Alliteration unwiderstehlich - Erzengel - Eros?
herzlich
klara
ich mag 1,2,3,4 - sehr.
5 finde ich weniger gelungen, sowohl sprachlich als auch in der Logik: Weihnachten passiert nicht mitten im Winter, sondern gleich zu seinem Beginn, kurz nach der Sonnenwende, zumindest im Okzident. Mit Weihnachten kommt das Licht wieder, es ist gewissermaßen auch ein heidnisches Fest. Die Palmenträger wiederum verlieren im Schnee, im okzidentalen Tannenbaumglitterwinter, ihren Sinn, denn dort gibt es keine Palmen, und die Blüte im Orient hatte nie aufgehört zu blühen.
Eros verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht. Wenn das auf die jungfräuliche GEburt anspielen soll: Schwangerwerden ist nicht zwingend mit Eros verbunden. Oder es zielt auf die Götter vor dem christlichen Einen Gott, aber auch dann verstehe ich das mit der letztenZeile noch zusätzlich beschwerte Pathos nicht. Hat es wirklich mit dem Gedicht zu tun, dass Eros da war? Oder ist einfach die Alliteration unwiderstehlich - Erzengel - Eros?
herzlich
klara
-
Renée Lomris
Liebe Klara,
(Sam u Leonie ... jetzt antworte ich einfach von hinten nach vorne)
Das war jetzt eine freudige Überraschung.
Mein Herzblut hängt nicht an diesem Gedicht. Ich mag "bösartig" lieber, mit allen stilistischen Schwächen ... da steckt mehr drin (mMn!)
Nun aber zu diesem Kompromiss zwischen Form und Inhalt, in dem sehr private, persönliche Erfahrungen mit Winter, Geburt und Lebensmitte verbunden sind, ich werde deine Kritik berûcksichtigen - vor allem die Palmträger - ABER sieh das hier:
Es ist ein Ros entsprungen
Aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen,
Aus Jesse kam die Art
Und hat ein Blümlein bracht,
Mitten im kalten Winter,
Wohl zu der halben Nacht.
Das Röslein das ich meine,
Davon Jesaias sagt:
Maria ist's, die Reine,
Die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ew'gen Rat
Hat sie ein Kind geboren
Wohl zu der halben Nacht.
Eros ist da, weil er das Christliche kompensiert, weil er ein Vorläufer der Engelfigur ist ... EIN puttchen sozusagen ...
ich werde hören, was noch kommt, und werde dann eine zweite Fassung einstellen ...
herzlich
Renée
(Sam u Leonie ... jetzt antworte ich einfach von hinten nach vorne)
Das war jetzt eine freudige Überraschung.
Mein Herzblut hängt nicht an diesem Gedicht. Ich mag "bösartig" lieber, mit allen stilistischen Schwächen ... da steckt mehr drin (mMn!)
Nun aber zu diesem Kompromiss zwischen Form und Inhalt, in dem sehr private, persönliche Erfahrungen mit Winter, Geburt und Lebensmitte verbunden sind, ich werde deine Kritik berûcksichtigen - vor allem die Palmträger - ABER sieh das hier:
Es ist ein Ros entsprungen
Aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen,
Aus Jesse kam die Art
Und hat ein Blümlein bracht,
Mitten im kalten Winter,
Wohl zu der halben Nacht.
Das Röslein das ich meine,
Davon Jesaias sagt:
Maria ist's, die Reine,
Die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ew'gen Rat
Hat sie ein Kind geboren
Wohl zu der halben Nacht.
Eros ist da, weil er das Christliche kompensiert, weil er ein Vorläufer der Engelfigur ist ... EIN puttchen sozusagen ...
ich werde hören, was noch kommt, und werde dann eine zweite Fassung einstellen ...
herzlich
Renée
möglicherweise weiß ich jetzt schon zu viel von diesem gedicht, um noch etwas eigenes sagen zu können.
ich versuche es trotzdem einmal.
und zwar ist es so, dass mir die einzelnen sequenzen, miniaturen, gesichter und bilder vom winter gut gefallen. manche mehr, aber alle gut. schön finde ich auch, dass sie ein unzusammenhängendes bild ergeben, wie ein gebrochener spiegel (oder um im winter zu bleiben, vielleicht ein eiskristall) nur einzelne details wiedergibt, die nicht den anspruch erheben ein sinnvolles, erkennbares ganzes zu ergeben.
genau hier beginnen meine schwierigkeiten.
ich versuche es eben doch in einen zusammenhang zu bringen. versuche es als geschichte, als puzzleteile eines ganzen zu lesen. und das fällt mir schwer, aber das reizt mich auch. und ich glaube, gerade das eros, das ich ebenso wenig wie klara verstehe, was mir bislang auch noch als fremdkörper erscheint, könnte da hilfreich sein.
also zuerst die beziehung zum winter, ein verlorenes kind, ein anderes kind, das ihre milch bekommt.
dann die coquetterie (Gefallsucht habe ich nachgeschlagen. ich hoffe das stimmt)
die kissen, die unschuldige hülle, ein märchenmotiv, eisblumen, das fehlen eines namen in dafür in der anderen sprache, ein traum der aufrechterhalten werden soll (hülle), um zu gefallen?
im dritten bild wird der winter noch einmal bedrohlicher, spitzt sich zu, keine rede mehr von traumwatte, statt dessen gletschereis, aber auch die aussage, dass sich alles verjüngt und zum ersten mal das bild des feuers, ein sehr widersprüchlicher teil, weil das lebensunfreundliche und das tröstende hier (sehr bewusst wie mir scheint) nebeneinander stehen.
das die zeitreise für mich aus dem zusammenhang fällt, ist in ordnung, weil das wohl so ist mit den zeitreisen, sie lassen sich nicht einordnen in einen zusammenhang, schon gar nicht in irgendeine chronologie. trotzdem sind die bilder nicht beliebig, sondern bereiten das letze bild vor.
die engel die den neuanfang versprechen und jetzt nach dieser erarbeitung des vorangegangen für mich, kann ich den erzengel und sein geständnis einbauen, als einen traurigen zusatz. möglicherweise wieder hoch spekulativ. aber für mich einleuchtend.
ich versuche es trotzdem einmal.
und zwar ist es so, dass mir die einzelnen sequenzen, miniaturen, gesichter und bilder vom winter gut gefallen. manche mehr, aber alle gut. schön finde ich auch, dass sie ein unzusammenhängendes bild ergeben, wie ein gebrochener spiegel (oder um im winter zu bleiben, vielleicht ein eiskristall) nur einzelne details wiedergibt, die nicht den anspruch erheben ein sinnvolles, erkennbares ganzes zu ergeben.
genau hier beginnen meine schwierigkeiten.
ich versuche es eben doch in einen zusammenhang zu bringen. versuche es als geschichte, als puzzleteile eines ganzen zu lesen. und das fällt mir schwer, aber das reizt mich auch. und ich glaube, gerade das eros, das ich ebenso wenig wie klara verstehe, was mir bislang auch noch als fremdkörper erscheint, könnte da hilfreich sein.
also zuerst die beziehung zum winter, ein verlorenes kind, ein anderes kind, das ihre milch bekommt.
dann die coquetterie (Gefallsucht habe ich nachgeschlagen. ich hoffe das stimmt)
die kissen, die unschuldige hülle, ein märchenmotiv, eisblumen, das fehlen eines namen in dafür in der anderen sprache, ein traum der aufrechterhalten werden soll (hülle), um zu gefallen?
im dritten bild wird der winter noch einmal bedrohlicher, spitzt sich zu, keine rede mehr von traumwatte, statt dessen gletschereis, aber auch die aussage, dass sich alles verjüngt und zum ersten mal das bild des feuers, ein sehr widersprüchlicher teil, weil das lebensunfreundliche und das tröstende hier (sehr bewusst wie mir scheint) nebeneinander stehen.
das die zeitreise für mich aus dem zusammenhang fällt, ist in ordnung, weil das wohl so ist mit den zeitreisen, sie lassen sich nicht einordnen in einen zusammenhang, schon gar nicht in irgendeine chronologie. trotzdem sind die bilder nicht beliebig, sondern bereiten das letze bild vor.
die engel die den neuanfang versprechen und jetzt nach dieser erarbeitung des vorangegangen für mich, kann ich den erzengel und sein geständnis einbauen, als einen traurigen zusatz. möglicherweise wieder hoch spekulativ. aber für mich einleuchtend.
Hallo Renée,
das Ros' ist aber doch eben auch kein unter Palmen geborenes Lied, sondern ein okzidentales. Oder? http://de.wikipedia.org/wiki/Es_ist_ein_Ros_entsprungen
Dein Spiel mit den Bedeutungen und Herkünften wäre aber in dieser Hinsicht durchaus interessant. Ich gehe trotzdem beim Eros nicht mit. Denn was hätten die alten Griechen hier jetzt verloren? Unter Palmen? Mitten im kalten Winter?
Du schreibst (begründend?):
Das finde ich spannend - stimmt es aber? Also beides:
1. dass Eros ein Vorläufer der Engelfigur ist (ich assoziiere in erster Linie Platon, also das ideale Bild der Liebe, auch Männerliebe, das IDEAL, dann assoziiere ich mit Eros ein Lernenwollenundkönnen-durch-gute-Lehrer-Schüler-Beziehung, und dann das Berühren, das körperliche einander Schönfindendürfen) - keinen Engel. Die Putten sind doch Barock - nicht griechisch, nicht mal (neo)klassizistisch, oder? Ich habe keine Ahnung, helft mir/hilf mir! Und dann assoziiere ich den Gegenspieler, Thanatos. Oben und unten. Sex quasi.
2. dass Eros das Christliche kompensiert. Wie sollte er das tun? Was überhaupt gäbe es zu kompensieren? Das Christliche, die Alleinheit des Einen Gottes mit allem Leben und Tod steht doch so hoch über einem einzelnen Göttchen, dass dieses jenes nicht mal berühren könnte, selbst wenn es wollte, das Puttchen ;)
Gruß, klara
das Ros' ist aber doch eben auch kein unter Palmen geborenes Lied, sondern ein okzidentales. Oder? http://de.wikipedia.org/wiki/Es_ist_ein_Ros_entsprungen
Dein Spiel mit den Bedeutungen und Herkünften wäre aber in dieser Hinsicht durchaus interessant. Ich gehe trotzdem beim Eros nicht mit. Denn was hätten die alten Griechen hier jetzt verloren? Unter Palmen? Mitten im kalten Winter?
Du schreibst (begründend?):
Eros ist da, weil er das Christliche kompensiert, weil er ein Vorläufer der Engelfigur ist ... EIN puttchen sozusagen ...
Das finde ich spannend - stimmt es aber? Also beides:
1. dass Eros ein Vorläufer der Engelfigur ist (ich assoziiere in erster Linie Platon, also das ideale Bild der Liebe, auch Männerliebe, das IDEAL, dann assoziiere ich mit Eros ein Lernenwollenundkönnen-durch-gute-Lehrer-Schüler-Beziehung, und dann das Berühren, das körperliche einander Schönfindendürfen) - keinen Engel. Die Putten sind doch Barock - nicht griechisch, nicht mal (neo)klassizistisch, oder? Ich habe keine Ahnung, helft mir/hilf mir! Und dann assoziiere ich den Gegenspieler, Thanatos. Oben und unten. Sex quasi.
2. dass Eros das Christliche kompensiert. Wie sollte er das tun? Was überhaupt gäbe es zu kompensieren? Das Christliche, die Alleinheit des Einen Gottes mit allem Leben und Tod steht doch so hoch über einem einzelnen Göttchen, dass dieses jenes nicht mal berühren könnte, selbst wenn es wollte, das Puttchen ;)
Gruß, klara
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