Ein Mann (Acht)

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Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 11.08.2010, 17:18

Ein Mann (Acht)

Es gibt einen Mann
Bevor es ihn gab
Dachte ich ihn mir aus
Punkt Punkt Komma Strich
Damals war ich noch ein Kind
Für mich gab es nur den Mann im Mond
Der war nicht so nett
Wie sein Gesicht versprach

Ich dachte mir einen Mann
Den ich traf
Auf der Straße
Oder mitten ins Herz
Dann begegnete ich ihm
Wir bekamen Kinder
Wir legten sie in ein Gewächshaus
Wo sie Knospen trieben
So wie man Gedanken austreibt

Aber der Mann blieb
Er war ja aus mehr als Gedanken
Punkt Punkt Komma Strich
Er fuhr gern mit der Eisenbahn
Aber wenn er einstieg
Dann nur mit den Augen
Ich kaufte ihm eine Brille
Er setzte sie nie auf
Ich löste den Schlüssel von meinem Bund
Dann dachte ich mich weg
Dann dachte ich daran mir etwas auszudenken
Einen Ausgang
Oder ein Ende
Punkt Punkt
Zuletzt geändert von Xanthippe am 13.08.2010, 10:21, insgesamt 1-mal geändert.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 11.08.2010, 22:57

Hallo, Xanthippe,

schönes Wort- und Gedankenspiel! Die verschiedenen Stadien des Mannes, erst in der kindlichen Vorstellung, dann in den Projektionen der Verliebtheit und schließlich in der Realität, von wo man manchmal gern wieder in die Gedanken fliehen möchte, die einfach mehr Raum geben. So etwa verstehe ich es.

Aber der Mann blieb
Er war ja aus mehr als Gedanken


Hier lese ich immer wieder: Er war ja mehr aus Gedanken. Weil dieses "aus mehr als" vielleicht etwas unelegant ist. Wie wäre es mit:
Er schälte sich aus den Gedanken.
oder:
Aber der Mann blieb
und stieg durch die Gedanken

oder:
Er war mehr als ein Gedanke.

Obwohl: In deiner Lesart ist er doch eigentlich weniger, als die Gedanken, oder? ;) Ein Mann, der weder in die Ferne fahren noch blicken möchte.

Viele Grüße
fenestra

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 12.08.2010, 09:48

Guten Morgen, Fenestra,

vielen Dank für die schnelle Reaktion. Über den Gedanken werde ich nachdenken ;-)

Danke sehr
Xanthi

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 12.08.2010, 10:23

Hallo Xanthi,

da gefällt mir auch gut. Trotzdem kleine Anmerkungen. .-)

Warum die (08) im Titel?

Wo sie Knospen trieben
So wie man Gedanken austreibt
Hier habe ich gestutzt, meinst du wirklich Gedanken austreiben, wie den Teufel? Das bekomme ich aber mit den Knospen schlecht zusammen. Oder doch als Vergleich: so wie Gedanken austreiben?

Aber der Mann blieb
Er war ja aus mehr als Gedanken
Punkt Punkt Komma Strich
Über das "aus mehr als" bin ich auch gestolpert, vielleicht ginge auch: Er war ja real
Der Punkt Punkt Komma Strich Entwicklung komme ich noch nicht ganz nach. Hier hätte ich dann schon ein Fehlen erwartet, also nur Punkt Punkt Komma.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 12.08.2010, 11:59

Hallo Flora,

ja bei den Knospen und den Gedanken und ihren Trieben ist ein Denkfehler. Den muss ich irgendwie beheben. Danke fürs Aufzeigen.
Die 08 im Titel steht da, weil es der achte Mann im Zyklus ist, würde dir 8 besser gefallen? darüber habe ich auch schon nachgedacht. oder acht ausschreiben? weiß noch nicht. ist aber auch sehr zweitstellig, oder?
Ach so, noch ein Punkt, das Punkt, Punkt, Komma Strich soll die Anbindung an den Mann im Mond wieder herstellen, da gab es doch dieses Kinderspiel. Punkt Punkt Komma Strich fertig ist das Mondgesicht. Deshalb. Und das Fehlen kommt ja dann zum Schluss.
Danke sehr für Deinen Kommentar.
Xanthi

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 12.08.2010, 15:39

Hallo Xanthippe,

die Bücher sagen, dass "austreiben" anstelle von "treiben" benutzt werden kann, von daher habe ich es hier einfach als Variation desselben Begriffs gelesen und finde Sinn darin - von mir aus müsstest du also nichts ändern :-)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 12.08.2010, 16:13

oh großartig, ferdi, bestimmt habe ich es genauso gemeint, als ich es damals geschrieben habe :pfeifen: danke fürs Erinnern.
Xanthi

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 13.08.2010, 10:04

Hallo Xanthi,

es ist doch aber ein Unterschied, ob "man etwas austreibt", oder ob "etwas austreibt", oder? Zumindest kann es hier auch anders gelesen werden, was dann eben den Inhalt doch stark verschiebt?

Die 08 im Titel steht da, weil es der achte Mann im Zyklus ist, würde dir 8 besser gefallen? darüber habe ich auch schon nachgedacht. oder acht ausschreiben? weiß noch nicht. ist aber auch sehr zweitstellig, oder?
Meinst du mit zweitstellig unwichtig? Das finde ich nicht und wenn es unwichtig ist, würde ich es weglassen. .-)
Ansonsten vielleicht einfach "Der achte Mann" oder (Nr. 8), sonst könnte es auch eine Jahresangabe sein.

Ach so, noch ein Punkt, das Punkt, Punkt, Komma Strich soll die Anbindung an den Mann im Mond wieder herstellen, da gab es doch dieses Kinderspiel. Punkt Punkt Komma Strich fertig ist das Mondgesicht. Deshalb. Und das Fehlen kommt ja dann zum Schluss.
Ja, dass das die Anbingung sein soll, war mir schon klar, aber das wäre ja auch noch mit Punkt Punkt Komma ersichtlich. Vielleicht täusche ich mich auch, aber mir schien es eher eine Entwicklung zu sein, die eventuell an diesem Punkt auch eine beginnende Sprachlosigkeit beinhaltet, auf was dann der fehlende Mund verweisen könnte, und kein plötzliches Fehlen am Ende.

Liebe Grüße
Flora
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Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 13.08.2010, 10:21

Hallo Flora,

das mit der Nummer des Mannes überzeugt mich sofort und vollkommen. Ich werde es gleich ändern.
Bei den anderen Punkten muss ich dir erneut widersprechen :rolleyes:

Flora hat geschrieben:
es ist doch aber ein Unterschied, ob "man etwas austreibt", oder ob "etwas austreibt", oder? Zumindest kann es hier auch anders gelesen werden, was dann eben den Inhalt doch stark verschiebt?


Ja, das war ja die Absicht. Dass es gar nicht zu entscheiden ist, wie das gemeint ist. Keine Eindeutigkeit. Wie so oft im Leben. Bei den Gedanken.


Ja, dass das die Anbingung sein soll, war mir schon klar, aber das wäre ja auch noch mit Punkt Punkt Komma ersichtlich. Vielleicht täusche ich mich auch, aber mir schien es eher eine Entwicklung zu sein, die eventuell an diesem Punkt auch eine beginnende Sprachlosigkeit beinhaltet, auf was dann der fehlende Mund verweisen könnte, und kein plötzliches Fehlen am Ende.


Fein, dass die Anbindung deutlich war. Ich verstehe jetzt deinen Einwand, das mit dem Mund ergibt in deiner Leseart natürlich einen Sinn. Ich denke mal darüber nach.

Vielen Dank fürs erneute Reinlesen
Xanthi

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 15.08.2010, 12:56

Liebe Xanthi,

Ich mag dein Gedicht sehr.

Es erinnert mich dran, wie kleine Mädchen vom Ritter auf dem Schimmel träumen,
der sie entführen wird aus dem doofen Alltag, weg von den Eltern, in eine romatische Liebe.
Den Mann im Mond, den mag man ja nicht mit seinem Mondgesicht, nein, ein Held muss her.
Manche Mädchen träumen stets weiter von dem Ritter und sind auch stets enttäuscht
von den realen Männern, die ihnen begegnen, weil sie einfach nicht an das innere Bild
heranreichen können. Geht ja auch gar nicht, denn solche Typen gibt es halt nicht.


Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 15.08.2010, 13:33

Hallo Elsa,

ich mag deinen Kommentar sehr
Vielen Dank :hut0039:

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 15.08.2010, 13:53

Xanthippe hat geschrieben:Hallo Elsa,

ich mag deinen Kommentar sehr
Vielen Dank :hut0039:


:hut0045:

Freut mich, danke!

LG
ELsa
Schreiben ist atmen


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