[durchwunder ich]

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 03.08.2010, 16:50

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durchwunder ich
das erste Beisammensein
nachtglühens, und wie mir die Adern
strömen
wenn dir Tränen beinahe...
dann

dein düstres Hemd wellt sich fort
in diesen Wind, der weht
und weht vielleicht
von Händen
in Pariser Laternengemurmel

und vielleicht
von Küssen, versteckt
in Wolken von Kaffeetassen und Kohlezeichnungen

denk mir zwei drei Wimpernschläge vielleicht
deinen Mund
Tiefsee,
der ich so viel drohlicher,
als würde er mich eng
ins Spätrot einer sanften Gasse wiegen

möcht dir jetzt nichts Letztes sagen
schmieg mich nur
aus Versehen an deinen Hals

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aus der Reihe:

"bewahrten unser Schweigen"


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VFM

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 03.08.2010, 22:00

ja, das kann ich verstehen, dass du bei meinem mann schreibst, dass dir das nicht lyrisch genug ist. das hier ist wirklich ganz anders.
und manches mag ich und anderes versteh ich nicht. ich geh mal so durch, wenn dir das recht ist;

ZafarFaraj hat geschrieben:-
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durchwunder ich
das erste Beisammensein
nachtglühens, und wie mir die Adern
strömen
wenn dir Tränen beinahe...
dann


sprachschöpfungen sind was wunderbares, aber auch etwas sehr eigenwilliges, empfindliches, finde ich. ich mag den auftakt sehr, das erste beisammensein zu durchwundern gefällt mir sehr sehr gut, das macht schon räume auf, die "nachtglühens" für mich aber dann auch wieder schließt... das ist u.u. sehr subjektiv, aber mir ist es jedenfalls zuviel und wer weiß, vielleicht auch zu pathetisch, kein bild was mich anspricht und/oder ein bild zuviel, die strömenden adern hingegen sagen mir viel und würden mir in diesem zusammenhang vollkommen genügen...
wenn dir die tränen beinahe...
dann
verstehe ich einfach nicht


ZafarFaraj hat geschrieben:dein düstres Hemd wellt sich fort
in diesen Wind, der weht
und weht vielleicht
von Händen
in Pariser Laternengemurmel


das wiederum, das wellen und wehen, der wind und das wasser, diese art der unfaßbarkeit gefällt mir sehr und sogar die hände in pariser latrenengemurmel, nur ganz vielleicht bin ich mir nicht so sicher, ob ich das düstre hemd wirklich so sehen kann, seltsamerweise sehe ich es eher weiß, aber das ist ja mein problem, nicht wahr? aber düster jedenfalls passt für mich nicht so recht in dieses unfaßbare, sondern hat so eine bedrohliche und vielleicht sogar böse ebene, ich weiß nicht, ob du die beabsichtigt hast. aber vermutlich hast du das, nicht wahr. denn es kommt ja noch einmal das drohliche in der übernächsten strophe.

ZafarFaraj hat geschrieben:und vielleicht
von Küssen, versteckt
in Wolken von Kaffeetassen und Kohlezeichnungen


da mag ich sehr das bild, das du zeichnest.

ZafarFaraj hat geschrieben:denk mir zwei drei Wimpernschläge vielleicht
deinen Mund
Tiefsee,
der ich so viel drohlicher,
als würde er mich eng
ins Spätrot einer sanften Gasse wiegen


vom klang, vom rhythmus, von der stimmung her habe ich da nix auszusetzen, rein gar nichts, nur der mund und die tiefsee und dann das lyrische ich das drohlich, da verlässt mich das verstehen, auch bildlich, also ganz und gar, ich würde es rein intuitiv so lesen, dass dieser mund wie die tiefsee droht, das lyrische ich zu verschlingen, das sich aber gleichzeitig gewogen fühlt im spätrot einer sanften gasse, der punkt, der mich so zweifeln lässt, dass ich schließlich unverstehend zurückbleibe ist "der ich so viel drohlicher" ich hoffe du verstehst ansatzweise was ich meine.

ZafarFaraj hat geschrieben:möcht dir jetzt nichts Letztes sagen
schmieg mich nur
aus Versehen an deinen Hals


Wunderbarer Schluss. ich mag ganz besonders das aus versehen an deinen hals schmiegen. obwohl (oder gerade weil) ich es nicht verstehe, aber mit dem gefühl doch verstehe. weil es so irgendwie ein schweigen bewahrt.

ein schönes gedicht, das ich gerne zerpflückt habe ;-)
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FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 04.08.2010, 15:24

Xanthippe hat geschrieben:ja, das kann ich verstehen, dass du bei meinem mann schreibst, dass dir das nicht lyrisch genug ist. das hier ist wirklich ganz anders.


Ja, so ist das halt mit den Geschmäckern und Vorlieben und Fetischen und so :mrgreen: :rolleyes:

sprachschöpfungen sind was wunderbares, aber auch etwas sehr eigenwilliges, empfindliches, finde ich. ich mag den auftakt sehr, das erste beisammensein zu durchwundern gefällt mir sehr sehr gut, das macht schon räume auf, die "nachtglühens" für mich aber dann auch wieder schließt... das ist u.u. sehr subjektiv, aber mir ist es jedenfalls zuviel und wer weiß, vielleicht auch zu pathetisch, kein bild was mich anspricht und/oder ein bild zuviel, die strömenden adern hingegen sagen mir viel und würden mir in diesem zusammenhang vollkommen genügen...


ich mag Sprachschöpfungen auch...in bestimmten Maßen.

nachglühens bezeichnet natürlich die Tageszeit und damit eine bestimmte Stimmung. Ja, es ist pathetisch, aber auch nicht so wahnsinnig, oder?

wenn dir die tränen beinahe...
dann
verstehe ich einfach nicht


was ist daran unverständlich? Der Gedanke ist ja nicht direkt zu Ende gesponnen, irgendwie aber auch wieder schon, denn das dann, also was dann geschieht schlüsselt sich doch noch auf später in den Zeilen...denke ich :eek:

das wiederum, das wellen und wehen, der wind und das wasser, diese art der unfaßbarkeit gefällt mir sehr und sogar die hände in pariser latrenengemurmel,


welches Wasser?

nur ganz vielleicht bin ich mir nicht so sicher, ob ich das düstre hemd wirklich so sehen kann, seltsamerweise sehe ich es eher weiß, aber das ist ja mein problem, nicht wahr?


meinetwegen kann das LyrDu, wie du es liest, auch gern nen weißes Hemd anhaben. Auch das passt, finde ich, aber dann würd ich wohl neblig schreiben, oder so...

aber düster jedenfalls passt für mich nicht so recht in dieses unfaßbare, sondern hat so eine bedrohliche und vielleicht sogar böse ebene, ich weiß nicht, ob du die beabsichtigt hast. aber vermutlich hast du das, nicht wahr. denn es kommt ja noch einmal das drohliche in der übernächsten strophe.


Eine gewisse Bedrohlichkeit empfinde ich hier schon als passend. Aber das Hemd ist einfach auch stimmungsmäßig düster, also, was die Stimmung des LyrDu angeht.

vom klang, vom rhythmus, von der stimmung her habe ich da nix auszusetzen, rein gar nichts, nur der mund und die tiefsee und dann das lyrische ich das drohlich, da verlässt mich das verstehen, auch bildlich, also ganz und gar, ich würde es rein intuitiv so lesen, dass dieser mund wie die tiefsee droht, das lyrische ich zu verschlingen, das sich aber gleichzeitig gewogen fühlt im spätrot einer sanften gasse, der punkt, der mich so zweifeln lässt, dass ich schließlich unverstehend zurückbleibe ist "der ich so viel drohlicher" ich hoffe du verstehst ansatzweise was ich meine.


Nunja, es ist natürlich davon auszugehen, dass sich sowohl LyrIch als auch LyrDu etwas denken oder sich den Gegenüber denken, oder etwas Bestimmtes an ihm/ihr. Etwa den Mund, der anscheinend mit etwas erschreckend Schönem aufwarten kann, Tiefseeartigem (vielleicht auch wegen des Inhalts der Worte, die - was so zwar nicht wörtlich da steht - gesprochen wurden???). Scheinbar scheint das LyrDu mit diesem Mund aber auch durch Mimik oder Gestik oder Körperspannung etwas von seinem Sinnen über das LyrIch zu verraten, nämlich das ihm - dem lyrDu - da etwas drohlicher erscheint. So oder so ähnlich, als Gedankenanstoß. :smile:

Wunderbarer Schluss. ich mag ganz besonders das aus versehen an deinen hals schmiegen. obwohl (oder gerade weil) ich es nicht verstehe, aber mit dem gefühl doch verstehe. weil es so irgendwie ein schweigen bewahrt.


Ich will ja nichts entromantisieren, aber, wer weiß schon, ob das alles aus Versehen war :razz:

Vielen Dank für dein "Zerpflücken" :-) ...ich werd in jedem Fall mal über das Nachtgeglühe nachdenken...

Herzlichst

Zafar

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 04.08.2010, 22:33

Liebe Zafar,

Ich lese deine Gedichte überaus gern, schreibe kaum bis nie was dazu, denn es käme ja meist nur
ein "Ah", "schöön", "wie romantisch", "Oohhh" heraus dabei. ;-)

Jetzt möchte ich mich aber doch einmal melden und dir erzählen, wie das Gedicht bei mir ankommt.
1. Ahhh und oh wie schön! :)

Denn das ist es. Warum es gerade dieses ist, liegt am verblüffenden Ende nach all der süßen, schweren (aber nicht schwerfälligen!) Romantik, in die man sich einschwingt, die auch eine Art Beängstigung (Str. 4) beinhalt, durchaus zurecht, Verliebtsein/Liebe ist ja nicht gerade das Einfachste im Leben.
Das Ende mit der "versehentlichen" Anschmiegung, die sicher geplant ist, macht das Gedicht so schön erdig.

Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 05.08.2010, 10:08

ZafarFaraj hat geschrieben:welches Wasser?

Wehen= Wind ; Wellen = Wasser


ZafarFaraj hat geschrieben:
Nunja, es ist natürlich davon auszugehen, dass sich sowohl LyrIch als auch LyrDu etwas denken oder sich den Gegenüber denken, oder etwas Bestimmtes an ihm/ihr. Etwa den Mund, der anscheinend mit etwas erschreckend Schönem aufwarten kann, Tiefseeartigem (vielleicht auch wegen des Inhalts der Worte, die - was so zwar nicht wörtlich da steht - gesprochen wurden???). Scheinbar scheint das LyrDu mit diesem Mund aber auch durch Mimik oder Gestik oder Körperspannung etwas von seinem Sinnen über das LyrIch zu verraten, nämlich das ihm - dem lyrDu - da etwas drohlicher erscheint. So oder so ähnlich, als Gedankenanstoß. :smile:


Vielleicht mag ich auch einfach das Wort nicht, "drohlich"... könnte sein, mir ist das einfach zu lyrisch :pfeifen:

Danke für die Erläuterungen
Xanthi

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 05.08.2010, 11:34

Xanthippe hat geschrieben:
ZafarFaraj hat geschrieben:welches Wasser?

Wehen= Wind ; Wellen = Wasser


Ah, kapiert! :razz: Nö, aber nicht nur Wasser wellt sich. Und ja, der Wind hätte ja schon auch was mit wogendem Wasser zu tun. Also, es ist zumindest stimmig...oder so



Vielleicht mag ich auch einfach das Wort nicht, "drohlich"... könnte sein, mir ist das einfach zu lyrisch :pfeifen:


Das versteh ich. Mag halt lieber Buchstabensuppe mit ner ordentlichen Prise Lyrischem :pfeifen: :pfeifen: :pfeifen:


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