unter meinem rosenstock

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 21.01.2009, 13:33

3. Fassung (Endversion)

unter meinem rosenstock

in satter erde meine toten
so viele sind es schon und noch
und noch kommen hinzu

schwer die äste mit dem rosa
im sommer nach den knospen

sie hatten früher augen

wenn die erste eisnacht fällt
sich vergilbt der spätherbst streut

blatt um blatt
im schweigen mit mir im weinen
und eine nebelkrähe hockt am stein

winterlich trägt der stock nichts mehr

graue stille unter ihm


herzlichen Dank an Lisa!

2. Fassung

unter meinem rosenstock

blüten vom juni bis zum frost
von hellstem rosa einer babydecke

in satter erde meine toten
so viele sind es schon und noch
und noch kommen hinzu

schwer die äste mit dem rosa
im sommer nach den knospen

sie hatten früher augen
einen mund gelacht
manchmal geschrien

wenn die erste eisnacht fällt
sich vergilbt der spätherbst streut

blatt um blatt auf sie
im schweigen mit mir im weinen
und eine nebelkrähe hockt am stein

winterlich trägt der stock nichts mehr
grau ist die stille unter ihm


[size=75]danke Monika und Bilbo für die Betrachtung!



1. Fassung

unter meinem rosenstock

blüten vom juni bis zum frost
von hellstem rosa einer babydecke

in satter erde meine toten
so viele sind es schon und noch
und noch kommen dazu

schwer die äste mit dem rosa
im sommer nach den knospen

sie hatten früher augen
einen mund gelacht
manchmal geschrien

wenn die erste eisnacht fällt
im spätherbst streut sichs vergilbt

auf jene die aufgehört haben
zu sprechen mit mir zu weinen
und eine nebelkrähe hockt am stein

winterlich trägt der stock nichts mehr
grau ist die stille unter ihm

[/size]
Zuletzt geändert von Elsa am 03.08.2010, 18:03, insgesamt 3-mal geändert.
Schreiben ist atmen

DonKju

Beitragvon DonKju » 21.01.2009, 17:18

Hallo Elsa,

da krieg' ich ja gleich wieder den Blues bei diesen traurig tristen Zeilen; Wobei ich noch nicht ganz genau zu sagen weiß, mag ich's oder mag ich's nun nicht ...

Zumindest einige Formulierung könnte ich mir auch anders vorstellen (ein bisserl Textarbeit muss schon sein ...) :

Wie wäre es mit

"wenn die erste eisnacht fällt
im spätherbst vergilbt sich streut"

sowie

"einen mund gelacht
und manchmal (auch) geschrien"

statt den Originalpassagen ?

Mit liebem Gruß vom Hannes

scarlett

Beitragvon scarlett » 22.01.2009, 22:34

Liebe Elsa,

ein sehr nachdenklicher und trauriger Text. Die Verbindung eines wunderschönen Rosenstocks mit den Gedanken an diejenigen, die darunter liegen. Das ist mitunter schwer zu ertragen, diese Schönheit im Angesicht des Todes. So zumindest lese ich das.

Formal habe ich zweierlei anzumerken:
zum einen ist mir die vorletzte Strophe zu explizit, fast schon erzählerisch, sie fällt mir aus dem bis dahin so lyrischen Rahmen.

Zum anderen verstehe ich - rein grammatisch - dieses hier nicht:

wenn die erste eisnacht fällt
im spätherbst streut sich vergilbt


Ich suche vergeblich nach einer Ergänzung zu dem "streut sich vergilbt" - wer oder was?
Was verstehe ich hier nicht oder falsch oder wie auch immer? Es will sich mir an diese STelle nicht fügen ...

Das "hellste rosa einer babydecke" find ich super sowie die Nebelkrähe, die am Stein hockt. Schönes Bild!

Mitfühlende HerzGrüße,
Monika

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 23.01.2009, 09:17

Lieber Hannes, liebe Monika

Danke für die Anregungen. Die Sache mit dem Streuen habe ich nun verändert. Ihr habt recht,
da fehlten die Blätter des Rosenstrauchs (sowas!).

Das "auch", Hannes, hatte ich mal drin, habe es jedoch wieder verworfen.

Monika, danke fürs Mitfühlen, schön langsam wird's wieder. Das Leben ist unerbittlich und geht weiter.

Herzliche Grüße euch,
ELsa
Schreiben ist atmen

DonKju

Beitragvon DonKju » 23.01.2009, 16:52

... nach wie vor ein Text, der traurig machen kann, aber in der zweiten Version jetzt : Trotzdem auch schön !

Lieber Gruß an Elsa von Hannes

Mucki
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Beitragvon Mucki » 23.01.2009, 23:28

Liebe Elsie,

das ist ein sehr mitnehmendes traurig-schönes Gedicht, dessen Stimmung auf mich als Leser überspringt und nachhallt.

Stille Grüße
Mucki

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 24.01.2009, 14:36

Liebe Elsa,

den Titel find ich als Vorschau und synthetische Zeile für alles, was im Text dann ausgeführt wird, ganz toll und gelungen. Auch finde ich den freien Umgang mit der Sprache (z.B. Krähe hockt am Stein) ganz wirkmächtig! An anderen Stellen ist der Text mir aber noch zu "satzhaft" (für ein Gedicht, das ich nicht als Erzählgedicht auffasse) und einiges ist "zuviel" gesagt - die Rosapassagen z.B. oder nach den Augen, da herrscht noch zuviel Durchführung durch, die Bilder sollten mehr schlummern...oder vom Leser entschlummert werden. Fast alle anderen Bilder gefallen mir dann wieder sehr, du hast irgendetwas archetypisches am Trauern mit dem Wetter, dem rosenstock und allem eingefangen. ich hab mal (ähäm..) (den anfang hab ich gestrichen, das rosa kommt ja nochmal und gefällt mir indirekter besser, bei den augen hab ich gekürzt, weil sich so die augen auf knospen und die begrabenen beziehen und ich das schöner finde (vielleicht, weil ich das auch gerade in einem text gemacht habe .-) <--egozentrisch) und am ende noch ein bisschen...vielleicht zeigt das, was ich meine...gibt eine Idee davon.

liebe Grüße,
Lisa


unter meinem rosenstock

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so viele sind es schon und noch
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blatt um blatt
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und eine nebelkrähe hockt am stein

winterlich trägt der stock nichts mehr

dann nur die stille unter ihm
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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leonie
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Beitragvon leonie » 24.01.2009, 14:55

Liebe Elsa,

das ist wirklich bewegend.
Mir gefällt die Straffung von Lisa gut, ein bisschen weiniger rosa :-) .
Dafür würde ich aber das "grau" wieder aufnehmen und n der letzten Zeile schreiben:

"graue Stille unter ihm"

Gern gelesen!

Liebe Grüße

leonie

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 03.08.2010, 18:02

Lang lang hat es gedauert, aber nun habe ich fertig.

Vielen Dank an Lisa für die wunderbare Replik und diese vorgeschlagenen Kürzungen sind einmalig gut.

Liebe leonie, danke!

Oben ist dann die Endversion.

Lieben Gruß
ELsa
Schreiben ist atmen

Mucki
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Beitragvon Mucki » 03.08.2010, 18:25

Liebe Elsie,

durch die Entschlackung hat dein Gedicht an Schwere zugenommen und somit
deutlich gewonnen, ist noch eindringlicher geworden.

Saludos
Mucki

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 03.08.2010, 19:31

Liebe Mucki,

vielen Dank. Freut mich sehr!

Lieben Gruß
Elsie
Schreiben ist atmen

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 04.08.2010, 20:30

Liebe Elsa,

ich freu mich immer, dass du archivarisch so unvergesslich ist - und was soll ich sagen, mir gefällt's, rein zufällig, versteht sich!

(war schön, den text nochmal so frisch lesen zu können)

liebe Grüße,
Lisa
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leonie
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Beitragvon leonie » 04.08.2010, 22:02

Liedbe Elsie,

mir gefällts auch. Und Dein Foto übrigens auch (Hammer!).

Liebe Grüße

leonie

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 04.08.2010, 22:19

Liebe Lisa,

Fein! Nochmals Dank für deine große Hilfe.
Ich hab da immer so eine To do Liste für unerledigte Texte. Leider sind da noch etliche
abzuarbeiten...


Liebe leonie,

Schön, danke!

Das Foto? Das stammt von der Lesung mit scarlett in München, freut mich @Hammer ;-)

Liebe Grüße
ELsie
Schreiben ist atmen


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