Schreibt euch nur die Finger wund,
ihr Moralapostel und Philosophen.
Ich brauche eure Ratschläge nicht.
Als ich vierzehn Jahre alt war,
hat man mich konformiert,
ich konnte die zehn Gebote auswendig,
und dass man keinen Menschen töten darf.
Eine gute Moral!
Mit achtzehn Jahren musste ich zur Musterung,
wurde auf Kriegstauglichkeit geprüft.
Man wollte mich zum Töten abrichten.
Ich weigerte mich.
Die Christen haben eine gute Moral;
Sie halten sich nur nicht dran.
Die Nazis waren liebevolle Väter,
aber gleichzeitig vergasten sie Kinder.
Da hätte auch die beste Moral nichts genützt.
Auf unserem Schulhof herrschte das Faustrecht,
dies Urgestein menschlicher Moral.
Steht beim Menschen auf Standby.
Zwecklos
Hm. Ich bin zwiegespalten: Einerseits ist eine Haltung hier gut und bündig dargestellt, andererseits bin ich mit dieser Haltung ganz und gar nicht einverstanden. Philosophen schreiben sich nicht "die Finger wund", um "Ratschläge" zu geben, sie hinterfragen und versuchen zu begründen, was eine "gute Moral" ist -- was dieses Lyrich hier einfach dogmatisch behauptet; und dieser Dogmatismus, mit der man die eigene Moral als die "gut" bezeichnet und das weitere Fragen für unnötig erklärt, das genau ist meiner Ansicht nach -- das Böse.
Und "die" christliche Moral auf das Tötungsverbot zu reduzieren, ist auch etwas arg einfach. In den christlichen Quellen findet sich eine große Vielfalt an moralischen Grundsätzen, von der strikten Ablehnung von Homosexualität, dem Lehrverbot für Frauen oder der Todesandrohung für Gotteslästerer, Sonntagsarbeit oder rebellische Kinder oder das Verbot, sich den Bart zu stutzen auf der einen Seite bis zu Umkehr und Nächstenliebe auf der anderen. Da gibt es m.E. nicht "die" Moral, sondern eine Vielzahl an Auslegungstraditionen, die mehr oder weniger viel davon berücksichtigen und unterschiedlich einordnen.
Wenn "konformieren" Absicht ist und nicht, im Kontext des Christentums, "konfirmieren" heißen sollte, ist es als Wortspiel zwar gelungen, aber es passt m.E. nicht zur Haltung, die der restliche Text ausdrückt: Dort scheint das Lyrich seine Haltung ja gerade nicht als bloße Konformität anzusehen?
Warum steht das eigentlich bei "Prosa"? Es sieht für mich eher aus wie Lyrik.
Und "die" christliche Moral auf das Tötungsverbot zu reduzieren, ist auch etwas arg einfach. In den christlichen Quellen findet sich eine große Vielfalt an moralischen Grundsätzen, von der strikten Ablehnung von Homosexualität, dem Lehrverbot für Frauen oder der Todesandrohung für Gotteslästerer, Sonntagsarbeit oder rebellische Kinder oder das Verbot, sich den Bart zu stutzen auf der einen Seite bis zu Umkehr und Nächstenliebe auf der anderen. Da gibt es m.E. nicht "die" Moral, sondern eine Vielzahl an Auslegungstraditionen, die mehr oder weniger viel davon berücksichtigen und unterschiedlich einordnen.
Wenn "konformieren" Absicht ist und nicht, im Kontext des Christentums, "konfirmieren" heißen sollte, ist es als Wortspiel zwar gelungen, aber es passt m.E. nicht zur Haltung, die der restliche Text ausdrückt: Dort scheint das Lyrich seine Haltung ja gerade nicht als bloße Konformität anzusehen?
Warum steht das eigentlich bei "Prosa"? Es sieht für mich eher aus wie Lyrik.
Der Pastor sprach immer von uns als seine Schäfchen.
Dabei waren wir Wölfe, aus denen nie friedliche Wiederkäuer werden würden.
Die freundlichste Moral würde daran nichts ändern.
Das wäre ja so, als verlangte man von zwei gegnerischen Fußballmannschaften,
sich nichts zu tun, sondern auf dem Rasen miteinander fromm zu grasen.
Ein unmenschlicher Anspruch.
Epiklord
Dabei waren wir Wölfe, aus denen nie friedliche Wiederkäuer werden würden.
Die freundlichste Moral würde daran nichts ändern.
Das wäre ja so, als verlangte man von zwei gegnerischen Fußballmannschaften,
sich nichts zu tun, sondern auf dem Rasen miteinander fromm zu grasen.
Ein unmenschlicher Anspruch.
Epiklord
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