Herberge des Wahnsinns -- Bist Du ein Traum?

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Mnemosyne
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Beitragvon Mnemosyne » 18.12.2023, 09:19

Hallo, ihr Lieben,
wie jedes Jahr gibt es von mir mal wieder einen Weihnachtstext. Ich habe mal wieder ein wenig experimentiert und versucht, möglichst weit auseinanderliegendes zu mischen, in diesem Fall: Sitcom und Psychohorror (genauer: Lovecrafts Geschichten über die monströse Gottheit Cthulhu) . Da das ganze in Episoden organisiert ist und für einen Einzelbeitrag zu lang wäre, poste ich das hier sukzessive.
Liebe Grüße
Merlin

Ich schrecke hoch. Mit aufgerissenen Augen sitze ich plötzlich im Bett, den Rücken kerzengerade.
Mein Atem geht hektisch und stoßweise, als sei ich gerade aus einem Würgegriff entkommen. Ich spüre meinen Schlafanzug, wie er mir an der schweißnassen Haut klebt. Ein Teil des Betttuchs hat sich von der Matratze gelöst und bildet mit der Bettdecke ein wüstes Knäuel.
Ich muss einen Alptraum gehabt haben, sage ich mir, und ich versuche, langsamer zu atmen, um mein hämmerndes Herz zu beruhigen. Ein Alptraum. Nur ein Alptraum. Nur ein Traum. Zum Glück ist er jetzt vorbei. Zum Glück hat mich etwas geweckt.

Aber was? Der Wecker zeigt 5:00, draußen ist es noch dunkel. Keine Zeit, zu der ich sonst aufwache. Auf der Straße vor dem Fenster ist alles still.

Mir fällt auf, dass ich meine Projektorlampe umgestoßen habe, sie projiziert den Aldebaran auf meine Schlafzimmertür. Schnell rücke ich sie wieder gerade. Gut. Jetzt stehen die Sterne wieder richtig.

Aus dem Badezimmer dringen Geräusche. Der Wasserhahn scheint zu laufen. Auch das Licht ist angeschaltet. Ich bin mir sehr sicher, beides abgestellt zu haben. Die Badezimmertür steht offen. Ich bleibe in der Tür stehen und schaue hindurch.

Im Waschbecken steht der Plüsch-Cthulhu. Er hält meine Zahnbürste in der Hand und schrubbt sich das Blut aus den Tentakeln. Ein rotes Rinnsal läuft in den Abfluss. Er stochert, kratzt etwas Seetang hervor und wirft ihn auf den Boden. Offensichtlich träume ich noch. Diese Einsicht wirkt schlagartig beruhigend. Trotzdem, denke ich – schon irgendwie gruselig, das.

"Das sagt der Richtige," höre ich eine Stimme in meinem Kopf. Eine tiefe, donnernde Stimme. "Wer steht denn hier in einer dunklen Ecke und beobachtet seine Gäste im Badezimmer?"

Krass, denke ich. Er spricht.

"Krass," sagt Cthulhu. "Es denkt." Er springt aus dem Waschbecken, breitet die Flügel aus und gleitet zu Boden.

Irgendetwas sollte ich dringend sagen. Etwas, was dem völligen Irrsinn der Situation gerecht wird. Ich schwanke zwischen einer Begrüßung und einer Exorzismus-Formel.

"Ey," höre ich mich sagen, während ich noch überlege, was ich sagen soll. "Du ... hast den Wasserhahn nicht zugedreht!"

"Ist das ein Problem?" Die Fangarme geraten in Bewegung. Sie umschlingen einander und wringen einander aus. Schwach rot verfärbte Wassertropfen fallen auf die Badezimmerfliesen.

"Für mich schon," entgegne ich. Der Anblick meiner Zahnbürste auf dem Boden jagt mir kalte Schauer über den Rücken.

"Das nehme ich mal als ein >Nein<." Er stellt sich direkt vor mich, so nah, dass ich die Nähte an seinen Flügeln erkennen kann. Mit den Augen auf der Höhe meiner Waden schaut er auf mich herab. Wie er das macht, frage ich mich schon nicht mehr.

"Dürfte ich mal durch die Tür? Ich muss ins Bad."

"Ins Bad?", gebe ich verdutzt zurück, "Da bist Du doch schon!"

"Nö. Da bist Du. Schau dich doch mal um."

Ich blicke hinter mich. Ich sehe die Toilette, das Waschbecken, und die Badewanne.
Ich schüttle verwirrt den Kopf. "Äh..."

"Also was nun? Kann ich rein?"

Traum oder nicht Traum, denke ich mir, nur runter mit ihm vom Holzparkett. Der tropft mir noch alles voll. Nur schnell wieder ins Bad mit ihm.

"Ja klar, komm rein," sage ich, und trete zur Seite.

"Danke auch!" sagt Cthulhu und stapft an mir vorbei durch die Tür, wobei die Plüschtentakel in seinem Gesicht aufgeregt wuseln.

"Puh", denke ich mir. "Das war ja erstaunlich einfach."
Ich schaue wieder nach vorne. Toilette, Waschbecken, Badewanne. Dafür liegt mein Wohnungsflur nun wieder in meinem Rücken.

"Komm her." höre ich aus dem Wohnzimmer. "Wenn Du schon hier in meiner Wohnung wohnst, will ich dich wenigstens mal kennenlernen."

Obwohl ich eigentlich gerade noch darüber nachdenke, ob es jetzt nicht besser wäre, aus der Wohnung zu laufen und laut um Hilfe zu schreien, gehorche ich, ehe ich recht merke, was ich da eigentlich tue. Und laufe ins Wohnzimmer.

Dort angekommen, halte ich inne. Irgendwas ist hier anders. Alles ist anders. Der Teppich, der hölzerne Wohnzimmertisch, die Dinge darauf – Fernbedienung, Weinglas, Kerze, Stift, ein kleiner Block --, die Bücher im Bücherregal – alles ist irgendwie verschoben, asymmetrisch, falsch; nichts ist da, wo es sein sollte, alles da, wo es nicht sein sollte und liegt gegeneinander versetzt und verdreht in Winkeln, die es gar nicht geben dürfte. "Nichteuklidisch" schießt mir durch den Kopf, warum auch immer. Von dem Anblick wird mir schwindlig, fast übel. Und doch finde ich es erstaunlich schwierig, mich davon loszureißen.

Trotzdem. Ich kann ja nicht die ganze Nacht damit verbringen, vor meinem Wohnzimmer zu erschaudern. Es gibt etwas zu klären. Dringend.

"Raus hier!", rufe ich, und bemerke erfreut, dass ich deutlich sicherer klinge als ich bin. "Das ... äh ... das ist Hausfriedensbruch!" Im Stillen verfluche ich mich. Dieser Zusatz hat es nicht unbedingt besser gemacht.
"Wie bitte?", fragt Cthulhu, "Wie kann das denn sein? Du hast mich doch selbst in deine Wohnung getragen!"
"Ins Bad.", korrigiere ich.
"Und dann hast Du mich eingeladen, den Rest deiner Wohnung zu betreten."
"Habe ich nicht!", protestiere ich.
"Doch. Sonst wäre ich nicht drin. Geht gar nicht anders"
Er muss eingeladen werden, denke ich. Mich beschleicht ein ungutes Gefühl.
"Du träumst wohl! Wann soll das gewesen sein?"
Cthulhu blickt mich mit seinen starren, roten Augen an.
"Ja klar, komm rein!" höre ich meine eigene Stimme in meinem Kopf.
"Das gilt nicht!" rufe ich. "Als ich das gesagt habe, dachte ich ja, Du wärst schon drin! Eigentlich wollte ich, dass Du ins Bad zurück gehst!"
"Hast Du aber nicht gesagt.", erwidert Cthulhu.
"Du treibst mich noch in den Wahnsinn!"
"Stimmt." Cthulhu kichert. Glaube ich zumindest. Die Tentakel werfen kleine, hektische Wellen. "Das ist so meine Art."

Wie die Dinge sich entwickeln, gefällt mir ganz und gar nicht. Ich muss dringend die Zügel wieder in die Hand nehmen. Was mir an Sicherheit fehlt, versuche ich durch Lautstärke wettzumachen. "Was fällt dir überhaupt ein, hier einfach hereinzuschneien und das hier deine Wohnung nennen? Hat sich was! Du hast hier überhaupt nichts verloren! Ich schmeiß' dich einfach wieder raus!"

Wieder geht diese Welle durch die Tentakel, nur diesmal etwas heftiger. "Versuch's doch mal. Auf den Versuch bin ich gespannt!"

"Wo soll da das Problem sein? Du gehst mir nicht mal bis zum Knie und wiegst vielleicht 500 Gramm. Ich pack dich jetzt an einem von deinen Beinchen und werfe dich mit Schwung zur Wohnungstür heraus!"
(Falls Du noch weißt, wo das ist: "heraus", schießt mir eine Stimme durch den Kopf, die nicht meine zu sein scheint – und die ich nicht gehört zu haben beschließe.)
"Dann kannst Du es mit deinen Dekorationskünsten im Treppenhaus versuchen, und wenn Du Glück hast, nimmt die kleine Tochter von den Leuten über mir dich in ihre Kuscheltiersammlung auf!"

Die Welle kommt zum Stillstand. Die Tentakel werden starr, krümmen sich zu Cthulhus Gesicht zurück und schießen dann mit den Spitzen auf mich zu, wie ein Nest angriffslustiger Schlangen sieht das aus, oder als schleudere er Speere nach mir.

"Junge! Du kannst gerne mal versuchen, mich 'rauszuschmeißen'. Ich hab' gerne was zu lachen. Aber wenn Du versuchst, mich an meinem Bein hochzuheben oder sonstwie respektlos zu behandeln, wirst Du hinterher nicht einmal mehr in deinen schrecklichsten Alpträumen zusammen kriegen, was ich mit dir gemacht habe!"

Das sitzt. Eigentlich hatte ich mich ja gerade entschlossen, das Ding als das zu behandeln,was es ist: Ein kleines, hässliches Kuscheltier. Eigentlich, sage ich mir, habe ich das auch immer noch vor.

Aber ein wenig Vorsicht kann ja nicht schaden.

Ich schiebe beide Hände von hinten unter Cthulhu, so dass er auf meinen Handflächen sitzt wie ein König in einer Sänfte. Jetzt aber wirklich schnell raus mit dem Ding! Ich renne zur Wohnzimmertür heraus.

So weit zumindest der Plan. Tatsächlich renne ich dort, wo sich die Wohnzimmertür vor zwei Minuten noch befunden hat, vor eine glatte, weiße Wand. Nichts deutet auch nur entfernt auf eine Öffnung hin.

Die Welle ist wieder da. Anscheinend macht er sich über mich lustig.

Nicht mit mir, denke ich. Dann eben aus dem Fenster. Ich drehe mich um und mache ein, zwei Schritte in die Richtung, wo die Fenster gerade noch waren. Jetzt ist auch dort nur – eine weiße Wand. Ich befinde mich in einem Raum ohne Öffnungen, allein mit dem textilenen, aber offenbar sehr wirkmächtigen, Ebenbild einer monströsen Gottheit.

Auf meinen Handflächen dreht sich Cthulhu zu mir um. Die Tentakelwelle plätschert fröhlich über sein Gesicht. Aber da ist noch etwas anderes. Die einzelnen Tentakel zittern leicht, wie in gespannter Erwartung. "Na, und jetzt?"

Ich schaue mich verzweifelt um.

Ich sehe eine Wand. Dort, wo ich noch eben in der Zimmermitte stand.

Scheiße, denke ich, jetzt bewegen sich auch noch die Wände auf mich zu!

"Keine Ideen mehr für unser Spiel?", höre ich eine Stimme von meinen Händen, "Na, ich schon!"

Im nächsten Moment ist es stockdunkel bis auf zwei rote, glühende Punkte direkt vor mir. Cthulhus Augen. Irgendwo in der Finsternis ertönt eine leise Stimme: "Immer noch keine Idee? Dann hätte ich einen Vorschlag. Einen richtig guten. Du könntest sagen: 'Botschaft angekommen. Lektion gelernt. Bleib', solange Du willst!'. Glaub mir, das ist ein sehr guter Vorschlag. Das ist sogar der mit Sicherheit beste Vorschlag, den Du je in deinem Leben gehört hast."

"Botschaft angekommen", stammele ich, "Lektion gelernt. Du kannst bleiben."

"Freut mich zu hören.", sagt Cthulhu, und im nächsten Moment ist das Licht wieder an, Türen, Wände und Fenster wieder da, wo sie sein sollten.

Vorsichtig setze ich Cthulhu zurück auf das Sofa.

"Das war wohl nix.", meint er. "Aber schon irgendwie lustig. Willst Du es noch mal versuchen?"

Ich schüttele stumm den Kopf.

"Komm schon", sagt Cthulhu einladend, "diesmal mach' ich auch nichts dagegen. Versprochen."

"Im Ernst?", gebe ich verblüfft zurück.

"Im Ernst." Die Tentakel stehen paarweise stramm, wie zum Eid aneinandergelegte Finger. "Großes altes Indianerehrenwort. Du kannst mich einfach rauswerfen. Wenn es das ist, was Du willst."

"Klar will ich das!", erwidere ich. "Warum sollte ich das denn nicht wollen?"

Statt zu antworten, lässt Cthulhu seinen Blick durch mein Wohnzimmer schweifen. Wie ein Laserstrahl fokussieren die roten Augen den Stapel Pizzakartons, der zur Entsorgung an der Tür steht; den wackligen kleinen Tisch mit dem einzigen Stuhl im Zimmer auf der einen und dem Fernseher auf der anderen Seite; die schmale Matratze mit einem Kissen und einer Decke auf dem Boden im Nebenraum; die vier Becher auf dem Schrank, von denen drei völlig verstaubt sind; meine VR-Brille und meine drei Spielekonsolen neben einem überquellenden Regal mit Videospielen. Mit den Brettspielen im untersten Fach, auf denen ebenfalls fingerdick der Staub liegt. Mir ist, als würde ich unter seinen Blicken schrumpfen.

"Du kriegst nicht viel Besuch, oder?"

"Was soll das denn jetzt? Klar kriege ich Besuch!", widerspreche ich, "letztens erst war ein Kollege hier!" Falsch ist das nicht. Als ich hier eingezogen bin, hat mir ein Kollege den Tisch spendiert. Den hatte er noch im Keller und wollte ihn loswerden. Netterweise hat er ihn hergebracht, ehe er gleich wieder gefahren ist. Das war vor vier Jahren. Ich schaue verlegen zu Cthulhu herüber. Unsere Blicke treffen sich. Hoffentlich fragt er nicht weiter nach.
Doch damit gibt er sich gar nicht erst ab. "Blödsinn", stellt er nüchtern fest. "Und sonst ist in deinem Leben auch nicht viel los. Jede Wette, das gerade eben war das Aufregendste, was dir in den letzten drei Jahren passiert ist."

"Toll. Das könnte man auch sagen, wenn mir ein Klavier auf den Kopf gefallen wäre."

Cthulhu blickt wieder wie-auch-immer von unten auf mich herab. "Ich präzisiere meine Aussage. Es war nicht nur das aufregendste Erlebnis, nicht bloß der höchste Gipfel in einem Gebirge aufregender Erfahrungen; es war ein einsamer Eisberg im Polarmeer, das World Trade Center in New York..."

"Das gibt es doch gar nicht mehr!", protestiere ich.

"Stimmt auch wieder", gibt Cthulhu zurück. "Ich muss schon sagen. Meine Fans haben so etwas noch nie für mich getan." Er lässt ein wenig die Tentakel hängen.

"Und außerdem gibt es in New York noch eine Menge anderer hoher Gebäude!"

"Meinetwegen." Die Fangarme wedeln durch die Luft, als wollten sie Fliegen verscheuchen. "Dann eben Barad-dûr in der Ödnis von Mordor, oder, vielleicht passender" -- fährt er fort, ehe ich "Schicksalsberg" und "Ered Lithui" einwerfen kann, und blickt sich noch einmal um -- "eine Fernsehantenne auf einem Flachdach, kurz: Das einzige Erlebnis seit Jahren, für das das Wort "aufregend" auch nur entfernt infrage kommt. Stimmt's?"

Ich schweige verbissen.

"Ein einzelner Farbklecks in einem grauen und öden Alltag."

Ich verschränke die Arme.

"Eine Oase in der Wüste."

Ich verdrehe die Augen.

"Ein Sonnenstrahl, der durch eine dunkle Wolkendecke bricht."

Nun reicht's. Ich unterbreche Cthulhus Parade abgegriffener Metaphern. "Und wenn ich dich hier wohnen lasse, wird mein Leben bunt und hell?"

"Hm", macht Cthulhu, "Das vielleicht nicht gerade. Aber ein Alltag mit mir ist alles, was deiner jetzt nicht ist. Du hast es doch gerade selbst erlebt: Wie eines der Horrorspiele auf deiner VR-Brille, nur viel, viel realistischer und non-stop. Langweilen wirst Du dich sicherlich nie wieder."

"Nee danke", erwidere ich, "wenn ich Horror will, schaue ich eine Folge 'Walking Dead'."

Ein leichtes Zittern geht durch die Tentakel, mit dem sie sich alle zugleich in einem leicht anderen Winkel ausrichten. "Alleine.", ergänzt Cthulhu.

Ich ignoriere ihn. "Und wenn ich Abwechslung brauche, dann gehe ich spazieren..."

"Alleine."

"... oder ins Kino!"

"Alleine." Die Tentakel zittern nun stärker.

"Komm schon!", unterbricht Cthulhu schließlich das hierauf folgende betretene Schweigen, "Haste halt ein Plüschtier zuhause, mit dem Du ab und zu redest. Das dich verabschiedet, wenn Du Morgens zur Arbeit gehst und begrüßt, wenn Du Abends wiederkommst. Das ist nicht so schlimm. So etwas haben viele einsame Mittvierziger."

Ich fühle meinen Widerstand bröckeln. "Nee", denke ich noch, "das kann's nicht sein. Das klingt jetzt echt nicht gesund. Der muss raus!"

Aber vielleicht nicht sofort.

Mir fallen die Wasserflecken im Flur ein. Die muss ich dringend aufwischen. Außerdem muss ich eine neue Zahnbürste kaufen.

Dazu muss ich erst einmal raus hier. Und das erfordert es leider, Cthulhu den Rücken zuzuwenden. Ich muss an die Dunkelheit denken. Und an die glühenden, roten Augen.

So ein Blödsinn, schießt es mir durch den Kopf, das kann ja gar nicht sein. Die Augen sind aus Glas, das ganze Ding aus Plüsch, und ich habe nirgendwo ein Batteriefach gesehen. Die Augen können gar nicht leuchten.

Und eigentlich können ja auch die Türen und Fenster nicht einfach verschwinden.

Das müssen Wahnvorstellungen gewesen sein, denke ich, was mich einen kurzen, aber auch wirklich nur einen sehr kurzen, Augenblick beruhigt. Oder Träume. Vielleicht träume ich einfach noch. Auch wenn sich das alles furchtbar echt anfühlt.

Ich schaue auf Cthulhu. "Du bist ein Traum, oder?"

Die Tentakel wölben sich in der Mitte nach oben. Hätte Cthulhu Augenbrauen, zöge er sie jetzt wohl hoch. "Wenn Du mich das fragst," entgegnet Cthulhu, "hat sich die Frage wohl schon erledigt."

Vermutlich hat er da recht. Aber sonst ist ja niemand da.
Zuletzt geändert von Mnemosyne am 18.10.2026, 21:12, insgesamt 10-mal geändert.

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Beitragvon birke » 23.09.2026, 01:08

[dies/ das setting erinnert mich übrigens irgendwie ein wenig an die känguru chroniken ... da steht doch auch eines tages eben jenes vor der tür des protagonisten? habe sie allerdings nie gelesen, die chroniken :)]
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Mnemosyne
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Beitragvon Mnemosyne » 23.09.2026, 12:03

Das (einschließlich seiner Fortsetzungen übrigens sehr lesens- bzw. hörenswerte) Känguru war ursprünglich mal eine der Inspirationen für den Zyklus, neben anderen solchen Konstellationen wie Calvin und Hobbes, Dilbert und Dogbert, Jon und Garfield oder Walter Black und seinem Biber (und natürlich Lovecraft, für den Horror, und Frischs "Der Mensch erscheint im Holozän"). Allerdings ist das Känguru doch ein deutlich anderer Charakter: politisch, trotz Reibereien letztlich solidarisch mit dem Protagonisten und eher Kampfgefährte als Antagonist und vor allem wirklich da und für andere sicht- und ansprechbar.

P.S.: In der Beschreibung von Cthulhu stand doch wirklich "Augenparty" statt "Augenpartie." Jetzt habe ich Kopfkino.
Zuletzt geändert von Mnemosyne am 17.10.2026, 23:41, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon birke » 23.09.2026, 17:45

lach, "augenparty" ist gut!! :pff:
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